So folgt es aus einer repräsentativen Umfrage des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas). Aus der Untersuchung der Ergebnisse folgen ebenfalls Ost-West-Unterschiede, wonach die Zustimmungen in Ostdeutschland erheblich höher sind.

Deutsche Bevölkerung stimmt befremdlichen Aussagen zu

Prorussische Verschwörungserzählungen erhalten in Deutschland steigende Bekräftigungen. Neben den deutlichen Meinungen gibt es auch immer mehr Menschen, die gewisse Aussagen zumindest teilweise bejahen.

Stimmten beispielsweise im April 2022 noch 12 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Putin gegen eine globale Elite vorgehen würde, die im Hintergrund Fäden ziehe, sind es mittlerweile 18 Prozent. Weitere 12 Prozent glauben an eine von russischer Seite aufgestellte, aber nie belegte Behauptung: Die Ukraine hätte demnach zusammen mit den USA geheime Biolabore zur Herstellung von Biowaffen betrieben. Im Vergleich zum April ist der Anteil der Befragten, die an diese These glauben, um 5 Prozent gestiegen (vorher betrug er 7 %).

Auch weitere Aussagen, die mehr in Richtung Legitimation des Krieges durch Russland gehen, erhielten in den vergangenen Monaten mehr Zuspruch. Darunter stieg der Anteil der Befragten, die folgender Aussage zustimmten, von 8 auf 14 %: „Die Ukraine hat historisch gesehen keinen eigenen Gebietsanspruch und ist deshalb ein Teil von Russland“. Des Weiteren sind mittlerweile nicht mehr 5 %, sondern 9 % der Befragten der Meinung, dass der Ukraine-Krieg notwendig geworden sei, „um dort die faschistische Regierung zu beseitigen“.

Regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands

Die Analyse der Umfrageergebnisse zeigt deutliche Unterschiede in der Bewertung prorussischer Propaganda zwischen Ost- und Westdeutschland auf. Während in Westdeutschland nur 16 % die Aussage für gut befinden, dass die Nato Russland so lange provoziert habe, bis Russland in den Krieg ziehen musste; sagt in Ostdeutschland mittlerweile jeder Dritte dieser These zu. Damit liegt der Anteil der Bekräftigungen in Ostdeutschland doppelt so hoch wie im Westen des Landes. Äquivalent verhalten sich die prozentualen Anteile bei der Behauptung, der Krieg in der Ukraine würde nur der Ablenkung von der Corona-Pandemie dienen. Auch hier lag der Anteil der Zustimmungen im Osten von Deutschland mit 14 % doppelt so hoch wie im Westen (mit nur 7 %).

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AFD-WählerInnen treiben Prozentwerte in die Höhe

Die größten Zustimmungswerte in Bezug auf verschwörungsideologische Aussagen wurden von Wählerinnen und Wählern der AFD registriert. Die beiden Aussagen, die Ukraine sei eigentlich Teil Russlands, und Russland habe wegen Provokationen der Nato in den Krieg ziehen müssen, erhielten beide nahezu 50 % Bestätigung. Mit 40 % fast genauso kräftig, wurde der Aussage, Putin würde gegen eine globale Elite vorgehen, die im Hintergrund die Fäden zieht, zugestimmt.

Betrachtet man weitere Wählergruppen, erhielten die zweithöchsten Zustimmungswerte aller abgefragten Behauptungen, WählerInnen der Linken, wobei die niedrigsten Werte bei den WählerInnen der Grünen erzielt wurden.

Intensive Zunahme von Desinformationskampagnen

Wie die MAZ berichtet, haben russische Desinformationskampagnen seit Beginn des russischen Angriffskrieges noch einmal zugenommen. Diese Information erhielt das Redaktions Netzwerk Deutschland (RND) von der Cemas-Geschäftsführerin Pia Lamberty. Sie fügte an: „Sie [die Desinformationskampagnen] sollen Chaos oder Zwietracht stiften und das Vertrauen in die Demokratie als solche untergraben“. Damit sind diese Desinformationen kein reines Sicherheits- oder Informationsproblem, sondern ein akuter Angriff auf das ganze System Demokratie als solches.

Weiter erklärte Lamberty: „Unsere Umfrage zeigt, dass die Verbreitung von Verschwörungserzählungen seit April signifikant angestiegen ist. Das Krisenhafte der letzten Monate kann der ideale Nährboden für Verschwörungserzählungen sein, die ja sowohl von Rechtsextremen als auch von Russland geschürt und verstärkt werden.“

Autor: Nick L.

Quelle:

MAZ
Cemas – Für die Studie wurden zwischen dem 03.10.2022 und dem 11.10.2022 insgesamt 2228 Personen in ganz Deutschland befragt.

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