Die Behauptung

In den sozialen Medien ist die Annahme verbreitet, eine Grafik des Umweltbundesamtes (UBA) zeige, dass es keinen signifikanten Trend bei den Hochwasserständen in Deutschland und damit keinen Zusammenhang mit dem Klimawandel gebe.

Unser Fazit

Diese Schlussfolgerung ist falsch. Die Grafik zeigt nur die Pegelstände ausgewählter Flüsse und enthält keine Daten kleinerer Gewässer. Sie lässt daher keine Rückschlüsse auf die Häufigkeit schwerer Hochwasser oder den Klimawandel zu.

Im Frühsommer 2024 verursachte ein extremes Hochwasser in Süddeutschland schwere Schäden. Zuvor war Norddeutschland im Januar stark von Winterhochwasser betroffen. Doch nehmen solche Ereignisse wirklich zu?

Gerüchte/Behauptungen

In den sozialen Medien kursiert die Behauptung, eine Grafik des Umweltbundesamtes (UBA) zeige, dass es keinen signifikanten Trend bei den Pegelständen gebe, der Klimawandel also keine Rolle spiele. Diese Darstellung soll suggerieren, dass die jüngsten Hochwasserereignisse nicht durch den Klimawandel beeinflusst wurden.

Grafik Umweltbundesamt: Kein Beleg für Häufigkeit schwerer Hochwasser
Screenshot der Behauptung aus den sozialen Medien

Bewertung

Diese Interpretation ist falsch. Die UBA-Grafik zeigt Pegelstände an bestimmten Flüssen, nicht aber an kleineren Gewässern wie der Ahr, an der es im Sommer 2021 zu einer schweren Hochwasserkatastrophe kam. Es ist daher unseriös, aus dieser Grafik zu schließen, dass der Klimawandel keine Rolle spielt.

Die Fakten

Schwere Hochwasserereignisse wie im Frühsommer 2024 in Süddeutschland verursachen erhebliche Schäden. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die extremsten Hochwasser bisher in den Sommermonaten auftraten, wenn Starkregen oder Dauerregen das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten. Die UBA-Grafik zu „Spitzenabflüsse an Fließgewässern“ ist nur ein Teil des Monitoringberichts 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel.

Der Indikator in der Grafik konzentriert sich auf mittlere Flussgebiete und basiert auf Daten von 75 Pegeln in Deutschland. Die Balken in der Grafik zeigen, wie viele dieser Pegel im Sommer- und Winterhalbjahr Hochwasser hatten, unterteilt in mittlere, große und sehr große Hochwasser.

So zeigt die Grafik, dass im Sommer 1998 an mehr als 40 % der ausgewählten Pegel sehr große Hochwasser gemessen wurden. Damals führte ein niederschlagsreicher Oktober zu großflächigen Überschwemmungen in ganz Deutschland.

Was die Grafik zeigt und was nicht

Die UBA-Grafik erfasst Tage, an denen die Pegelstände den langjährigen Mittelwert überschritten haben – unabhängig von der Höhe der Überschreitung. Eine Aussage über die Schwere der Hochwasserereignisse ist daher nicht möglich. Auch kleinere Gewässer, wie die Hochwasserkatastrophe im Ahr- und Erfttal im Sommer 2021, werden nicht berücksichtigt.

Lesen Sie auch >   US-Justizministerium zerschlägt russisches Botnetz auf X

Umweltbundesamt: Häufigere Starkniederschläge

Die Grafik kann keine Aussage über die Häufigkeit von schweren Hochwasserereignissen in Deutschland machen. Das UBA weist aber darauf hin, dass der Klimawandel mit häufigeren Extremwetterereignissen wie Starkregen, Dürren und Hitzesommern einhergeht.

Einzelne Hochwasserereignisse direkt mit dem Klimawandel zu erklären, ist schwierig. Wissenschaftler wie Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Experten der World Weather Attribution gehen aber davon aus, dass durch den menschengemachten Klimawandel extreme Regenfälle häufiger und intensiver geworden sind – auch in Europa.

Hat der Klimawandel etwas mit Hochwasser zu tun?

Es ist schwierig, einzelne Hochwasserereignisse direkt auf den Klimawandel zurückzuführen. Die Daten zeigen jedoch, dass es vor allem im Sommer häufiger zu Starkniederschlägen kommt. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern, was zu intensiveren Niederschlägen führt.

Zukünftige Entwicklungen

Durch die Erwärmung kann die Atmosphäre mehr Wasserdampf aufnehmen, was die Wahrscheinlichkeit von Starkniederschlägen erhöht. Experten weisen darauf hin, dass die Niederschläge nicht gleichmäßig verteilt sein werden, sodass es in einigen Regionen zu längeren Dürreperioden kommen kann.

Fazit

Die Grafik des Umweltbundesamtes zeigt keine signifikanten Trends bei den Wasserständen ausgewählter Flüsse in Deutschland. Sie ist jedoch nicht geeignet, um Aussagen über die Häufigkeit von schweren Hochwasserereignissen oder den Klimawandel zu treffen. Durch den Klimawandel bedingte Extremwetterereignisse wie Starkregen nehmen zu, aber einzelne Hochwasserereignisse können nicht direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden.

Quelle: dpa

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um auf dem Laufenden zu bleiben. Erkunden Sie auch unser umfangreiches Medienbildungsangebot.

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)