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Mythos Wintermodus: Heizkosten sparen durch dichtere Fenster

Der „Wintermodus“ bei Fenster bewirkt, dass Fenster enger auf der Dichtung aufliegen. Viele behaupten, dass der „Wintermodus“ Heizkosten spare, da weniger Luft entweicht

Tom Wannenmacher, 24. September 2022
Mythos Wintermodus: Heizkosten sparen durch dichtere Fenster
Mythos Wintermodus: Heizkosten sparen durch dichtere Fenster

Aufgrund der steigenden Energiepreise fragen sich immer mehr Verbraucher, wie man einfach Heizkosten sparen kann. In vielen Artikeln und Videos, meist auf TikTok, stößt man bei der Suche momentan oft auf den sogenannten Wintermodus bei Fenstern, der dabei helfen soll. Angeblich würde durch einen Trick der Anpressdruck erhöht, wodurch das Fenster dichter sein soll. Ein Experte rät allerdings von dieser Methode ab.

Screenshot: TikTok / Mythos Wintermodus: Heizkosten sparen durch dichtere Fenster
Screenshot: TikTok / Mythos Wintermodus: Heizkosten sparen durch dichtere Fenster

Was steckt wirklich hinter dem sogenannten Wintermodus?

Bei dem sogenannten Wintermodus von Kunststofffenstern soll es sich um einen kleinen Zapfen handeln, der durch Verstellen mit einem Inbusschlüssel den Anpressdruck des Fensters erhöht und damit ein dichteres Fenster garantiert. Dies soll Heizkosten sparen, da weniger warme Luft nach draußen entweicht, so behaupten es Befürworter dieser Methode. Sie erwähnen dabei gerne die thermische Ausdehnung der Dichtungen. Für viele Laien mag das erstmal sinnvoll klingen, jedoch liegt in dieser Behauptung laut einem Experten ein entscheidender Denkfehler.

Moderne Fenster sind ohnehin dicht – Das garantiert der Hersteller

Bei Holzfenstern ohne Dichtung war es noch üblich, dass Außenluft infiltrierte und für einen Luftwechsel sorgte. Dies bestärkt den Irrtum, man müsse moderne Fenster im Winter einstellen, damit sie dicht bleiben. Moderne Fenster unterliegen jedoch strengen Richtlinien: So schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) verbindlich vor, dass sämtliche neu hergestellten Fenster zu jeder Jahreszeit luftdicht schließen müssen. Ist dies nicht der Fall, dürfen sie überhaupt nicht verbaut werden und bei jeder Installation wird letzteres noch einmal durch den Handwerker überprüft.

Gibt es einen Wintermodus bei Fenstern?

In einem Gespräch mit myHOMEBOOK erklärt der Handwerksmeister und Sachverständige für Bauschäden, Ulrich Opitz:

„Ich komme immer wieder zu Leuten, die sagen, mein Fenster ist undicht. Von dem ominösen „Wintermodus“ bei Fenstern habe ich jedoch noch nie gehört. Das kommt in der Regel bei Kunden auch nicht vor“. Auch in seinem Experten-Kreis kennt laut dem Fachmann kaum jemand diese Methode.

Dennoch weisen viele Artikel im Netz auf den „Wintermodus-Trick“ hin. In diesen „Anleitungen“ wird ein Verdrehen der „Rollzapfen“ oder „Pilzzapfen“ beschrieben.

Mehr Schaden als Nutzen

Wer sich nun als schlauen Fuchs hält und meint, er könne ein wenig an den Schließzapfen drehen, ist auf dem Holzweg. Im Gegenteil kann das Fenstereinstellen laut Opitz sogar mehr Schaden zufügen, als dass es Nutzen bringt. Deshalb wird entschieden davon abgeraten, Einstellungen am Fenster selbst vorzunehmen.

Wenn der Privatkunde selbst daran rumdreht, kann er mehr Schaden anrichten, als er Gutes tut. „Dann kann es passieren, dass die Dichtungen über den Winter Schaden nehmen“, weiß der Experte. Denn durch den höheren Anpressdruck beschleunigt sich der Verschleiß, was dazu führen kann, dass das Fenster tatsächlich schnell undicht wird. Außerdem ist es möglich, dass durch unqualifizierte Einstellungen die Garantie des Herstellers erlischt. Zudem würde das im Umkehrschluss ja bedeuten, dass die Fenster im Sommer undicht wären, was nicht sinnvoll ist, so Opitz.

Zusätzliche Dichtungen? –  Nein, Fenster sind heutzutage eher zu dicht

Laut dem Unternehmen Schmidinger ist ebenso davon abzuraten, selbst Dichtungen zu ersetzen oder zusätzlich anzubringen. Auch diese Praxis sei für die Fenster auf lange Sicht schädigend, da die entstehende Belastung dazu führen kann, dass der Fensterflügel schief wird oder die Beschläge Schaden nehmen. Auch Opitz betont: „Ich belaste zusätzlich meine Bauteile am Fenster. Wenn dann Schäden zum Beispiel an den Bändern entstehen, ist es mein eigenes Verschulden, die Industrie verkauft das gerne.“

Ferner seien undichte Fenster auch gar nicht das eigentliche Problem. „Wir haben ein Problem mit zu dichten Fenstern. Kondensat in der Raumluft führt zu Schäden, zum Beispiel Schimmel an den Wänden, wenn man nicht richtig lüftet“, so der Handwerksmeister.

Bitte nehmen Sie als Laie keine Einstellung der eingebauten Beschläge vor, dies kann zu mehr Schaden am Fenster führen. Einen Fensterservice ist immer durch eine Fachfirma durchzuführen!

Aufgedeckt: eigentliche Funktion der Schließzapfen

Bei keinem Fenster lässt sich der Verschleiß an den Dichtungen langfristig vermeiden. Deswegen werden Fenster zwangsläufig irgendwann undicht. In diesem Fall kann ein qualifizierter Handwerker durch Verstellen des Schließzapfens den Anpressdruck des Fensters erhöhen, sodass es wieder dicht aufliegt. Mit dieser Methode kann der Kunde Dichtungen länger verwenden, bevor sie ausgetauscht werden müssen.

Quellen:

Machen Sie Ihre Fenster winterdicht
Wintermodus bei Fenstern?

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