Bereits vor vier Jahren berichteten wir von Emil Voetzsch. Der Mann war damals bereits 100 Jahre alt und sollte seinen Platz im Seniorenheim räumen… was damals schon für Hetze gegen Flüchtlinge genutzt wurde.

Und auch heute noch wird dieses Bild herumgereicht:

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

„Einen 100 Jährigen Deutschen, der zwei Weltkriege erlebt und überlebt hat, Deutschland wieder mitaufgebaut hat, sein Leben lang brav gearbeitet und Steuern bezahlt hat, droht eine Räumungsklage im Seniorenheim, weil er die Heimkosten nicht mehr alleine tragen kann. Wie armselig ist dieses Land geworden? Pseudoflüchtlingen, Schmarotzern, Asylbetrügern den Hintern vergolden, die nichts für Deutschland leisten geschweige denn jemals eine Leistung erbracht zu haben, aber armen Deutschen im Alter die Würde entziehen.“

Der Screenshot mit dem Text und dem Bild stammen ursprünglich von der Seite „Netzplanet“, welche damals für ihre Artikel mit Halbwahrheiten, kompletten Lügen und konstanter Hetze bekannt war, mittlerweile aber nicht mehr existiert.

Warum drohte ihm die Räumungsklage?

RP-Online“ berichtete damals neben vielen anderen Medien von diesem Fall. Damals sagte der Leiter des Jüchener Seniorenzentrums, John Esser, aus, dass innerhalb von mehreren Monaten Außenstände in Höhe von 15.000 Euro entstanden sind, die nicht gezahlt wurden. Das Seniorenzentrum musste handeln, da sonst die Liquidität bedroht sei, sprich: das komplette Seniorenzentrum hätte schließen müssen.

Saß der arme Mann dann auf der Straße?

Nein. Tatsächlich war die Zwangsausweisung und dieses berühmte Foto, die Herrn Voetzsch zeigt, wie er aus dem Seniorenzentrum gerollt wird, ein recht cleverer Trick. Die Vermögensverhältnisse waren nämlich lange Zeit ungeklärt, die Bedürftigkeit des alten Mannes lange Zeit unklar. Es kam dann zu jener Räumungsklage, doch vor dem Seniorenzentrum standen bereits Mitarbeiter des Ordnungsamtes… und schickten den Rentner wieder zurück in sein Zimmer.

Jene Mitarbeiter hatten nämlich einen Beschluss zur Zwangsunterbringung. Und in diesem Fall muss die Gemeinde für die Kosten der Unterbringung aufkommen. Ausziehen musste er nicht mehr, sein Wohnrecht galt lebenslänglich.

Und was hat das nun mit Flüchtlingen zu tun?

Nichts. Das Seniorenzentrum nutzte zusammen mit dem Rentner einen cleveren rechtlichen Trick, beschlossen eine Zwangsräumung, damit eine Zwangsunterbringung beschlossen wird und die Kosten für die Unterbringung von der Gemeinde gedeckt werden.

Der „Netzplanet“ nutzte damals die rührende, wie auch amüsante Geschichte nur, um irgendwas gegen Flüchtlinge sagen zu können. Natürlich kochten dann auch die Gerüchte hoch, dass er aus dem Seniorenzentrum ausziehen müsse, damit dort Flüchtlinge untergebracht werden können, was eine absolut haltlose Behauptung war.

Im Endeffekt ist das Bild und der Text nichts anderes, als zusammenhanglose Hetze.

 


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