Rassismus ist kein Phänomen, welches erst seit Kurzem existiert. Ein guter Beweis dafür ist ein Foto, zu dem wir Anfragen bekamen.
Auf einem nachkolorierten Foto, welches derzeit kursiert, sieht man einen Käfig mit einem Kind mit dunkler Hautfarbe darin, links und rechts neben dem Käfig zwei lachende Kinder mit heller Hautfarbe.
Hier eine der Anfragen:
Der Arm des Mädchens im blauen Kleid wirkt tatsächlich ein wenig unnatürlich, was allerdings eher der Nachkolorierung zu schulden ist, die wohl teilweise automatisiert erfolgte und dem Arm eher grau/grünlich als Teil des grünen Hintergrunds interpretierte, anstatt ihn hautfarben zu kolorieren.
Das Buch
Wie bereits oben beschrieben, wurde das Bild anscheinend nachträglich eingefärbt und in jener gefärbten Form verbreitet. Das Originalbild ist schwarz-weiß und stammt aus dem Buch „Wit-zwart in zwart-wit“ (Weiß-Schwarz in Schwarz-Weiß) des Autors Paul Van Damme, dort ist es auch als Titelbild zu sehen.
„Zusammen und doch dennoch getrennt: Fotos und Geschichten aus dem Belgisch-Kongo“
lautet der Untertitel des Buches, welches Anfang Juni erschien.
In 2020 ist es 60 Jahre her, dass der Kongo unabhängig wurde. Während der Zeit als belgische Kolonie entstanden Hunderttausende von Fotos, die die faktische und moralische Überlegenheit der Kolonisatoren zeigte, manchmal bewusst in Form von Propaganda, manchmal spielerisch und doch eindringlich wie in dem obigen Bild.
So suchte Van Damme für dieses Buch jahrelang in in- und ausländischen Archiven von Missionskongregationen, ehemaligen Kolonialisten und Unternehmen nach Fotografien zu der Thematik „Schwarz und Weiß“ und deren Beziehung zueinander in dieser Zeit.
Während die Fotos faktisch sind, kann man die Geschichte dahinter oftmals nur interpretieren, so verknüpft Van Damme in dem Buch wahre Geschichten und Interpretationen mit den Bildern, um die damalige Ungleichheit aufzuzeigen.
Das Bild
Dieses findet sich nicht nur auf dem Cover des Buches, sondern auch im Innenteil.
Die Beschreibung zu dem Bild lautet auf Deutsch:
„Eine absichtliche Demütigung eines schwarzen Jungen durch zwei weiße Kinder? Oder ist es nur ein unschuldiges Spiel, das keine andere Bedeutung hat? Schwer herauszufinden…“
Als Quelle ist Van de Meerssche erwähnt, Titel „Drei spielende Kinder“, Familienfoto, ca. 1955.
Fazit
Das Bild ist echt. Die Nachkolorierung ist ein wenig unglücklich; das Original ist Schwarz-Weiß und stammt aus einem kürzlich erschienen Buch über die Kolonisationszeit des Belgisch-Kongo.
Auch interessant:
Kostenlos · der tägliche Mimikama-Newsletter
Fakten statt Aufregung. Direkt in dein Postfach.
Die wichtigsten Faktenchecks und Meldungen des Vortags – jeden Morgen kostenlos und unabhängig vom Social-Media-Algorithmus.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)
