Viele Namen unbekannt: Liste der toten Flüchtlinge enthält nicht nur Ertrunkene

Die Liste der toten Flüchtlinge umfasst nicht nur die ertrunkenen Flüchtlinge. Viele Namen sind unbekannt. Mehr dazu lesen Sie im Artikel.

Die Behauptung

Im Plenarsaal des EU-Parlaments wurde eine „Namensliste der ertrunkenen Flüchtlinge“ ausgelegt, die meisten Flüchtlinge hätten jedoch keine Papiere bei sich gehabt, weshalb die Echtheit der Liste angezweifelt wird.

Irreführend

Es handelt sich nicht ausschließlich um eine Liste ertrunkener Flüchtlinge. Die Liste enthält auch Migranten, die auf andere Weise ums Leben gekommen sind. Viele Namen sind nicht bekannt, weshalb häufig „N.N.“ als Platzhalter verwendet wird.

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Die Vorstellung, dass die Mehrzahl der auf der Flucht Verstorbenen identifiziert und namentlich erfasst wird, mag einerseits hoffnungsvoll stimmen. Andererseits wird diese Vorstellung leider oft durch Missverständnisse und Fehlinformationen verzerrt. Dies ist der Fall bei der sogenannten „Namensliste der ertrunkenen Flüchtlinge“, die im Internet kursiert und zum Teil falsch interpretiert wird.

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Gerüchte/Behauptungen

Seit 1993 dokumentiert die Organisation „United for Intercultural Action“ die Todesfälle von Menschen, die auf der Flucht nach Europa gestorben sind. Eine Aktion im Europäischen Parlament hat die Verbreitung einer falschen Behauptung über diese Daten ausgelöst. In einem Facebook-Post wird behauptet, im Plenarsaal des EU-Parlaments sei eine „Namensliste der ertrunkenen Flüchtlinge“ ausgelegt worden. Es wird die Frage aufgeworfen, wie die Namen der toten Flüchtlinge bekannt sein können, wenn die meisten von ihnen keine Papiere bei sich hatten.

Bewertung

Es handelt sich nicht ausschließlich um eine Liste ertrunkener Flüchtlinge. Die Liste enthält auch Namen und Daten von Migranten, die auf andere Weise ums Leben gekommen sind. Viele der aufgeführten Namen sind unbekannt und daher mit „N.N.“ (Nomen nominandum) gekennzeichnet, was bedeutet, dass der Name nicht bekannt ist.

Die Fakten

Das Foto, das angeblich die „Namensliste der ertrunkenen Flüchtlinge“ zeigt, ist irreführend. Tatsächlich handelt es sich um eine Liste von Menschen, die seit 1993 auf oder nach der Flucht gestorben sind. Die Liste enthält Informationen über das Datum, den Ort und die Umstände des Todes sowie die Quelle der Information. In vielen Fällen ist der Name der verstorbenen Person unbekannt und es wird „N.N.“ verwendet.

Die aktuelle Version dieser Liste enthält mehr als 60.000 Einträge. Dabei handelt es sich nicht nur um Ertrunkene, sondern auch um Personen, die z.B. auf der Flucht vor der Polizei, in Polizeigewahrsam, durch Verhungern oder durch Selbstmord ums Leben gekommen sind. Die Liste wird von der Amsterdamer Organisation „United for Intercultural Action“ geführt.

Die Künstlerin Banu Cennetoglu hat die Liste in zahlreichen Installationen im öffentlichen Raum gezeigt. So wurde die damals etwa 100 Meter lange Liste am 28. April 2015 im Rahmen der Demonstration „Migrants Lives Matter“ vor dem Eingang des Europäischen Parlaments in Straßburg ausgelegt. In einem Video des Europäischen Parlaments sind zahlreiche beispielhafte Einträge zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Liste 17.306 Todesfälle, wie aus einem Bericht der „Bild„-Zeitung hervorgeht.

Weitere Informationen

Die Behauptung, es handele sich um eine „Namensliste ertrunkener Flüchtlinge“, ist eindeutig falsch. Die Liste dokumentiert den Tod von Flüchtlingen auf unterschiedliche Weise und umfasst weit mehr als nur Ertrunkene. Die Herausforderung, die Namen der Toten zu identifizieren, bleibt bestehen. Dies wird durch die häufige Verwendung von „N.N.“ deutlich, was zeigt, dass viele Opfer anonym bleiben.

Die Verbreitung der falschen Behauptung über die Liste im Europäischen Parlament lenkt von der wahren Tragödie ab, dass Tausende von Menschen auf der Flucht sterben und oft anonym bleiben. Es ist wichtig, diese Liste als Dokumentation der vielen Gefahren zu verstehen, denen Flüchtlinge ausgesetzt sind, und nicht als vollständige namentliche Erfassung der Opfer.

Fazit

Die von „United for Intercultural Action“ geführte Liste der toten Flüchtlinge ist eine umfassende Dokumentation der tragischen Verluste auf der Flucht nach Europa. Sie enthält nicht nur Namen von Ertrunkenen, sondern auch von Menschen, die auf andere Weise ums Leben gekommen sind. Die Verbreitung falscher Informationen darüber ist nicht nur irreführend, sondern lenkt auch von der wahren humanitären Krise ab, die diese Liste darstellt. Die langfristige Bedeutung dieser Dokumentation liegt in der Erinnerung und Mahnung an die Risiken und Gefahren, denen Flüchtlinge ausgesetzt sind, sowie an die Notwendigkeit sicherer Fluchtwege und eines besseren Schutzes für diese Menschen.

Quelle: dpa

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