Erdogan und die Bundestagswahl 2025: Alte Aussagen in neuem Kontext?

Manipulation durch alten Kontext: Eine fünf Jahre alte Aussage des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wird vor der Bundestagswahl 2025 erneut in sozialen Medien verbreitet.

Die Behauptung

Erdoğan habe vor der Bundestagswahl 2025 Türkinnen und Türken in Deutschland aufgefordert, Parteien wie CDU, SPD und Grüne nicht zu wählen, da sie angeblich „Feinde der Türkei“ seien.

Falsch

Diese Behauptung ist falsch. Erdoğan tätigte eine ähnliche Aussage zwar 2017, doch für 2024 oder 2025 gibt es keine Beweise oder Berichte, die dies stützen. Das verbreitete Material ist aus dem Zusammenhang gerissen.

Kurze Faktenübersicht:

    • Originalaussage: Erdoğan rief 2017 türkischstämmige Wähler*innen in Deutschland dazu auf, bestimmte Parteien nicht zu unterstützen.
    • Kein aktueller Bezug: Es gibt keine Berichte über einen ähnlichen Aufruf zur Bundestagswahl 2025.
    • Verbreitung: Irreführende Inhalte erreichen auf TikTok und Instagram breite Aufmerksamkeit.

→Wie funktioniert Desinformation im politischen Kontext? Antworten finden Sie im Leitfaden Politische Desinformation.

Wie wird manipuliert?

Erdoğans Originalaussage stammt aus dem Jahr 2017, als er seine Anhänger in Deutschland aufforderte, „die Feinde der Türkei“ – damals SPD, CDU und Grüne – nicht zu wählen. Dies geschah vor dem Hintergrund diplomatischer Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei. Die Aussage führte damals zu scharfer Kritik, sowohl in Deutschland als auch international.

Nun wird diese Aussage jedoch ohne Kontext wiederverwendet. In Videos auf TikTok und Instagram wird behauptet, Erdoğan habe diesen Aufruf erneut gemacht – dieses Mal angeblich vor der Bundestagswahl 2025.

Screenshot der Behauptung in Social Media
Screenshot der Behauptung in sozialen Medien

In einigen Beiträgen wird sogar spekuliert, dass Erdoğan die AfD indirekt unterstützen wolle. Diese Behauptungen basieren jedoch auf keinerlei verlässlichen Quellen.

Warum ist das problematisch?

Die Wiederverwendung alter Zitate in einem neuen Kontext ist eine bewährte Methode zur Desinformation. Solche Beiträge schüren gezielt Misstrauen und Polarisierung, insbesondere vor einer Wahl. Viele Nutzer*innen, die den ursprünglichen Kontext nicht kennen, könnten annehmen, Erdoğan mische sich erneut in die deutsche Politik ein.

Die Verbreitung in sozialen Medien

Besonders auf TikTok, Instagram und YouTube erzielen die irreführenden Beiträge derzeit hohe Reichweiten. Sie werden nicht nur kommentiert, sondern auch von Nutzer*innen geteilt, die die Echtheit hinterfragen, ohne sie zu prüfen. Aussagen wie „Erdoğan unterstützt indirekt die AfD“ oder „Er greift wieder in die deutsche Politik ein“ tragen zur Verbreitung der Desinformation bei.

Faktencheck: Keine aktuellen Aussagen von Erdoğan

Eine Prüfung der verfügbaren Quellen zeigt eindeutig: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Erdoğan vor der Bundestagswahl 2025 eine ähnliche Aussage getätigt hat. Der aktuelle Diskurs basiert ausschließlich auf der irreführenden Wiederverwendung seines Statements von 2017 – nachfolgend das entsprechende Video:

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Fazit: Alte Worte, neue Täuschung

Vor wichtigen politischen Ereignissen werden oft alte Aussagen aus dem Kontext gerissen, um Emotionen zu schüren. Auch hier wird eine brisante Aussage Erdoğans bewusst in einen neuen Zusammenhang gestellt. Dies zeigt, wie wichtig es ist, solche Inhalte kritisch zu hinterfragen und verlässliche Quellen zu konsultieren.

Quelle: correctiv

Das CORRECTIV-Team hinter der Recherche: Gabriele Scherndl, redigiert durch Viktor Marinov, Uschi Jonas

Dies ist eine Recherche des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Das Redaktionsteam steht für investigativen Journalismus und recherchiert zu strukturellen Missständen in der Gesellschaft. Mehr unter correctiv.org

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