Die Behauptung
Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt verbreiten rechte Kreise Falschmeldungen über Täter und Opferzahlen, um gegen Flüchtlinge, den Islam und politische Akteure zu hetzen. Diese Desinformation schürt gezielt Ängste und spaltet die Gesellschaft.
Falsch
Die Behauptungen rechtsextremer Akteure zu den Ereignissen in Magdeburg sind nachweislich falsch. Die Ermittlungen bestätigen: Es handelt sich um einen Einzeltäter, der weder Islamist noch Flüchtling ist. Die gezielte Verbreitung von Falschinformationen zeigt, wie mit Desinformation politische Narrative befeuert werden.
Die Fakten im Überblick:
- Täterprofil: 50-jähriger Mann aus Saudi-Arabien, seit 2006 in Deutschland, kein Islamist.
- Falschbehauptungen: 11 Tote, 34 Tote, fünf Täter, Bomben auf dem Weihnachtsmarkt – alles unbestätigt.
- Instrumentalisierung: Rechtsextreme und andere Gruppen nutzen die Tat für ihre Propaganda.
Gezielte Verbreitung falscher Informationen
Falsche Opferzahlen und Täterprofile
Unmittelbar nach dem Anschlag in Magdeburg, bei dem fünf Menschen starben und über 200 verletzt wurden, übernahmen rechtsextreme Akteure wie Martin Sellner die Bühne. Noch bevor offizielle Informationen vorlagen, verbreiteten sie über Telegram und andere Plattformen falsche Behauptungen. Unter anderem hieß es, der Täter sei ein syrischer Flüchtling, der 2015/16 nach Deutschland gekommen sei. Tatsächlich handelt es sich um einen 50-jährigen Arzt aus Saudi-Arabien, der bereits Ende der 1990er Jahre dem Islam abgeschworen hatte.
Sellner und andere sprachen auch von 34 Toten und fünf Tätern, von denen drei auf der Flucht gewesen sein sollen. Nach Angaben der Polizei handelte es sich jedoch um einen Einzeltäter. Auch Gerüchte über eine Bombe auf dem Weihnachtsmarkt wurden verbreitet, obwohl es dafür keinerlei Hinweise gibt.
Hier ein paar Beispiele von falschen Informationen (alle auf X gefunden):
Politische Propaganda statt Fakten
Die Verbreitung solcher Falschinformationen soll Misstrauen und Hass schüren. Reichweitenstarke rechtsextreme Sender im In- und Ausland nutzten die Gelegenheit, um gegen Flüchtlinge, den Islam und die bisherige Politik von Angela Merkel zu hetzen.
Selbst gefälschte Zitate wie ein angeblicher Kommentar von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurden verbreitet. Es handelte sich um einen Satire-Account, dessen Beitrag später gelöscht wurde – Screenshots kursieren jedoch weiterhin.
Weitere Desinformationskampagnen
Nicht nur rechtsextreme Kreise instrumentalisierten die Tat. Antiisraelische Gruppen behaupteten, es handele sich um eine False-Flag-Aktion des israelischen Geheimdienstes. Gleichzeitig verbreiteten türkisch-nationalistische Accounts, kurdische Milizen seien verantwortlich. Diese widersprüchlichen Narrative zeigen, wie Anschläge genutzt werden, um bestehende Konflikte und Vorurteile zu schüren.
Auch von rechtsextremen Accounts wurden alte Videos in falschem Kontext erneut hochgeladen. So wurden unter anderem Videos von Feiern syrischer Flüchtlinge in Deutschland nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad erneut hochgeladen und behauptet, die Menschen würden den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt feiern.
Konsequenzen und Forderungen
Die Ereignisse in Magdeburg zeigen, wie schnell Desinformation bei tragischen Ereignissen die öffentliche Meinung manipulieren kann. Plattformen wie Telegram spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie kaum reguliert sind. Medienkompetenz und die Überprüfung von Quellen sind entscheidend, um solchen Falschmeldungen nicht auf den Leim zu gehen.
Fazit
Der Anschlag in Magdeburg zeigt erneut, wie rechtsextreme und andere Akteure Desinformation gezielt einsetzen, um politische Ziele zu verfolgen. Die Verbreitung falscher Zahlen, Täterprofile und politischer Narrative hat die Debatte polarisiert. Um solche Entwicklungen einzudämmen, ist ein kritischer Umgang mit Informationen in sozialen Netzwerken unerlässlich.
Quelle: Tagesschau
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