AfD verteilt „Abschiebetickets“ – Volksverhetzung oder Wahlkampf?

Provokation auf Kosten anderer? Mit gefälschten Flugtickets, sogenannten „Abschiebetickets“, sorgt die AfD für Empörung. Die Partei kopiert damit eine altbekannte NPD-Kampagne und bringt den Begriff „Remigration“ zurück in den politischen Diskurs.

Die Behauptung

Die AfD verteilt „Abschiebetickets“, die sich gezielt an Menschen mit Migrationshintergrund richten, um Stimmung gegen Migration zu machen. Angeblich sollen damit nur politische Forderungen beworben werden, die Nähe zu rechtsextremem Gedankengut ist jedoch offensichtlich.

Wahr

Die Aktion der AfD ist eine bewusste Provokation und steht in einer klaren Linie mit rechtsextremen Kampagnen. Auch wenn sie die rechtliche Grundlage ihrer Forderungen betont, ist die symbolische Botschaft unübersehbar: Migrantinnen und Migranten werden stigmatisiert und als unerwünscht dargestellt.

Die Fakten im Überblick:

  • Die Aktion: Der AfD-Kreisverband Karlsruhe-Stadt ließ 30.000 „Abschiebetickets“ drucken, die an „ausnahmslos alle Briefkästen“ verteilt werden sollten.
  • Die Gestaltung: Die Tickets sind Flugtickets nachempfunden und tragen provokative Aufschriften wie „Passagier: Illegaler Einwanderer“.
  • Der Hintergrund: Die Aktion kopiert Kampagnen der neonazistischen NPD und verwendet den rechtsextremen Begriff „Remigration“.
  • Die Reaktionen: Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung; die AfD kalkuliert offenbar mit der öffentlichen Empörung.
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AfD kopiert NPD-Kampagne

Was wie ein makabrer Scherz klingt, ist eine reale Wahlkampfaktion der AfD: Flugticket-Imitate, sogenannte „Abschiebetickets“, sollen nach Angaben des Kreisverbandes Karlsruhe-Stadt flächendeckend in Briefkästen verteilt werden – auch in die von Migranten und Flüchtlingen. Der Druckauftrag umfasst 30.000 Exemplare, auch andere Kreisverbände der Partei können die Druckunterlagen anfordern.

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Auf den Tickets steht groß „Nur Remigration kann Deutschland noch retten“, daneben der Hinweis „Passagier: Illegaler Einwanderer“. Der QR-Code auf dem Ticket führt direkt auf die Seite des Kreisverbandes, was die AfD bewusst zur Verbreitung ihrer politischen Botschaften nutzt.

Screenshot der Vorderseite des "Abschiebetickets" auf Social Media
Screenshot der Vorderseite des „Abschiebetickets“ auf Social Media
Screenshot der Rückseite des "Abschiebetickets" auf Social Media
Screenshot der Rückseite des „Abschiebetickets“ auf Social Media

Die Aktion erinnert stark an Kampagnen der NPD aus den Jahren 2011 und 2013. Auch damals verteilte die rechtsextreme Partei Flugtickets, um Migranten zu beleidigen und einzuschüchtern.

Screenshot auf Social Media des "Rückflugtickets" aus den Jahren 2011 bzw. 2013
Screenshot auf Social Media des „Rückflugtickets“ aus den Jahren 2011 bzw. 2013

Die AfD scheint diese Methode nicht nur übernommen, sondern gezielt weiterentwickelt zu haben. Kreissprecher Marc Bernhard betonte zwar, dass auf der Rückseite der Tickets klargestellt werde, dass es nur um die Einhaltung geltenden Rechts gehe – die Vorderseite vermittelt jedoch eine ganz andere Botschaft.

Dazu kommt, dass der AfD-Kreisverband Göppingen im Netz – wie viele andere Accounts auch – lediglich die provokante Vorderseite des Tickets verbreitete.

Screenshot des inzwischen gelöschten Posts auf Facebook (hier archiviert)
Screenshot des inzwischen gelöschten Posts auf Facebook (hier archiviert)

Kontext: Die Herkunft des Begriffs „Remigration“

Mit dem Begriff „Remigration“ knüpft die AfD an rechtsextreme Narrative an. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Soziologie und beschreibt die freiwillige Rückkehr von Migranten in ihre Herkunftsländer. Doch die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ um den Österreicher Martin Sellner hat den Begriff umgedeutet: „Remigration“ steht in ihren Kreisen für die gewaltsame Vertreibung und Deportation von Migranten.

Die AfD greift den Begriff nun auf und scheut sich nicht, ihn im öffentlichen Diskurs zu normalisieren. Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD, verwendete den Begriff kürzlich prominent in einer Parteitagsrede. Dass diese Wortwahl bewusst gewählt ist, zeigt die Verbindung zu früheren Äußerungen hochrangiger AfD-Funktionäre, die Migranten mit gezielten Maßnahmen – von finanziellen Anreizen bis hin zu offenem Druck – aus Deutschland vertreiben wollen.

Die Reaktionen: Empörung und Ermittlungen

Die „Abschiebetickets“ lösten im Internet eine Welle der Empörung aus. Menschen mit Migrationshintergrund äußerten, wie verletzend es sei, solche Zettel im Briefkasten zu finden. Die Karlsruher Polizei hat bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen. Noch gibt es keine bestätigten Berichte über die tatsächliche Verteilung der „Tickets“, aber die öffentliche Resonanz zeigt, wie kalkuliert die Aktion von der AfD geplant war.

Die Partei dürfte sich über die mediale Aufmerksamkeit freuen. Provokation ist für die AfD seit Jahren ein probates Mittel, um ihre Themen in die Öffentlichkeit zu tragen. Auch der Vergleich mit der NPD scheint sie nicht zu stören.

Fazit zum Thema „Abschiebetickets“

Die AfD hat mit ihrer Kampagne erneut eine Grenze überschritten. Indem sie neonazistische Methoden kopiert und den Begriff „Remigration“ salonfähig macht, heizt sie die gesellschaftliche Stimmung gegen Migranten weiter an. Ob die Aktion strafrechtliche Konsequenzen haben wird, bleibt abzuwarten – doch schon jetzt zeigt sich, wie gefährlich solche Kampagnen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.

Es ist dringend notwendig, solche Methoden kritisch zu hinterfragen und die wahren Absichten hinter solchen Kampagnen aufzudecken. Denn letztlich geht es der AfD nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern um die Verbreitung eines menschenfeindlichen Weltbildes.

Quelle: T-Online

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