Die Behauptung
Eine Spionagesoftware des israelischen Unternehmens Paragon Solutions soll europaweit Journalisten und Aktivisten überwacht haben. Die Angriffe erfolgten über WhatsApp, betroffen sind auch Österreicher.
Wahr
Die Behauptung ist wahr. Angriffe durch die Graphite-Spyware auf mehrere Personen in Europa wurden durch WhatsApp und andere Quellen bestätigt. Betroffene wurden von WhatsApp informiert. Die italienische Regierung und zwei ihrer Behörden standen im Verdacht, die Software genutzt zu haben. EU und nationale Stellen fordern Aufklärung.
Kurze Faktenübersicht:
Angriffsmethode: Zero-Click-Infektion durch infizierte Dateien in Gruppenchats auf WhatsApp.
Betroffene: Journalisten, Aktivisten und Kritiker – darunter auch Österreicher.
Verantwortung: Paragon Solutions verweist auf ein Verkaufsverbot für den Einsatz gegen Zivilpersonen, doch italienische Behörden nutzten die Software.
Reaktion: WhatsApp hat rechtliche Schritte gegen Paragon eingeleitet. Nationale Ermittlungen sind gefordert.
Globales Überwachungsnetzwerk
Weltweit überwachen staatliche Behörden kritische Stimmen und Journalisten mit hochentwickelter Spionagesoftware wie Paragon. In Europa wurden nun mindestens 90 Personen Opfer eines solchen Angriffs, wie der Meta-Konzern öffentlich machte. Betroffen sind unter anderem Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland, Dänemark, Schweden und auch Österreich.
Der Angriff erfolgte laut WhatsApp über ein infiziertes PDF-Dokument in Gruppenchats. Es handelte sich um einen Zero-Click-Angriff – die Opfer mussten nichts tun, um infiziert zu werden. Die Spyware, genannt „Graphite“, ermöglicht den vollständigen Zugriff auf die Inhalte der Geräte.
Italienische Behörden unter Verdacht
Einige der betroffenen Personen wurden gezielt ausgespäht, darunter der Journalist Francesco Cancatello und ein schwedisch-libyscher Aktivist, die sich beide kritisch gegenüber der italienischen Regierung äußerten. Es wurde schnell spekuliert, dass italienische Behörden die Software genutzt haben könnten. Die italienische Regierung bestritt dies zwar, doch wie die Zeitung Haaretz berichtet, nutzten tatsächlich zwei Behörden die Software.
Trotzdem zeigt sich die italienische Regierung nun kooperationsbereit. Nach eigenen Angaben wurden sieben italienische Staatsbürger Opfer der Spionage. Interessanterweise verweigerte WhatsApp die Herausgabe der Identitäten dieser Personen an die Behörden. Paragon Solutions hat die Zusammenarbeit mit Italien inzwischen beendet.
Reaktionen aus Österreich und der EU
Der Vorfall löst auch in Österreich und bei der EU Besorgnis aus. Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Süleyman Zorba, forderte eine lückenlose Aufklärung. In Brüssel betonte ein Sprecher der EU-Kommission, dass die Ermittlungen in der Verantwortung der nationalen Behörden liegen. Gleichzeitig wies er auf den neuen „Media Freedom Act“ hin, der dem Schutz von Journalisten und deren Familien dienen soll.
Der Markt für staatlich eingesetzte Spyware
Paragon Solutions verkauft die Graphite-Spyware nur an „befreundete“ Regierungen, angeblich ausschließlich demokratisch gewählte. Welche Länder genau zu den Kunden zählen, bleibt jedoch ein Geheimnis. Das Unternehmen behauptet, eine strenge Null-Toleranz-Politik gegen den Missbrauch seiner Software zu verfolgen. Diese Aussage wird durch die Realität jedoch widerlegt, wenn man den aktuellen Skandal betrachtet. Schon in der Vergangenheit gab es ähnliche Vorfälle mit der Pegasus-Spyware der NSO Group, deren Nutzung sogar vor Gericht landete.
Fazit zum Thema Paragon-Spyware
Die Überwachung durch Paragon Solutions’ Spyware Graphite hat gezeigt, wie schnell die Privatsphäre auch in demokratischen Staaten untergraben werden kann. Die Angriffe richteten sich gezielt gegen kritische Stimmen und Journalisten. Nationale und internationale Behörden stehen nun unter Druck, diese Spionagepraktiken zu untersuchen und Konsequenzen zu ziehen.
Quelle: derStandard, Mitteilung der italienischen Regierung, TechCrunch, netzpolitik.org
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