„Ali-Hase“ und „Oster Ayse“ statt Osterhase?

KI-generierte Bilder lösen Empörung über angebliche „Islamisierung“ des Osterfestes aus – doch dahinter steckt nichts als ein schlechter Scherz.

Die Behauptung

In sozialen Medien kursiert das Gerücht, dass Supermärkte wie Lidl oder Edeka sogenannte „Ali-Hasen“ und „Oster Ayse“ mit Kopftuch oder Bart anstelle der traditionellen Schoko-Osterhasen verkaufen – eine angebliche „Anpassung an den Islam“.

Falsch

Falsch! Es gibt keine „Ali-Hasen“ und „Oster Ayse“ in deutschen Supermärkten. Die kursierenden Bilder stammen eindeutig aus Künstlicher Intelligenz (KI) und zeigen Produkte, die nie existiert haben. Die Behauptung ist frei erfunden und Teil einer gezielten Desinformationskampagne. Einige Accounts hatten die Bilder ursprünglich mit dem Hashtag #Satire veröffentlicht – doch dieser Kontext ging durch vielfaches Teilen verloren. Übrig blieb Empörung ohne Einordnung.

Kurze Faktenübersicht:

  • Die Schoko-Hasen auf den Bildern sind KI-generiert und kein echtes Produkt.

  • Weder Lidl, Aldi noch Edeka führen „Ali-Hasen“ oder „Oster Ayse“.

  • Die Bilder verbreiten islamfeindliche Narrative und sollen gezielt Empörung schüren.

  • Es gibt keine Hinweise auf eine „Verdrängung“ des Osterfestes im Einzelhandel.

  • Der ursprüngliche Satire-Hinweis (#Satire) ging beim Weiterverbreiten verloren – und wurde dadurch zum Nährboden für Falschinformationen.

💬Woran erkennt man KI-generierte Bilder oder Videos? Antworten finden Sie im Leitfaden KI-Bilder & Videos.

Was hinter den absurden KI-Bildern steckt, und warum sie so gefährlich sind! In sozialen Netzwerken kursieren aktuell mehrere Bilder, auf denen vermeintliche Schokoladenhasen mit grünen Kopftüchern, Bärten und orientalisch klingenden Namen wie „Ali Hasen“ oder „Oster Ayse“ zu sehen sind. Auf den Preisschildern: „4,99 €“, daneben traditionelle „Sitzhasen“ und „Osterhasen“. Der Anschein: Supermärkte wie Lidl oder Edeka würden ihre Osterartikel „an den Islam anpassen“.

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Es handelt sich um diese Bilder:

Screenshot: Ali-Hase
Screenshot: Ali-Hase
Screenshot: Oster Ayse, Sitzhase, Osterhase
Screenshot: Oster Ayse, Sitzhase, Osterhase

Die Empörung lässt nicht lange auf sich warten: Kommentare wie „Sie versuchen uns im eigenen Land zu integrieren“ oder „Zerstörung unserer Kultur“ machen die Runde.

Screenshot: Facebook mit "Sowas kann man nicht erfinden! Bei Lidl und Aldi heißt der Osterhase jetzt Sitzhase, aber Edeka machts noch besser und erfindet den Alihasen. Sie versuchen uns im eigenen Land zu integrieren und nicht umgekehrt. So schauts aus. Wenn es um die Zerstörung unserer eigenen Kultur geht, dann bin ich raus .... NEIN DANKE, LIDL"
Screenshot: Facebook mit „Sowas kann man nicht erfinden! Bei Lidl und Aldi heißt der Osterhase jetzt Sitzhase, aber Edeka machts noch besser und erfindet den Alihasen. Sie versuchen uns im eigenen Land zu integrieren und nicht umgekehrt. So schauts aus. Wenn es um die Zerstörung unserer eigenen Kultur geht, dann bin ich raus …. NEIN DANKE, LIDL“

Doch: Keines dieser Produkte existiert. Die Bilder wurden vollständig durch Künstliche Intelligenz erstellt, und zwar gleich mehrere Versionen davon.

Es handelt sich nicht um reale Artikel, sondern um bewusst manipulierte Fakes, die dazu dienen, kulturpolitische Stimmung zu machen.

Diese Fakes treffen einen Nerv, und das gleich doppelt. Mit mehreren Bildern, die scheinbar unterschiedliche „Produkte“ zeigen, wird der Eindruck erweckt, als handle es sich um eine echte Entwicklung im Einzelhandel. Sie bedienen gezielt das Gefühl, dass „die eigene Kultur“ unterwandert werde.

Besonders gefährlich: Die Bilder wirken täuschend echt. Dank KI-Technologie sind sie realistisch, detailreich, und für viele kaum als Fälschungen zu erkennen. Die Kombination aus technischer Perfektion und kultureller Aufladung ist ein perfekter Nährboden für Empörung.

Hinzu kommt: Vielen Nutzerinnen und Nutzern fehlt die Medienkompetenz, solche Fakes zu hinterfragen. Ein flüchtiger Blick, ein paar wütende Emojis, ein empörter Kommentar, und schon wird die nächste Lüge viral.

„Ali-Hase“ und „Oster Ayse“ statt Osterhase? – mimikama.org
Selbst wenn einige dieser Bilder und Videos ursprünglich mit einem Satire-Hashtag verbreitet wurden, geht dieser Hinweis beim Teilen oft verloren, was aus Ironie plötzlich „Wahrheit“ macht.

Plattformen wie Facebook, Telegram und TikTok wirken dabei wie Brandbeschleuniger in digitalen Echokammern, in denen sich Misstrauen und Verschwörungserzählungen gegenseitig verstärken.

Diese Bildmontagen sind alles andere als harmlos. Es handelt sich nicht um einen lustigen Internetwitz, sondern um gezielte Desinformation in Serie, verbreitet unter dem Deckmantel der Satire. Der sogenannte „Ali-Hase“, ebenso wie die „Oster Ayse“, sind bewusst platzierte Provokationen.

Möglich, dass der oder die ursprüngliche Urheber:in mit dem Satire-Hashtag tatsächlich eine ironische Überzeichnung im Sinn hatte. Doch genau hier zeigt sich die Dynamik digitaler Desinformation: Die rechte Empörungsbubble griff die Bilder sofort auf, entkoppelte sie vom Satire-Kontext und verbreitete sie weiter, nun als „Beweis“ für eine angebliche Islamisierung.

So werden Fakes nicht nur falsch verstanden, sondern aktiv umgedeutet und instrumentalisiert. Sie dienen als Waffe im Kulturkampf, zielen auf Ressentiments gegen Muslime und Migranten, und greifen damit tief in bestehende gesellschaftliche Gräben.

Das Framing ist eindeutig: Wir würden umerzogen, unsere Feiertage fremdbestimmt. Eine einfache, aber wirkmächtige Botschaft, emotional, polarisierend, gefährlich.

Eine genaue Analyse der kursierenden Bilder bringt Klarheit:

  • Die „Hasen mit Kopftuch“ zeigen typische Merkmale von KI-generierten Bildern
  • In den Produktdatenbanken von Lidl, Aldi, Edeka oder anderen bekannten Einzelhändlern tauchen weder „Ali Hasen“ noch „Oster Ayse“ auf.
  • Kein einziges glaubwürdiges Medium berichtet über solche Produkte, alle Hinweise führen zurück auf anonyme Accounts in Telegram-Kanälen, rechten Meme-Seiten und Facebook-Gruppen mit Hang zu Verschwörungserzählungen.

Bereits am 5. April 2025 haben wir über eine ähnliche Desinformationskampagne berichtet: Damals wurde behauptet, Lidl habe aus Rücksicht auf andere Kulturen den Begriff „Osterhase“ durch „Sitzhase“ ersetzt. Auch dort war die Empörung groß, aber unbegründet. Die Bezeichnung „Sitzhase“ bezog sich schlicht auf die Haltung der Figur, nicht auf Religion oder Ideologie.

Die aktuellen KI-Bilder mit den Titeln „Ali Hasen“ und „Oster Ayse“ knüpfen nahtlos an dieses Empörungsnarrativ an, diesmal jedoch mit einer neuen Dimension: Nicht nur die Interpretation ist falsch, sondern die Bilder selbst sind vollständig erfunden.

Zwei unabhängige Bildanalysen mit KI-Erkennungssoftware bestätigen das eindeutig:

  • Das Bild mit der Aufschrift „Oster Ayse 4,99 €“ wurde mit 98 % Wahrscheinlichkeit als KI-generiert klassifiziert, insbesondere durch das Tool Flux (97 %). Eine echte Fotografie ist nahezu ausgeschlossen.
  • Auch das zweite Bild mit den angeblichen „Ali Hasen“ zeigt eine KI-Wahrscheinlichkeit von 75 %. Auch hier stammt das Bild zu 72 % laut Analyse von Flux.

Diese technischen Beweise untermauern: Die Schokofiguren existieren nicht. Sie sind Teil einer orchestrierten Falschmeldung, generiert mit Künstlicher Intelligenz, verbreitet mit politischer Absicht.

Das Bild mit der Aufschrift „Oster Ayse 4,99 €“ wurde mit 98 % Wahrscheinlichkeit als KI-generiert klassifiziert, insbesondere durch das Tool Flux (97 %). Eine echte Fotografie ist nahezu ausgeschlossen.
das zweite Bild mit den angeblichen „Ali Hasen“ zeigt eine KI-Wahrscheinlichkeit von 75 %. Auch hier stammt das Bild zu 72 % laut Analyse von Flux.

Diese Beweise untermauern, dass es sich um bewusst manipulierte Bilder handelt, die nicht auf reale Produkte zurückgehen, sondern auf gezielte Provokation.

Falschinformationen wie die „Ali Hasen“ und „Oster Ayse“-Fakes sind nicht nur gesellschaftlich gefährlich, sie haben auch handfeste Auswirkungen auf Unternehmen, die in die Schusslinie geraten:

🔻 Vertrauensverlust bei Kund:innen

Viele Konsument:innen reagieren impulsiv auf virale Empörungsbilder. Selbst wenn sie falsch sind, können sie zu Boykott-Aufrufen und negativen Bewertungen führen.

🔻 Reputationsschäden durch Social Media

Ein einzelnes Fakebild kann einen massiven Shitstorm auslösen, die Marke wird beschädigt, obwohl es nie das beworbene Produkt gab.

🔻 Hohe Kosten für Krisenkommunikation

Unternehmen müssen öffentlich reagieren, Desinformationen richtigstellen, Kommentare moderieren und ihre Marke verteidigen, für eine Debatte, die nie auf Fakten basierte.

🔻 Politische Instrumentalisierung

Marken wie Lidl oder Edeka werden unfreiwillig Teil ideologischer Narrative, insbesondere in verschwörungsgläubigen oder rechtspopulistischen Kreisen.

🔻 Belastung für Mitarbeitende

Kund:innen übertragen ihren Frust oft auf das Personal vor Ort, das kann zu Beschimpfungen, Drohungen oder persönlichen Angriffen führen.

📌 Fakt ist: Solche Fakes sind kein harmloser „Satire-Gag“, sie richten realen Schaden an.

Für die betroffenen Firmen. Für die Mitarbeitenden. Und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Bilder von „Ali Hasen“ und „Oster Ayse“ sind klassische Fälle gezielter Desinformation: täuschend echt, emotional aufgeladen und mit klarer politischer Agenda. Was auf den ersten Blick wie ein skurriler Marketing-Fail wirkt, entpuppt sich bei genauer Analyse als bewusste Täuschung, gestützt auf KI-Technologie, Falschinformationen und Empörungskampagnen in sozialen Netzwerken.

📌 Für Konsument:innen gilt: Immer kritisch bleiben, wenn Bilder plötzlich starke Emotionen auslösen. Hinterfragen, recherchieren, und vor allem: Nicht alles glauben, was auf Facebook & Co. geteilt wird.

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MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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