Die Behauptung
Bei der Kanzlerwahl am 6. Mai 2025 im zweiten Wahlgang seien 618 Stimmzettel abgegeben worden, obwohl nur 613 Abgeordnete anwesend gewesen seien. Das sei rein rechnerisch nicht möglich und ein klarer Hinweis auf Manipulation.
Aufgestellt von: Social Media
Falsch
Falsch. Die behauptete Diskrepanz ist ein Trugschluss. Die Gesamtzahl der Bundestagsabgeordneten beträgt 630. Bei der Wahl am 6. Mai 2025 wurden 618 Stimmen abgegeben, also weniger als die maximal mögliche Zahl. Die genannte Zahl ‚613‘ geht auf einen Versprecher der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zurück, die die Zahl fälschlich verlesen hatte. Tatsächlich waren 630 Abgeordnete anwesend, von denen 618 ihre Stimme abgaben. Ein Widerspruch liegt nicht vor.
Kurze Faktenübersicht:
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- 613 anwesende Abgeordnete wurden zu Beginn der Sitzung festgestellt, nicht zur Wahlzeit.
- 618 abgegebene Stimmen liegen unterhalb der Sollstärke des Bundestags von 630.
- Kein Widerspruch zur Geschäftsordnung: Teilnahme an der Wahl ist möglich, auch wenn man zu Beginn nicht gezählt wurde.
- Geheime Wahl mit verdeckten Stimmzetteln: Die Stimmauszählung verlief regulär, laut dem Bundestag.
Die Merz-Wahl: 618 Stimmen bei nur 613 Abgeordneten?
Was ist passiert? In einem Video, das aktuell in sozialen Medien kursiert, wird behauptet: Bei der Kanzlerwahl im Bundestag am 6. Mai 2025 seien mehr Stimmen abgegeben worden, als es Abgeordnete gebe. Genannt werden zwei Zahlen: 613 (Anzahl der Mitglieder) und 618 (abgegebene Stimmen). Dazu das obligatorische Augenrollen-Emoji und der Unterton: „Na, da stimmt doch was nicht!“
Der Vorwurf steht im Raum: Wurden Stimmen manipuliert? Gab es „Wahlbetrug“? Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Der Skandal ist konstruiert, auf Basis eines Missverständnisses parlamentarischer Abläufe.
Wie kam es zu dieser Zahlendiskussion?
Zur Erklärung: Die Zahl 613, auf die sich das Video stützt, stammt aus einem Versprecher bei der Verkündung. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hatte die tatsächliche Abgeordnetenzahl von 630 fälschlich mit 613 angegeben. Das Bundestags-Pressereferat bestätigte dies später gegenüber AFP und anderen Medien. Entscheidend ist: Im offiziellen Ergebnis sind 618 Stimmen dokumentiert – weniger als die 630 maximal möglichen.
Die Wahl des Kanzlers erfolgte geheim, mit verdeckten Stimmzetteln. Dabei dürfen Abgeordnete auch später an der Abstimmung teilnehmen, solange die Urne nicht geschlossen ist.
Im offiziellen Ergebnis des Bundestages heißt es klar:
„Im zweiten Wahlgang wurden 618 Stimmzettel abgegeben.
Das Ergebnis: 325 Ja-Stimmen, 289 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung, 3 ungültige Stimmen.“
Und der Bundestag besteht aktuell aus 630 Mitgliedern. Das heißt: Es hätten sogar noch 12 weitere Stimmen abgegeben werden können, ohne dass das ein Problem wäre.
Warum es niemals mehr Stimmen als Abgeordnete geben kann
Manche deuten die Differenz zwischen 613 und 618 als Hinweis auf „zu viele Stimmen“. Doch das ist ein Irrtum: Die Zahl 613 stammt nicht von der Stimmauszählung, sondern von einer früheren Feststellung der Beschlussfähigkeit. Entscheidend ist: Es wurden 618 Stimmen abgegeben – und das ist weniger als die 630 maximal möglichen Stimmen.
Eine höhere Zahl als 630 wäre tatsächlich unmöglich – das ist hier aber nicht geschehen.
🧮 Wie viele Stimmen dürfen abgegeben werden?
👉 Der Bundestag hat 630 Abgeordnete.
➡️ Das ist die maximale Zahl an Stimmen, die überhaupt abgegeben werden kann.
📌 Wie viele Stimmen wurden abgegeben?
➡️ 618 Stimmen wurden laut Bundestag tatsächlich abgegeben.
Und zwar so:
- ✅ Ja: 325
- ❌ Nein: 289
- ➖ Enthaltung: 1
- 🗑️ Ungültig: 3
= Gesamt: 325 + 289 + 1 + 3 = 618 Stimmen
🧐 Und was ist mit den 613?
Diese Zahl war nur eine Zwischeninfo am Anfang der Sitzung:
- Da wurden 613 Abgeordnete gezählt, die zu dem Zeitpunkt anwesend waren.
- Aber: Einige kamen später noch dazu und gaben ihre Stimme ab.
- Das ist erlaubt! Es zählt nur, wer bei der Wahl abstimmt – nicht, wer am Anfang im Raum war.
🔍 Also nochmal Schritt für Schritt:
- Es gibt 630 Plätze im Bundestag.
- 618 Stimmzettel wurden bei der Wahl abgegeben.
- Das sind 12 Stimmen weniger als maximal möglich – also völlig in Ordnung.
- 613 war nur ein alter Zwischenstand – kein Beweis für Wahlbetrug.
Fertig ist die Rechnung. Nichts Geheimes. Kein Betrug. Nur Mathe.
Warum verbreitet sich trotzdem Misstrauen?
Solche Videos und Behauptungen sind Teil eines größeren Musters: Komplexe, oft wenig bekannte Abläufe in demokratischen Institutionen werden absichtlich verkürzt dargestellt oder verzerrt, um ein Klima des Misstrauens zu erzeugen.
Hier wird ein normales parlamentarisches Verfahren, nämlich dass Abgeordnete auch später zur Abstimmung hinzukommen dürfen, als „Skandal“ verkauft.
Was dabei untergeht: Die Bundestagswahl ist präzise dokumentiert. Kein Journalist, kein Beobachter, keine Fraktion hat Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Abstimmung angemeldet. Auch die Bundestagsverwaltung selbst sieht keinerlei Unregelmäßigkeiten.
Die echten Zahlen und das offizielle Ergebnis
Die Website des Deutschen Bundestages dokumentiert die Wahl transparent:
- Bundestagsgröße: 630 Abgeordnete
- Abgegebene Stimmen im zweiten Wahlgang: 618
- Erforderliche Stimmen zur Wahl: 316
- Ergebnis:
- Ja: 325
- Nein: 289
- Enthaltung: 1
- Ungültig: 3
Das Wahlergebnis ist also korrekt und plausibel. Die Differenz zur zu Beginn der Sitzung gezählten Zahl von 613 Abgeordneten erklärt sich durch nachträglich eingetroffene oder zunächst nicht registrierte Parlamentarier.
Fazit zum Thema
Es gibt keinen Hinweis auf Wahlmanipulation oder Stimmfälschung bei der Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler am 6. Mai 2025. Die behauptete Diskrepanz beruht auf einem Missverständnis der parlamentarischen Abläufe, nicht auf einem Rechenfehler oder Betrug. Wer solche Inhalte verbreitet, betreibt unseriöse Stimmungsmache gegen demokratische Institutionen.
Laut offiziellem Wahlergebnis, veröffentlicht vom Deutschen Bundestag unter Tagesordnungspunkt 1, wurden im zweiten Wahlgang am 6. Mai 2025 insgesamt 618 Stimmen abgegeben. Davon entfielen 325 auf Friedrich Merz, bei 289 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung und 3 ungültigen Stimmzetteln. Für die Wahl waren 316 Stimmen erforderlich – damit wurde Merz gewählt.
Wer mitreden will, sollte zuerst verstehen, wie der Bundestag funktioniert, nicht vorschnell Skandale rufen.
Quellen:
- Deutscher Bundestag – Friedrich Merz mit 325 Stimmen zum Bundeskanzler gewählt
- https://dserver.bundestag.de/btp/21/21002.pdf
Lesen Sie auch: Friedrich Merz: Erster Kanzler ohne Regierungserfahrung! Ein Regierungschef ohne Regierungserfahrung, ein holpriger Start, ein konservativer Kurs – was Friedrich Merz‘ Kanzlerschaft für Deutschland bedeutet.
Dieser Artikel wurde am 25.08.2025 aktualisiert. In einer früheren Version hatten wir erklärt, dass die Zahl „613“ auf einer „früheren Feststellung der Anwesenheit“ beruhte. Tatsächlich handelte es sich laut Bundestags-Pressereferat um einen Versprecher der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die die Zahl fälschlich mit 613 angab. Wir haben den Artikel entsprechend präzisiert.
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