Katzeklo, Katzeklo, … – Importierte Fake-News rund um Katzentoiletten in Schulen

Bei diesen Gerüchten könnte man überlegen, ob den Urhebern jemand erzählt hat, dass Catcontent oder Tiercontent in sozialen Medien immer gut funktioniert.

Die Behauptung

In deutschen Schulen identifizieren sich Schüler als Tiere, etwa als Katze oder Reh, und fordern entsprechende Einrichtungen wie beispielsweise Katzentoiletten. Dies sei durch das Selbstbestimmungsgesetz möglich geworden.

Aufgestellt von: Facebook, TikTok/Nicole Höchst

Falsch

Falsch: Die virale Geschichte über eine geforderte Katzentoilette für einen Schüler in Deutschland ist nicht wahr. Sie basiert auf einem falsch dargestellten Fall aus Großbritannien und hat nichts mit dem deutschen Selbstbestimmungsgesetz zu tun. Auch der angebliche „Reh-Fall“ ist unbestätigt und lässt sich nicht verifizieren.

Kurze Faktenübersicht:

  • Das Selbstbestimmungsgesetz erlaubt Änderungen des Geschlechtseintrags, keine Tieridentitäten.

  • Der angebliche Fall der Katzentoilette stammt aus Großbritannien, nicht aus Deutschland.

  • Es gibt keine bestätigten Fälle von Schülern, die sich als Tiere ausgeben und institutionelle Anpassungen fordern.

  • Aussagen von Politikern wie Nicole Höchst bleiben unbelegt. Keine Schule oder Behörde bestätigt den „Reh-Fall“.

→Warum glauben Menschen an falsche Inhalte? Antworten finden Sie im Leitfaden Psychologie der Desinformation.

Schulen und Katzentoiletten: Wie ein britischer Fall zur deutschen Falschmeldung wurde

Die absurde Vorstellung, dass eine Schule in Deutschland auf Wunsch eines Schülers eine Katzentoilette installieren soll, sorgt für Erheiterung, Empörung und vor allem: Desinformation.

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Der Ursprung dieser Geschichte liegt nicht etwa in Bayern oder Rheinland-Pfalz, sondern in Großbritannien, und auch dort war sie schon zweifelhaft. Nun wird sie nach Deutschland getragen. Über Facebook-Beiträge, Videos und unseriöse Blogs.

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Der Ursprung der Behauptung

2023 berichtete eine britische Schulleiterin über Schüler mit Katzenohren und Schwänzen als Teil des „Furry Fandom“, einer Subkultur, in der Menschen tierische Charaktere nachahmen. Daraus entwickelte sich ein Mythos: Schüler würden sich „als Katzen identifizieren“ und echte Katzentoiletten fordern. Beweise? Keine.

In Wales musste eine Schule sogar ein offizielles Schreiben herausgeben: Es sei eine Falschmeldung, dass man dort Tier-Toiletten bereitstelle. Ähnlich gelagerte Geschichten kursierten auch in den USA, stets ohne Substanz, aber mit enormem viralen Potenzial, nachdem auch der republikanische Politiker Bruce Bostelmann diesem Gerücht Glauben schenkte.

Selbstbestimmungsgesetz: Was es wirklich regelt, und was nicht

Mit dem Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes im November 2024 wurde die rechtliche Änderung des Geschlechtseintrags in Deutschland vereinfacht. Statt langwieriger Gerichtsprozesse genügt jetzt eine einfache Erklärung beim Standesamt, allerdings mit dreimonatiger Vorlaufzeit.

Für Kinder gelten klare Regeln: Unter 14 Jahren können nur Sorgeberechtigte den Antrag stellen. Jugendliche über 14 brauchen die Zustimmung der Eltern.

Wichtig: Das Gesetz betrifft ausschließlich geschlechtliche Identität, nicht fiktive Tieridentitäten. Weder eine Identifikation als Katze noch als Reh wird durch dieses Gesetz legitimiert oder gar rechtlich anerkannt.

Furry Fandom: Zwischen Tierkostüm und falschen Annahmen

Immer wieder taucht im Zusammenhang mit diesen Falschmeldungen das „Furry Fandom“ auf. Dabei handelt es sich um eine Subkultur von Menschen, die sich mit anthropomorphen Tiercharakteren identifizieren, meist als kreative Freizeitbeschäftigung.

In Deutschland zählt man mittlerweile rund 100.000 Furries. Diese Community hat jedoch keinerlei rechtlichen oder politischen Bezug zum Selbstbestimmungsgesetz. Der Versuch, beides zu vermengen, dient lediglich der gezielten Desinformation und Emotionalisierung von Debatten.

Der angebliche Reh-Fall: Politikerin behauptet, was niemand bestätigen kann

Nicole Höchst, AfD-Bundestagsabgeordnete, setzt in einem TikTok-Video der Katzentoiletten-Geschichte noch eins drauf, indem sie behauptet, in ihrem Wahlkreis (Kreuznach, Rheinland-Pfalz) gäbe es ein Kind, das sich als Reh identifiziere.

Screenshot TikTok
Screenshot TikTok

Nachfragen der Deutschen Presse-Agentur, welche Schule betroffen sei, blieben unbeantwortet.

Eine Recherche bei den zuständigen Schulbehörden ergab: Es gibt keinerlei Hinweise oder bestätigte Fälle. Weder das Jugendamt, noch die Schulabteilung oder die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ADD in Trier haben von einem solchen Vorfall je gehört.

Solche Behauptungen wirken zwar spektakulär, entbehren aber jeglicher Grundlage und schüren gezielt Unsicherheiten über ein Gesetz, das klar definiert, was es regelt, und was nicht.

FAQ zum Thema

Hat das Selbstbestimmungsgesetz etwas mit Tieridentität zu tun?

Nein. Es regelt ausschließlich die Änderung des Geschlechtseintrags und Vornamens von Menschen.

Gab es wirklich eine Katzentoilette in einer deutschen Schule?

Nein. Der Ursprung der Geschichte liegt in Großbritannien, ohne Bezug zu deutschen Schulen.

Gibt es bestätigte Fälle von Schülern, die sich als Tiere identifizieren?

Nicht in Deutschland. Die genannten Fälle sind entweder Falschmeldungen oder unbestätigte Behauptungen.

Was ist das Furry Fandom?

Eine Subkultur, in der Menschen tierische Charaktere darstellen, meist aus kreativem Interesse, ohne politische oder rechtliche Forderungen.

Kann ein Kind sich rechtlich als Tier identifizieren?

Nein. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für eine solche Identifikation, weder im Selbstbestimmungsgesetz noch anderweitig.

Warum verbreiten sich solche Geschichten?

Sie bedienen Emotionalität und politische Agenden, sind aber häufig nicht faktenbasiert.

Fazit

Die aktuelle Debatte über „Tieridentitäten“ in Schulen basiert auf einer Mischung aus Desinformation, politischen Instrumentalisierungen und viralen Fake News.

Weder das Selbstbestimmungsgesetz noch die Realität an Schulen geben Anlass zur Annahme, dass Kinder sich als Katzen oder Rehe identifizieren und dadurch rechtliche Sonderbehandlungen fordern können. Was bleibt, ist ein medienwirksames Ablenkungsmanöver.

Quelle: DPA, Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG)

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