Unser Selbsttest
Wie viel „sozial“ steckt eigentlich noch im sogenannten sozialen Netzwerk? Um das herauszufinden, haben wir den Facebook-Feed auf der Startseite fünfmal analysiert – mobil und am Desktop. In jedem Durchlauf haben wir die ersten 30 Beiträge gezählt: Wer postet da wirklich? Und wie viel davon hat mit unserem persönlichen Umfeld zu tun?
Das Ergebnis: Im Durchschnitt stammten nur fünf von dreißig Beiträgen von Menschen, mit denen wir tatsächlich befreundet sind. Der Rest war algorithmisch gesteuert – Werbung, Vorschläge, Reels, Seiten, denen wir nie gefolgt sind, und öffentliche Profile, zu denen wir keinen Bezug haben.
In einem der Testläufe sahen die ersten 30 Beiträge so aus – in genau dieser Reihenfolge:
- 🟢 einen Statusbeitrag von Freund:in
- 🟥 Werbung
- 🔍 Vorschlag: „Personen, die du kennen könntest“
- 🟥 Werbung
- 🟢einen Statusbeitrag von Freund:in
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🟥 Werbung
- 🔍 Vorschlag: „Personen, die du kennen könntest“
- 🟢 einen Statusbeitrag von Freund:in
- 🟥 Werbung
- 🟡 Öffentliche Person – nicht abonniert
- 🟢 einen Statusbeitrag von Freund:in
- 🟥 Werbung
- 👥 Vorschlag für eine Gruppe (nicht beigetreten)
- 👥 Vorschlag für eine Gruppe (nicht beigetreten)
- 🟥 Werbung
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🟢 einen Statusbeitrag von Freund:in
- 🟥 Werbung
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🟥 Werbung
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🟥 Werbung
- 🟥 Werbung
- 🟡 Öffentliche Person – nicht abonniert
- 🔵 Fremde Seite, der man folgen kann – ohne Bezug
- 🟥 Werbung
- 🟡 Öffentliche Person – nicht abonniert
Fazit:
5 Beiträge von echten Freund:innen
11 Beiträge waren Werbung
7 Beiträge von fremden Seiten, denen du nie gefolgt bist
3 Beiträge von öffentlichen Personen, die du nicht abonniert hast
4 Vorschläge vom Algorithmus: 2x Kontakte, 2x Gruppen
Das ist kein persönlicher Newsfeed. Das ist ein fremdgesteuerter Werbekatalog mit ein paar eingestreuten Freunden als Feigenblatt.
So kannst du deinen Facebook-Feed wieder zurückerobern
Du bist dem nicht völlig ausgeliefert. Es gibt Wege, wie du deinen Facebook-Feed wieder ein Stück weit zurückerobern kannst – bewusster, klarer, mit weniger Lärm und mehr echten Menschen.
Hier sind konkrete Schritte, mit denen du deinen Newsfeed wieder unter Kontrolle bekommst:
Favorisiere echte Menschen
Klicke auf das Profil deiner Freund:innen, wähle „Favoriten“ – so tauchen sie häufiger in deinem Feed auf.
Bring Ordnung in den Feed – durch selektives Ausblenden
Es macht einen Unterschied, ob du Werbung oder Beiträge von Freund:innen und Seiten ausblendest!
Störende Beiträge unterdrücken: Wenn ein Beitrag dich nervt, klick auf „Interessiert mich nicht“ oder „Beitrag verbergen“. Damit sagst du Facebook, dass du weniger solche Inhalte willst.
Werbung entfernen: Klick auf die drei Punkte bei „Gesponserten Beiträgen“ → „Werbeanzeige verbergen“. So siehst du diese Anzeige nicht mehr – Facebook zeigt dir aber weiterhin andere Werbung.
Chronologische Ansicht nutzen – so holst du dir Kontrolle zurück
Facebook zeigt dir längst nicht mehr einfach, was neu ist – sondern das, was der Algorithmus für relevant hält. Das heißt: Beiträge von Freund:innen gehen oft unter, weil virale Reels, Vorschläge oder Werbung mehr „Engagementpotenzial“ haben. Aber: Es gibt eine versteckte Möglichkeit, deinen Feed wieder stärker nach Zeit und persönlichen Kontakten zu sortieren.
Die sogenannte „Feeds“-Ansicht lässt sich über einen speziellen Link aufrufen. Dort werden Beiträge wieder annähernd chronologisch angezeigt – mit Fokus auf deinen Kontakten. Es ist kein perfekter Rückbau der alten Startseite, aber ein praktikabler Schritt, um algorithmischen Lärm zu umgehen.
👉 Der direkte Link lautet:
https://www.facebook.com/?filter=friends&sk=h_chr
Diese Ansicht zeigt dir Beiträge deiner Freund:innen in zeitlicher Reihenfolge – allerdings mit einem Haken: Werbung bleibt weiterhin sichtbar. Doch zumindest vorgeschlagene Seiten, Fremdgruppen oder irrelevante Reels treten deutlich in den Hintergrund.
Tipp: Speichere dir den Link als Lesezeichen. Beim nächsten Login kannst du gezielt in diesen Feed wechseln – statt dich wieder durch einen algorithmischen Schaukasten voller Zufallsinhalte zu scrollen.
Weniger interagieren, was dich aufregt
Facebook misst nicht, ob du etwas gut oder schlecht findest – sondern nur, ob du dich damit beschäftigst. Jede Form der Interaktion gilt als positives Signal für den Algorithmus. Und das beginnt früher, als viele denken.
Interaktion heißt nicht nur liken oder kommentieren. Es reicht oft schon:
Wenn du einen Beitrag anklickst.
Wenn du das Bild vergrößerst.
Wenn du auf „Mehr anzeigen“ tippst.
Wenn du dir ein Video ansiehst – selbst ohne Ton.
Wenn du den Link öffnest, das Profil aufrufst oder nur länger hinsiehst.
All das zählt als Interesse. Auch dann, wenn du nur kurz aus Neugier reinschaust. Und genau deshalb bekommen reißerische Inhalte mehr Reichweite – nicht, weil sie gut sind, sondern weil sie provozieren.
Was hilft? Nicht klicken. Nicht liken. Nicht reagieren. Nicht kommentieren.
Ignorieren ist manchmal der stärkste Filter.
Mach deinen Feed sauber – Seiten und Gruppen überprüfen
Viele Beiträge in deinem Newsfeed stammen von Seiten oder Gruppen, denen du irgendwann mal gefolgt bist – bewusst oder unbewusst. Manche davon hast du längst vergessen, andere wurden inzwischen mit Werbung, Clickbait oder irrelevanten Inhalten geflutet.
👉 Je mehr du entfolgst, desto klarer wird dein Feed.
Hier findest du die Übersicht:
📄 Alle Seiten, denen du folgst:
https://www.facebook.com/pages/?category=liked
→ Entferne Seiten, die du nicht mehr brauchst. Entweder „Gefällt mir“ entziehen oder entfolgen.
👥 Alle Gruppenmitgliedschaften:
https://www.facebook.com/groups/joins/?nav_source=tab
→ Verlasse Gruppen, die dir nichts mehr bringen – oder deaktiviere Benachrichtigungen, wenn sie dich überfluten.
Tipp: Weniger ist mehr. Jeder Klick auf „Gefällt mir“ oder jede Gruppenmitgliedschaft beeinflusst, was du täglich zu sehen bekommst.
Merk dir:
Facebook lebt davon, dass du möglichst lange ziellos scrollst.
Du gewinnst Kontrolle zurück, wenn du mit Absicht klickst, gezielt interagierst – und dich nicht treiben lässt. Das Netz gehört nicht dem Algorithmus.
Es gehört dir.
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