Abzocke auf Facebook: „Ich leide an Kehlkopfkrebs“ – alte Betrugsmasche, neue Profile
Auf Facebook kursieren aktuell wieder Nachrichten von angeblich todkranken Menschen, die wildfremden Nutzer:innen ihr Vermögen schenken wollen. Die Geschichten sind tränenreich, die Summen hoch – und am Ende landen Betroffene in einem knallharten Vorschussbetrug.
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Was aktuell passiert
Derzeit melden uns Nutzer:innen wieder vermehrt Nachrichten wie diese:
Eine Frau mit deutschem oder französischem Namen schreibt, sie leide seit Jahren an Kehlkopfkrebs, der Arzt habe ihr mitgeteilt, dass sie bald sterben werde. Ihr Mann sei bei einem Unfall gestorben, die Kinder seien an Corona verstorben, sie habe keine Angehörigen mehr.
Gleichzeitig behauptet sie, über ein großes Vermögen auf einem Bankkonto zu verfügen – etwa 180.000 Euro, 585.000 Euro oder 670.000 Euro. Dieses Geld wolle sie nun einer „ehrlichen und vertrauenswürdigen Person“ schenken, damit es für Kirchen, Witwen, Waisen oder wohltätige Projekte eingesetzt werde.
Am Ende steht immer die gleiche Aufforderung: Man möge doch bitte seine E-Mail-Adresse oder WhatsApp-Nummer schicken, damit ein „Notar“ die Formalitäten regeln könne.
Das ist keine neue Masche
Mimikama berichtet seit Jahren über genau diese Art von Nachrichten. Bereits 2021 hatten wir unter dem Titel Abzocke auf Facebook: Ich leide an Kehlkopfkrebs dieselbe Geschichte dokumentiert – mit damals anderen Namen, aber identischem Aufbau.
Die aktuelle Welle zeigt: Die Täter recyceln ihre Texte, tauschen nur die Namen, Beträge und Details leicht aus. Inhaltlich ist es die gleiche Story: todkrank, kein Heilmittel, tragisches Schicksal, hohe Summe, angeblicher letzter Wunsch, das Geld zu spenden.
Wie der Betrug abläuft
Wer auf die Nachricht reagiert, landet in einem klassischen Vorschussbetrug. Typischer Ablauf:
Nach der ersten Antwort meldet sich ein angeblicher Anwalt oder Notar.
Es folgen amtlich wirkende Dokumente: „Erbschaftsvertrag“, „Spendenvereinbarung“, „Treuhandabkommen“.
Dann tauchen plötzlich Gebühren auf: „Freigabekosten“, „Steuern“, „Überweisungsgebühren“, „Notarkosten“.
Diese Beträge sollen vorab überwiesen werden, meist auf ausländische Konten oder per dubiosen Zahlungsdienst.
Nach jeder Zahlung kommen neue Forderungen: Es sei „etwas schiefgegangen“, jetzt brauche man noch eine zusätzliche Gebühr.
Das versprochene Geld kommt niemals an. Das Profil verschwindet, die Mailadresse ist weg, das überwiesene Geld ebenso.
Screenshot eines vermeintlichen Spendenzertifikates (dessen Daten sich natürlich ändern)
Juristisch ist das nichts anderes als Vorschussbetrug, wie er seit Jahrzehnten in verschiedensten Varianten (Erbschaft, Lotteriegewinn, „Nigeria-Brief“) betrieben wird.
Warum die Täter so viele Daten wollen
Oft bleibt es nicht bei der Geldforderung. In vielen Fällen verlangen die Betrüger zusätzliche persönliche Daten:
Voller Name
Adresse
Telefonnummer
Beruf
Familienstand
Kopie eines Ausweises
Damit können sie nicht nur weitere Betrugsversuche starten (etwa Romance Scam bei „ledig“), sondern auch Identitätsdiebstahl betreiben, gefälschte Kreditanträge stellen oder neue Accounts auf deinen Namen eröffnen.
Wer solche Daten verschickt, macht sich selbst langfristig angreifbar.
Woran man die Masche erkennt
Die Nachrichten sind zwar emotional formuliert, folgen aber immer demselben Muster:
Unheilbar kranke Person, meist religiös und altruistisch dargestellt
Tragische Verluste: verstorbener Mann, Kinder, keine Angehörigen
Hohe Summe auf einem ausländischen Konto, die „verschenkt“ werden soll
Aufforderung, die Geschichte „diskret“ zu behandeln
Kontaktaufnahme nur über E-Mail oder WhatsApp
Einschalten eines angeblichen Anwalts / Notars
Früher oder später: Forderung nach Gebühren oder „Kostenbeteiligung“
Wichtig: Niemand verschenkt ernsthaft mehrere Hunderttausend Euro an völlig fremde Menschen auf Facebook. Wer so etwas verspricht, hat ein anderes Ziel.
Was passiert, wenn man es glaubt?
Wer auf das Angebot eingeht, riskiert mehrere Dinge:
Finanziellen Schaden: Durch angebliche Gebühren, die man überweist und nie wieder sieht.
Datenmissbrauch: Durch Herausgabe persönlicher Daten und Ausweiskopien.
Weiteren Betrug: Sobald eine Zahlung erfolgt ist, wird man in der Datenbank der Täter als „zahlungsbereit“ geführt und kann zum Ziel weiterer Scams werden.
Emotionale Belastung: Viele Betroffene schämen sich, dass sie auf die Geschichte hereingefallen sind – und reden deshalb nicht darüber. Genau diese Scham hilft den Tätern.
Was du tun solltest
Wenn du eine solche Nachricht bekommst:
Nicht antworten.
Keine Nummer oder E-Mail senden.
Nichts überweisen.
Profil und Nachricht bei Facebook als Betrug melden.
Wenn du bereits Geld überwiesen oder Dokumente verschickt hast, wende dich an deine Bank (Rückholung prüfen) und erstatte Anzeige bei der Polizei.
Du kannst solche Fälle auch an Mimikama melden. Je mehr Hinweise wir bekommen, desto besser können wir vor aktuellen Varianten der Masche warnen.
Fazit
Die Geschichte von der todkranken Fremden, die ihr Vermögen an „ehrliche Menschen“ verschenken will, ist kein letztes, rührendes Lebenszeichen, sondern ein kalkuliertes Betrugsszenario. Die Täter bedienen sich tragischer Schicksale, religiöser Bilder und Mitleid – am Ende geht es immer nur darum, dich zu Zahlungen zu verleiten und deine Daten abzugreifen.
Wer solche Nachrichten ignoriert, schützt nicht nur sich selbst, sondern entzieht den Betrügern die Grundlage für ihr Geschäft.
Hilde Ollig ist Rechercheurin bei Mimikama, Österreichs
führender Faktencheck-Organisation. Sie ist spezialisiert
auf die Überprüfung von Behauptungen in sozialen Medien
und unterstützt das Redaktionsteam mit akribischer
Quellenarbeit bei der Aufklärung über Internetmissbrauch.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum. Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG). Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein. (Mehr zur Arbeitsweise)
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