Die Behauptung
In Deutschland würden im Winter Hubschrauber eingesetzt, um Windräder mit Kerosin oder Chemikalien zu enteisen. Das zeige, dass grüne Energie weder nachhaltig noch umweltfreundlich sei.
Aufgestellt von: Soziale Medien
Faktencheck: Falsch
Das geteilte Video stammt weder aus Deutschland, noch ist es aktuell. Es zeigt einen Test zur Enteisung einer Windkraftanlage in Schweden mit heißem Wasser, nicht mit Kerosin oder Chemikalien. Eine solche Methode wird in Deutschland nicht praktiziert.
Analyse – Die Fakten dahinter
- Herkunft des Videos:
Die Aufnahmen wurden in Schweden gemacht, nicht in Deutschland. Sie zeigen einen Test im Windpark Uljabuouda in Nordschweden. Das bestätigte unter anderem der Bundesverband Windenergie (BWE) gegenüber Medien. - Art der Enteisung:
Entgegen der Behauptung wurde kein Kerosin und keine Chemikalien eingesetzt. Laut schwedischer Fachzeitschrift „Ny Teknik“ handelt es sich um eine Methode, bei der heißes Wasser per Helikopter auf die Rotorblätter aufgebracht wurde, um Eis zu lösen.
Die Bildunterschrift des Originalmaterials lautet sinngemäß: „Heißes Wasser bringt das Eis auf der Turbine zum Schmelzen.“ - Zeitlicher Kontext:
Das Bildmaterial ist mindestens zehn Jahre alt. Berichte dazu erschienen bereits 2015, Videos des beteiligten Unternehmens Alpine Helicopter wurden 2016 veröffentlicht. Die erneute Verbreitung erweckt fälschlich den Eindruck eines aktuellen Geschehens. - Praxis in Deutschland:
In Deutschland ist eine Vereisung von Windenergieanlagen aufgrund der klimatischen Bedingungen selten problematisch.
Der Bundesverband Windenergie erklärte gegenüber der dpa, dass es keine Enteisung von Windrädern durch Hubschrauber gibt. Stattdessen kommen, wenn nötig, integrierte Heizsysteme in den Anlagen zum Einsatz. - Genehmigungen und Umweltrecht:
Der Einsatz von Chemikalien zur Enteisung wäre in Deutschland genehmigungspflichtig. Das Umweltbundesamt teilte mit, dass ihm keine entsprechenden Anträge bekannt sind. Das spricht klar gegen die Behauptung, solche Methoden würden hierzulande angewendet.
Wirkung & Mechanismus
Das Video wirkt plausibel, weil es eine ungewöhnliche, visuell eindrucksvolle Szene zeigt und mit einer einfachen Erklärung versehen wird. Durch das Weglassen von Ort, Zeit und technischem Kontext entsteht der Eindruck einer aktuellen und verbreiteten Praxis. Die Kombination aus Bildmaterial und pauschaler Kritik an „grüner Energie“ verstärkt die Fehlinterpretation, obwohl die gezeigten Aufnahmen einen Sonderfall aus einem anderen Land und einem experimentellen Umfeld zeigen.
Fazit
Das Video zeigt keinen aktuellen Vorgang in Deutschland und keinen Einsatz von Kerosin oder Chemikalien. Es handelt sich um alte Aufnahmen aus Schweden, die in sozialen Netzwerken seit einigen Jahren in einen falschen Zusammenhang gestellt werden.
Quellen
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