Faktencheck: Tödlicher Schuss auf Alex Pretti in Minneapolis

Ein tödlicher Einsatz, widersprüchliche Darstellungen und eine Eskalation, die auch in Europa Fragen aufwirft

Die Behauptung

Die Department of Homeland Security (DHS) behauptet, Alex Pretti sei bewaffnet auf Bundesbeamte zugegangen, habe zwei Magazine mitgeführt, habe sich gewaltsam widersetzt und versucht, die Beamten anzugreifen, weshalb ein Border Patrol-Agent aus Notwehr geschossen habe. Diese Darstellung steht im offiziellen Statement der Behörde.

Aufgestellt von: Department of Homeland Security (DHS)

Faktencheck: Irreführend

Die zentrale Behauptung der DHS über eine bewaffnete, aggressive Annäherung und einen Notwehr-Schuss ist nicht ausreichend durch unabhängige Beweise belegt. Es ist korrekt, dass Pretti legal eine Waffe besaß und diese später am Tatort gefunden wurde, aber die Videos und Zeugenaussagen widersprechen einer Darstellung, dass er die Waffe gezogen oder aktiv gegen Beamte verwendet hätte

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Update 26.01.2026

Neue Videoanalysen widersprechen DHS-Darstellung weiter

Mehrere große US-Medien, darunter die Washington Post und CNN, haben am 26. Januar zusätzliche Videoaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven ausgewertet. Diese Analysen verstärken die bereits bestehenden Zweifel an der offiziellen Darstellung des US-Heimatschutzministeriums (DHS).

Demnach ist auf den Videos zu sehen, dass Alex Pretti kein gezogenes Schusswaffenverhalten zeigt. Stattdessen hält er nach übereinstimmender Auswertung ein Mobiltelefon in der Hand. In mindestens einer Aufnahme ist zu erkennen, wie ein ICE-Beamter Pretti während des Gerangels eine Pistole aus dem Hosenbund entnimmt, als dieser bereits von mehreren Beamten am Boden fixiert wird. Kurz darauf fallen die tödlichen Schüsse.

Die Trump-Regierung hält dennoch an der Darstellung eines Notwehrschusses fest. Fragen, ob Pretti zum Zeitpunkt der Schussabgabe bereits entwaffnet war, wurden von Heimatschutzministerin Kristi Noem auf Pressekonferenzen nicht konkret beantwortet. Der Polizeichef von Minneapolis bezeichnete die offizielle Version öffentlich als „zutiefst beunruhigend“, Minnesotas Gouverneur Tim Walz erklärte nach Sichtung der Videos: „Sie wissen, was Sie gesehen haben.“

US-Präsident Donald Trump kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an, griff jedoch zugleich erneut lokale demokratische Behörden politisch an und machte sogenannte „Sanctuary Cities“ für die Eskalation verantwortlich. Eine unabhängige, transparente Aufklärung steht weiterhin aus.

Einordnung

Die neuen Videoanalysen bestätigen die vorsichtige Bewertung dieses Faktenchecks. Sie liefern zusätzliche Hinweise, dass zentrale Elemente der DHS-Darstellung – insbesondere die Behauptung einer akuten bewaffneten Bedrohung – nicht mit dem sichtbaren Geschehen übereinstimmen. Eine abschließende rechtliche Bewertung bleibt weiterhin den Ermittlungen vorbehalten.

Der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti wurde am 24. Januar 2026 gegen etwa 09:05 Uhr bei einer Einwanderungsrazzia in Minneapolis (Minnesota, USA) an der Nicollet Avenue/26th Street von Bundesbeamten erschossen. Die US-Regierung spricht von Notwehr, doch Videoaufnahmen zeigen einen Mann mit Handy und keiner gezogenen Waffe. Der Bundesstaat Minnesota spricht von Widersprüchen, blockierten Ermittlungen und einer „Besatzung“. Was ist dort passiert – und warum eskaliert ein einzelner Vorfall zu einer nationalen Krise?

Faktencheck: Tod von Alex Pretti (Minneapolis, 24.01.2026)

⚖️ Behauptungen vs. belegbare Fakten

Fall Alex Pretti – Was wurde behauptet, was ist belegt?

Behauptung (DHS / Trump-Lager) Belegte Fakten Widersprüche / offene Punkte
Behauptung
Pretti näherte sich bewaffnet den Beamten.
Belegt
Pretti besaß legal eine 9-mm-Pistole (Permit bestätigt durch Polizei).
Offen
In mehreren Videos ist Pretti mit einem Handy in der Hand zu sehen, keine sichtbare Waffe. Keine Aufnahme zeigt ihn mit gezogener Pistole.
Behauptung
Er trug zwei volle Magazine bei sich.
Belegt
DHS veröffentlichte Fotos einer Waffe und eines Magazins im Fahrzeug.
Offen
Unklar, wo genau sich Waffe und Magazine während der Konfrontation befanden (am Körper, im Auto, nachträglich gesichert). Keine unabhängige Bestätigung zur Trageweise.
Behauptung
Er leistete gewaltsamen Widerstand.
Belegt
Videos zeigen ein Gerangel mit mehreren Beamten am Boden.
Offen
Das Gerangel begann nachdem Beamte Pfefferspray einsetzten und Pretti zu Boden brachten. Ob dies „Angriff“ oder Abwehr war, ist offen.
Behauptung
Er wollte „maximalen Schaden“ anrichten / ein Massaker begehen.
Keine Belege
—
Kritisch
Reine Motivaussage ohne bekannte Beweise, Chatverläufe, Drohungen oder Vorstrafen. Familie, Ex-Frau und Nachbarn widersprechen.
Behauptung
Der Schuss war Notwehr.
Belegt
Ein Beamter gab mehrere Schüsse ab, Pretti starb am Tatort.
Offen
Videos zeigen Pretti bereits am Boden liegend, als geschossen wurde. Ob eine akute Bedrohung bestand, ist ungeklärt.
Behauptung
Es handelte sich um einen gewalttätigen Aufstand mit ca. 200 Randalierern.
Belegt
Nach der Tötung kam es zu Protesten, Polizei sperrte das Gebiet.
Offen
Unabhängige Berichte sprechen überwiegend von Protesten. Keine verifizierten Belege für einen koordinierten „Aufstand“ zum Tatzeitpunkt.
Behauptung
Pretti war ein gefährlicher Täter.
Belegt
Pretti war 37, ICU-Krankenpfleger im VA-Krankenhaus, US-Bürger, keine Vorstrafen.
Kritisch
Politische Vorverurteilung („Terrorist“) ohne Ermittlungsabschluss.

Wer war Alex Pretti?

Alex Pretti war 37 Jahre alt, US-Bürger und Intensivpfleger am Veteranenkrankenhaus in Minneapolis. Er arbeitete seit mehreren Jahren auf einer ICU-Station und versorgte schwer kranke ehemalige Soldaten.

Nach Angaben seiner Familie und Kollegen engagierte er sich gegen die aktuelle harte Abschiebepolitik der Trump-Regierung und nahm an Protesten gegen Einsätze der Einwanderungsbehörden teil.

Er war legaler Waffenbesitzer und besaß eine gültige Tragegenehmigung – in Minnesota Voraussetzung, um eine Pistole öffentlich bei sich zu führen. Vorstrafen hatte er nicht, lediglich Verkehrsdelikte.

Pretti arbeitete als Intensivpfleger im VA-Krankenhaus in Minneapolis. Ein früherer Kollege, der Arzt und Universitätsprofessor Dimitri Drekonja, beschrieb ihn als hilfsbereiten und ruhigen Menschen, der schwer kranke Veteranen versorgte. Er habe „gelebt, um anderen zu helfen“, schrieb Drekonja in einem öffentlichen Beitrag.

Faktencheck: Tödlicher Schuss auf Alex Pretti in Minneapolis
Screenshot Universitätsprofessor Dimitri Drekonja / Bluesky

Was geschah am 24. Januar in Minneapolis?

Am Samstagmorgen führten US-Grenzschutzbeamte (Border Patrol, Teil des Heimatschutzministeriums DHS) in einem Stadtviertel von Minneapolis eine Razzia durch. Ziel war laut Behörden ein anderer Mann, der wegen eines Gewaltverbrechens gesucht wurde.

Alex Pretti befand sich in der Nähe und filmte den Einsatz mit seinem Smartphone.

Mehrere voneinander unabhängige Videos zeigen:

  • Pretti hält ein Mobiltelefon in der Hand.
  • Ein Beamter stößt eine unbeteiligte Person zu Boden.
  • Pretti geht dazwischen und bewegt sich auf die Situation zu.
  • Er wird mit Pfefferspray besprüht.
  • Mehrere Beamte werfen ihn zu Boden und fixieren ihn.
  • Mindestens vier bis fünf Beamte liegen auf ihm.
  • Sekunden später fallen innerhalb weniger Sekunden mindestens zehn Schüsse.

CNN analysierte mehrere Videoaufnahmen. Darauf ist zu sehen, wie ein Beamter kurz vor den Schüssen offenbar eine Pistole aus Prettis Hosenbund zieht. Ob andere Beamte bemerken, dass die Waffe bereits gesichert war, ist unklar. Die von DHS präsentierte Pistole ist ein weitverbreitetes Standardmodell, das auch von US-Polizei und Militär genutzt wird. Waffenexperten betonten, dass der bloße Besitz einer solchen Waffe keine Rückschlüsse auf Gewaltabsichten zulässt.

Präsident Trump veröffentlichte noch am selben Abend ein Foto der sichergestellten Waffe und stellte Pretti öffentlich als bewaffneten Täter dar. In dem Beitrag verband er den Vorfall mit unbelegten Vorwürfen über Betrug, Migration und eine angebliche Zusammenarbeit lokaler Behörden mit Extremisten, und das Heimatschutzministerium veröffentlichte wenige Stunden nach der Tat eine Erklärung, in der es Pretti als bewaffneten Angreifer darstellte und von Notwehr sprach. Diese Darstellung wird von Videoaufnahmen und Zeugenaussagen teilweise widersprochen.

In keinem veröffentlichten Video ist zu sehen, dass Pretti selbst eine Waffe zieht oder auf Beamte richtet.

Pretti stirbt noch am Tatort.

Was zeigen die vorliegenden Videos?

🚫

Warum wir die Videos nicht zeigen

Mimikama hat die Aufnahmen ausgewertet, veröffentlicht sie aber bewusst nicht. Die Videos zeigen die letzten Momente eines Menschen. Wir vermeiden Voyeurismus, schützen die Würde des Opfers und setzen auf Einordnung statt Schockbilder.

Mehrere öffentlich zugängliche Videoaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven dokumentieren den Ablauf der Ereignisse am 24. Januar 2026 in Minneapolis teilweise.

Übereinstimmend ist zu sehen:

  • Alex Pretti hält ein Smartphone in der Hand und filmt den Einsatz von Bundesbeamten.
  • In unmittelbarer Nähe kommt es zu einer Konfrontation zwischen Beamten und mindestens zwei Zivilpersonen, bei der Pfefferspray eingesetzt wird.
  • Pretti bewegt sich auf die Situation zu und versucht offenbar, einer betroffenen Person aufzuhelfen.
  • Kurz darauf greifen mehrere Beamte ein und bringen Pretti zu Boden.
  • Es kommt zu einem Gerangel, bei dem vier bis sechs Beamte auf oder neben Pretti zu sehen sind.
  • Pretti befindet sich dabei zeitweise kniend und vornübergebeugt am Boden.
  • In mindestens einer Aufnahme ist zu erkennen, dass ein Beamter während des Gerangels Prettis Hosenbund durchsucht und eine Pistole an sich nimmt.
  • Unmittelbar danach sind mehrere Schüsse zu hören.
  • Pretti bleibt reglos am Boden liegen.

Nicht zu sehen ist in den veröffentlichten Aufnahmen:

  • dass Pretti selbst eine Waffe zieht,
  • dass er gezielt auf Beamte zielt oder schießt,
  • oder dass er vor dem Gerangel eine Schusswaffe in der Hand hält.

Der genaue Moment der Schussabgabe sowie die Wahrnehmung der beteiligten Beamten lassen sich aus den vorhandenen Videos nicht vollständig rekonstruieren.

Einordnung: War der Schuss rechtlich gerechtfertigt?

In der öffentlichen Debatte gehen die Bewertungen deutlich auseinander.

Einige Kommentatoren und Sicherheitsexperten argumentieren, dass der Schuss aus Sicht des Schützen rechtlich als Notwehr oder Nothilfe bewertet werden könnte. Begründet wird dies damit, dass in einer unübersichtlichen körperlichen Auseinandersetzung bereits der Verdacht auf eine vorhandene Schusswaffe ausreiche, um eine akute Lebensgefahr anzunehmen. In der polizeilichen Ausbildung in den USA gilt der Grundsatz, dass bei einer erkannten oder vermuteten Bewaffnung eines Verdächtigen eine sofortige tödliche Gefahrenabwehr zulässig sein kann.

Andere Juristen, Bürgerrechtsorganisationen und Ermittler widersprechen dieser Bewertung. Sie verweisen darauf, dass:

  • Pretti bereits am Boden fixiert war,
  • seine Waffe möglicherweise schon entnommen wurde,
  • und keine eindeutigen Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Schussangriff vorliegen.

Zudem kritisieren sie, dass die Einsatzführung, der Einsatz von Pfefferspray und die Eskalation durch mehrere Beamte die Situation erst geschaffen haben könnten, in der es zu den tödlichen Schüssen kam.

Eine abschließende rechtliche Bewertung ist derzeit nicht möglich. Sie hängt unter anderem davon ab,

  • was der schießende Beamte konkret wahrgenommen hat,
  • ob er wusste oder erkennen konnte, dass Prettis Waffe bereits gesichert war,
  • und ob objektiv eine akute Gefahr bestand.

Diese Fragen sind Gegenstand laufender Ermittlungen.

Was sagt die US-Regierung?

Das Heimatschutzministerium erklärt:

Pretti habe sich bewaffnet den Beamten genähert, zwei volle Magazine bei sich getragen, sich „gewaltsam widersetzt“ und die Beamten hätten aus Notwehr geschossen.

Mehrere Regierungsvertreter gingen noch weiter:

  • DHS-Chefin Kristi Noem sprach von einem „gewalttätigen Aufstand“.
  • Ranghohe Beamte erklärten, Pretti habe ein „Massaker an Polizisten“ geplant.
  • Präsident Trump veröffentlichte ein Foto der sichergestellten Waffe und stellte öffentlich die Frage, warum jemand „zwei volle Magazine“ bei sich trage.
  • Trumps Berater Stephen Miller bezeichnete Pretti ohne Ermittlungsabschluss als „inländischen Terroristen“.

Was sagen Zeugen und lokale Behörden?

  • Ein Augenzeuge, der seine Aussage in einer Gerichtsakte machte, widerspricht der Darstellung des DHS klar:
  • Pretti sei mit dem Handy gekommen, habe einer Frau helfen wollen, habe die Hände gehoben, nicht angegriffen und nicht nach einer Waffe gegriffen. Dann hätten mehrere Beamte auf ihn eingeschlagen und geschossen.
  • Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, erklärte nach Sichtung der Videos:
  • Die Darstellung der Bundesregierung sei „Unsinn“ und „Lügen“.
  • Der Bürgermeister von Minneapolis sprach von „maskierten Beamten, die einen Bürger zu Tode prügeln und erschießen“.
  • Zusätzlich: Die Bundesbehörden hinderten Ermittler des Bundesstaats zweimal daran, den Tatort zu betreten – trotz richterlichem Durchsuchungsbefehl. Der Aufenthaltsort der beteiligten Beamten ist nach Angaben der Landesbehörden nicht bekannt. Minnesota und der zuständige Bezirk haben Klage eingereicht, um die Sicherung von Beweisen zu erzwingen.

Wer ist ICE – und warum ist Minneapolis besonders betroffen?

ICE (Immigration and Customs Enforcement) ist die US-Behörde für Abschiebungen und Einwanderungskontrollen. Sie untersteht dem Heimatschutzministerium.

Seit Anfang 2026 führt die Trump-Regierung in mehreren Städten großangelegte Einsätze durch, besonders intensiv in Minneapolis. Dort kam es bereits zuvor zu zwei weiteren Schusswaffeneinsätzen durch Bundesbeamte, einer davon tödlich.

Viele Beamte treten dabei vermummt auf, ohne Namensschilder oder Bodycams. Das ist legal, seit Trump 2025 die Bodycam-Pflicht für Bundesbehörden aufgehoben hat.

Für europäische Verhältnisse ungewöhnlich: Bundespolizei, Grenzschutz, Geheimdienste und Militär können in den USA parallel im Inland operieren – teils ohne klare Unterordnung unter lokale Behörden.

Warum eskaliert der Fall politisch so stark?

Der Tod von Pretti trifft mehrere Konfliktlinien gleichzeitig:

  1. Einwanderungspolitik
    Die Regierung betrachtet ICE als zentrales Machtinstrument. Kritiker sehen darin eine Militarisierung des Inneren.
  2. Bund gegen Bundesstaaten
    Minnesota verweigert teilweise die Kooperation mit ICE. Die Bundesregierung wirft dem Staat „Sabotage“ vor, Minnesota spricht von Rechtsbruch.
  3. Gewaltvideos
    Die Existenz mehrerer Videos untergräbt die offizielle Version erheblich.
  4. Vorverurteilung
    Dass Regierungsvertreter Pretti Stunden nach seinem Tod öffentlich als Terroristen bezeichneten, bevor Ermittlungen abgeschlossen sind, verschärft den Konflikt.
  5. Rechtsstaatliche Fragen
    Wenn Bundesbehörden Tatorte kontrollieren und staatliche Ermittler aussperren, wird das in den USA selbst als gefährlicher Präzedenzfall gesehen.

Was ist gesichert – und was nicht?

Gesichert:

  • Pretti war US-Bürger und Krankenpfleger.
  • Er filmte den Einsatz.
  • Er wurde von mehreren Beamten zu Boden gebracht.
  • Kurz darauf wurde er erschossen.
  • Er besaß legal eine Waffe.
  • Staatliche Ermittler wurden zunächst ausgeschlossen.

Nicht gesichert:

  • Ob Pretti die Waffe gezogen hat.
  • Ob er aktiv schießen wollte.
  • Ob die Beamten wussten, dass seine Waffe bereits entnommen war.
  • Wer genau den ersten Schuss abgab.

🗣️ Wer sagt was zum Tod von Alex Pretti?

Übersicht der Positionen verschiedener Akteure und Institutionen

Akteur / Institution Funktion Zentrale Aussage
Department of Homeland Security (DHS)
Institution
US-Heimatschutzministerium Pretti habe sich bewaffnet mit einer 9-mm-Pistole genähert, zwei volle Magazine mitgeführt, sich gewaltsam widersetzt und einen Angriff geplant. Ein Beamter habe aus Notwehr geschossen. Zudem habe es rund 200 „Randalierer“ gegeben.
Kristi Noem
Republikanerin
Heimatschutzministerin Sprach von einem „gewalttätigen Aufstand“ und verteidigte das Vorgehen der Bundesbeamten.
Donald Trump
Republikaner
US-Präsident Veröffentlicht Fotos der Waffe, bezeichnet Pretti als bewaffneten Täter („gunman“), kritisiert lokale Behörden, spricht von „Cover-up“ und „Insurrection“ und verknüpft den Fall mit unbelegten Betrugs- und Migrationsvorwürfen.
Stephen Miller
Republikaner
Präsidialberater Bezeichnet Pretti ohne abgeschlossene Ermittlungen als „inländischen Terroristen“.
J.D. Vance
Republikaner
US-Vizepräsident Spricht von „inszeniertem Chaos“ durch linke Aktivisten in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden.
Tom Emmer
Republikaner
Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus Gibt Gouverneur Walz und lokalen Politikern Mitschuld an der Eskalation, deren Rhetorik habe Kriminelle ermutigt und Beamte gefährdet; fordert zugleich, Ermittlungen abzuwarten.
Tim Walz
Demokrat
Gouverneur von Minnesota Weist die DHS-Darstellung als „Unsinn“ und „Lügen“ zurück, spricht von einer faktischen „Besatzung“ durch Bundesbehörden und fordert ein Ende der Operationen sowie unabhängige Ermittlungen.
Chuck Schumer
Demokrat
Mehrheitsführer der Demokraten im Senat Bezeichnet den Vorfall als „entsetzlich und unhinnehmbar“ und kündigt an, dass seine Fraktion dem DHS-Finanzierungsgesetz ohne Reformen und strengere ICE-Kontrollen nicht zustimmen werde.
Bill Cassidy
Republikaner
US-Senator Warnt, die Glaubwürdigkeit von ICE und DHS stehe auf dem Spiel, und fordert eine gemeinsame Untersuchung von Bundes- und Landesbehörden.

Stimmen aus der Zivilgesellschaft

American Nurses Association (ANA) – größter Pflegeberufsverband der USA
Der Verband zeigte sich „tief erschüttert“ über den Tod des Krankenpflegers Alex Pretti und forderte eine vollständige, unabhängige und transparente Untersuchung. Die ANA betonte, Pflegekräfte seien dem Schutz von Leben verpflichtet und dürften nicht Opfer staatlicher Gewalt werden. Zugleich verwies die Organisation auf zunehmende Gewalt gegen medizinisches Personal in den USA.

Kollegen aus dem VA-Krankenhaus
Ein ehemaliger Kollege, der heute als Arzt und Professor an der University of Minnesota arbeitet, beschrieb Pretti als hilfsbereit, ruhig und engagiert in der Versorgung schwer kranker Veteranen. Er habe „gelebt, um anderen zu helfen“.

Nachbarn in Minneapolis
Mehrere Anwohner bezeichneten Pretti gegenüber US-Medien als freundlich, zurückhaltend und nicht aggressiv. Eine Nachbarin sagte der New York Times, er sei „kein gewalttätiger Mensch“.

Familie
Seine Eltern erklärten, Pretti habe aus moralischer Überzeugung gegen die ICE-Razzien protestiert, weil ihn das Schicksal der Betroffenen bewegt habe. Er habe sich ausdrücklich vorgenommen, nicht gewalttätig aufzutreten.

Warum der Fall über die USA hinaus relevant ist

Der Fall Pretti ist kein isolierter Polizeivorfall, sondern ein Beispiel für:

  • die Verschiebung von Polizeiarbeit zu militärisch geprägten Einsätzen,
  • politische Einflussnahme auf laufende Ermittlungen,
  • den Abbau unabhängiger Kontrolle von Sicherheitsbehörden,
  • und die zunehmende Vermischung von Innenpolitik und „Feindbildlogik“.

Für Europa ist das ungewohnt. In den USA ist es Teil einer tiefen institutionellen und politischen Spaltung.

🧭

Warum dieser Fall wichtig ist – und wie wir damit umgehen

Fälle wie jener von Alex Pretti zeigen, wie schnell komplexe Ereignisse in sozialen Netzwerken zu vereinfachten Feindbildern, Vorverurteilungen und politischer Instrumentalisierung werden. Noch bevor Ermittlungen beginnen, stehen Schuldzuweisungen, Schlagworte und emotionale Mobilisierung im Vordergrund.

Mimikama arbeitet deshalb im Rahmen des Projekts „Medienachtsamkeit 2026″ am Konzept eines „Orts der Ruhe“ – eines geschützten digitalen Raums für Einordnung, Quellenprüfung und sachliche Diskussion ohne algorithmische Zuspitzung.

Nicht als Gegenpol zur Berichterstattung, sondern als Ergänzung: für Menschen, die verstehen wollen, was belegbar ist – und was nicht.

Medienachtsamkeit 2026

Quellen

Media
Wikipedia
25. Januar 2026
NGO
American Nurses Association
Januar 2026
Media
CNN (via X)
25. Januar 2026
Media
Truth Social
25. Januar 2026
Media
U.S. Department of Homeland Security (X)
25. Januar 2026
Media
Governor Tim Walz (X)
25. Januar 2026
Media
Senator Bill Cassidy (X)
25. Januar 2026
Media
Chuck Schumer (X)
25. Januar 2026
Media
Tom Emmer (X)
25. Januar 2026
Media
Bluesky
Post by Dr. Dimitri Drekonja
25. Januar 2026
Media
City of Green Bay
25. Januar 2026

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