Maischberger: Eskalation im Studio zwischen Merz und Chrupalla?

Gefälschte Tagesschau-Seiten verbreiten eine angebliche „Eilmeldung“ zu Maischberger, doch werben für unseriöse Finanzprodukte.

Die Behauptung

Bereits seit längerem, aber aktuell wieder vermehrt, kursieren Links zu Seiten, die wie tagesschau.de aussehen und eine angebliche „Eilmeldung“ über eine Eskalation bei Maischberger zeigen. Darin heißt es, Tino Chrupalla habe Friedrich Merz live im Studio bloßgestellt.

Aufgestellt von: Unbekannt

Faktencheck: Falsch

Die kursierenden Seiten sind gefälscht und nicht der echte Web-Auftritt der Tagesschau.
Domains, der Inhalt und die Bildmontage zeigen einen klaren Fake, zudem waren Chrupalla und Merz nie gemeinsam in der Sendung zu Gast. Ziel ist offenbar Werbung für unseriöse Finanzangebote.

💬Wie erkennt man Werbung, die wie ein redaktioneller Beitrag wirkt? Antworten finden Sie im Leitfaden Fake-Advertorials.
Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Aktuell häufen sich Hinweise auf gefälschte Tagesschau-Seiten, die per Link, Google-Shortlink oder Anzeige verbreitet werden. Der Aufmacher lautet sinngemäß: „Studio-Eskalation bei Maischberger: Chrupalla stellt Merz bloß – live und ohne Skript.“

Screenshots der gefälschten Tagesschau-Seiten mit verschiedenen URLs
Screenshots der gefälschten Tagesschau-Seiten mit verschiedenen URLs

Die Meldung ist nicht echt. Sie stammt nicht von der Seite tagesschau.de, sondern von nachgebauten Seiten wie tagesschau.financial, journalistischer-tagsblick.click, etc. Die dargestellten Artikel weisen auch unterschiedliche Datumsangaben auf: Einmal ist es der 5. Juni, dann der 21. Juni, jeweils um 00:04 Uhr.

Der angebliche Skandal zwischen Merz und Chrupalla dient als Köder, um Nutzer zu dubiosen Finanzplattformen zu führen.

Die Domains verraten den Fake

Die echte Tagesschau ist unter tagesschau.de erreichbar. Die gemeldeten Links führen dagegen auf andere Domains, die den Namen und die Optik der Tagesschau nachahmen. In den Screenshots sind Logo, Schriftbild, Breadcrumbs und der Begriff „Eilmeldung“ so gestaltet, dass sie Vertrauen erzeugen sollen.

Genau das ist typisch für Fake-Advertorials: Eine bekannte Medienmarke wird imitiert, während der eigentliche Zweck nicht Information, sondern Werbung oder Datenabgriff ist. Auffällig ist auch die URL-Struktur mit Tracking-Parameter, die auf Werbe- und Affiliate-Kampagnen hinweisen, und nicht auf eine normale Nachrichtenseite.

Der Maischberger-Auftritt ist konstruiert

Auch der behauptete Kern hält der Prüfung nicht stand. Für einen gemeinsamen Auftritt von Friedrich Merz und Tino Chrupalla in einer Maischberger-Sendung liegt nach öffentlich auffindbaren Sendungs- und Gästelisten kein Beleg vor. Beide waren bereits bei „maischberger“ zu Gast, aber nicht in der behaupteten gemeinsamen Studio-Szene.

Ein verwendetes Bild passt zudem nicht zur behaupteten Geschichte. Die Aufnahme von Chrupalla stammt nach dem vorliegenden Abgleich aus der „maischberger“-Ausgabe vom 23. Januar 2024.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen
Quelle: YouTube | tagesschau, Upload: 24. Januar 2024 – Tino Chrupalla (AfD) und Olaf Sundermeyer über Rechtsextremismus und Remigration | maischberger

In dieser Sendung sprach Chrupalla nicht mit Merz, sondern mit dem Rechtsextremismus-Experten Olaf Sundermeyer. Bei ca. Min. 23:40 erkennt man die Handbewegung Chrupallas, die im Artikel-Bild vorkommt. Auch seine Kleidung stimmt überein. Für den Fake-Artikel wurde offenbar ein Bild von Merz in die Szene montiert.

Das angebliche Interview ist erfunden

Der Text arbeitet mit einem bekannten Muster: Zwei prominente Politiker, ein angeblicher Live-Eklat, ein angeblich unterdrücktes Finanzgeheimnis und ein künstlicher Zeitdruck. Nutzer berichten von Formulierungen, wonach man das Finanzwerkzeug nur bis zu einem bestimmten Datum nutzen könne.

Für die angeblichen Aussagen gibt es keinen belastbaren Nachweis. Weder ist eine echte Tagesschau-Meldung dazu bekannt, noch passt die Darstellung zur Arbeitsweise seriöser Nachrichtenangebote. Auch die Namen der beworbenen Finanzprodukte wechseln: Mal ist von „Gratanurex“ die Rede, mal von „Semtovexo“, „Seloriva“ oder ähnlichen Bezeichnungen.

Das Ziel ist die Registrierung

Am Ende solcher Seiten sollen Nutzer sich häufig mit Name, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse registrieren. Das ist der gefährliche Teil der Masche. Wer dort Daten eingibt, kann anschließend von angeblichen Beratern, Trading-Plattformen oder weiteren Werbenetzwerken kontaktiert werden.

Verbraucherschützer, Polizei und auch wir warnen seit Jahren vor solchen Anlage- und Trading-Werbungen im Netz. Besonders verdächtig sind angeblich sichere Gewinne, Prominenten-Geschichten, künstlicher Zeitdruck und Seiten, die bekannte Medienmarken imitieren.

Nutzer sollten die Seite schließen

Wer eine solche „Eilmeldung“ sieht, sollte den Link nicht weiterverbreiten und keine Daten eingeben. Wichtig ist der Blick auf die Adresse im Browser: Steht dort nicht tagesschau.de, handelt es sich nicht um die echte Tagesschau. Auch verkürzte Links sollten misstrauisch machen, weil sie das eigentliche Ziel verschleiern.

Wer bereits Daten eingegeben hat, sollte keine weiteren Zahlungen leisten, keine Fernwartungssoftware installieren und Kontaktversuche dokumentieren. Bei finanziellen Verlusten ist eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll.

FAQ zum Thema: Fake-Tagesschau zu Merz und Chrupalla

Ist die Tagesschau-Meldung über Chrupalla und Merz echt?

Nein. Die Seiten laufen nicht über tagesschau.de und imitieren nur die Optik der Tagesschau.

Waren Chrupalla und Merz gemeinsam bei Maischberger?

Nein. Friedrich Merz und Tino Chrupalla waren nicht gemeinsam in der behaupteten Maischberger-Sendung zu Gast. Das verwendete Chrupalla-Bild stammt aus der Ausgabe vom 23. Januar 2024; dort sprach Chrupalla mit Olaf Sundermeyer, Merz war in dieser Sendung nicht dabei.

Was ist Gratanurex oder Semtovexo?

Diese Namen erscheinen in den Fake-Artikeln als angebliche Finanzwerkzeuge. Entscheidend ist: Diese Invest-Plattformen werden als Köder genutzt, um Nutzer zur Registrierung zu bewegen.

Warum wirkt die Seite wie die echte Tagesschau?

Weil Logo, Layout, „Eilmeldung“-Optik und Nachrichtensprache nachgebaut werden. Die Domain und der werbliche Inhalt zeigen jedoch, dass es keine echte Tagesschau-Seite ist.

Was soll ich tun, wenn ich meine Daten eingegeben habe?

Keine (weiteren) Zahlungen leisten und keine Software installieren. Kontaktversuche sichern, Bank oder Zahlungsdienstleister informieren und bei Schaden Anzeige erstatten.

Quellen


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.