Die Behauptung
Ein Foto zeigt vier Lehrerinnen in einem Klassenzimmer, die mit einem Schild drohen, zu kündigen, falls sie Pride-Flaggen aus ihren Klassenzimmern entfernen müssen.
Aufgestellt von: Facebook (Gruppe „Australia Now“)
Faktencheck: Falsch
Falsch. Das Foto zeigt keinen echten Protest. Es wurde mit KI erstellt. AAP FactCheck fand auf den Plakaten im Hintergrund Fantasiewörter und unsinnige Uhrzeiten. Laut Googles KI-Assistent Gemini enthält das Bild außerdem ein unsichtbares Wasserzeichen (SynthID) von Google-KI-Programmen. Eine eigene Prüfung von Mimikama mit dem Erkennungsprogramm Hive ergab ebenfalls eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für ein KI-Bild. Geteilt wurde es in der Facebook-Gruppe „Australia Now“, deren Beiträge laut AAP größtenteils von Nutzern aus Indonesien stammen.
Auf Facebook wird ein Foto geteilt: Vier Frauen stehen in einem Klassenzimmer und halten ein Schild hoch. Darauf steht auf Englisch sinngemäß: Wenn wir die Regenbogenflaggen aus unseren Klassen entfernen müssen, hören wir auf zu unterrichten. Die Regenbogenflagge, auch Pride-Flagge genannt, steht für die Unterstützung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans und queeren Menschen. Viele ärgern sich in den Kommentaren über die Lehrerinnen. Das Problem: Das Foto ist nicht echt.
Es wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt, kurz KI. Herausgefunden hat das die australische Faktencheck-Redaktion AAP FactCheck, die das Bild am 17. September 2026 geprüft hat. Das Foto zeigt also keinen echten Protest. Echt sind nur die Reaktionen darauf.
Die Fehler hängen an der Wand
Auf den ersten Blick wirkt das Bild glaubwürdig. Sogar der Satz auf dem Schild ist fehlerfrei geschrieben. Die Fehler stecken in den Nebensachen: auf den Plakaten im Hintergrund. Dort stehen Wörter, die es in keiner Sprache gibt, und die Uhrzeiten auf dem Stundenplan ergeben keinen Sinn. Das ist typisch für KI-Programme – das Wichtige im Bild gelingt ihnen oft, bei Details im Hintergrund malen sie etwas, das nur wie Schrift aussieht.
Was an der Wand nicht stimmt
Diese Hinweise hat AAP FactCheck im angeblichen Protestfoto gefunden.
Alphabet-Plakat
„Parenits Lesnchie“
Ein Fantasiewort. Außerdem fehlen die Buchstaben A und I.
Stundenplan
Um 10 Uhr: „5pm“
„5pm“ heißt 17 Uhr. Um 9 Uhr steht „Handloags“ – ein Wort, das es nicht gibt.
Klassenregeln
„learn and expectations“
Die Regeln ergeben keinen Sinn, darunter folgen weitere Fantasiewörter.
Unsichtbar
Ein digitaler Stempel
Laut dem Google-Programm Gemini wurde das Bild mit Google-KI erstellt.
Aber Achtung: Der Satz auf dem Schild selbst ist fehlerfrei. Nicht jedes KI-Bild hat solche Fehler – ein Bild ohne Fehler kann trotzdem gefälscht sein.
Was die Prüfprogramme sagen
Der stärkste Hinweis ist unsichtbar. Google versteckt in Bildern, die mit seinen KI-Programmen erstellt werden, eine Art digitalen Stempel. Er heißt SynthID. Mit dem Auge sieht man ihn nicht, aber Googles KI-Assistent Gemini kann ihn erkennen. AAP hat das Foto dort geprüft, und Gemini hat den Stempel gefunden.
Umgekehrt funktioniert dieser Test allerdings nicht. Der Stempel steckt nur in Bildern, die mit Google-Programmen gemacht wurden. Findet Gemini keinen Stempel, kann ein Bild trotzdem von einem anderen KI-Programm stammen.
Wir haben das Bild zusätzlich selbst geprüft, mit dem Programm Hive. Es sucht in Bildern nach Spuren von KI, arbeitet aber anders als der Google-Stempel: Es schätzt. Hive kommt auf eine Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent, dass das Bild mit KI erstellt wurde. Als wahrscheinlichste Quelle nennt es „gemini3“, also ebenfalls ein Programm von Google. Auch solche Schätzprogramme können sich irren. Hier passen aber alle Hinweise zusammen: die Fehler an der Wand, der Google-Stempel und das Ergebnis von Hive.
Eine australische Gruppe – aus Indonesien
Geteilt wurde das Foto mehrmals in einer Facebook-Gruppe namens „Australia Now“, auf Deutsch etwa „Australien jetzt“. In der Gruppe geht es vor allem um australische Politik und Streitthemen aus Australien. Laut AAP stammen die meisten Beiträge aber von Nutzern aus Indonesien.
AAP verweist dazu auf einen Bericht der Zeitung Guardian Australia vom August 2026. Demnach ist Indonesien bekannt für sogenannte Spammer. Das sind Leute, die Geld damit verdienen, Menschen im Westen mit umstrittenen Beiträgen zu ködern. Ob die Leute in dieser Gruppe mit diesem Bild Geld verdient haben, ist aber nicht bekannt. Das steht auch nicht im Faktencheck von AAP, und wir konnten es nicht prüfen.
Der Ärger ist echt
Viele Australier in den Kommentaren halten das Bild offenbar für echt. „Ihr seid zum Unterrichten da, nicht, um uns eure verdrehten Ansichten aufzudrängen“, schreibt jemand. Ein anderer meint, es gebe genug arbeitslose Lehrer, die den Job gerne übernehmen würden.
Ob Regenbogenflaggen in ein Klassenzimmer gehören, darüber kann man streiten. Auch der Ärger ist verständlich, wenn man glaubt, das Foto sei echt. Nur: Diese vier Lehrerinnen gibt es nicht. Ein Computerprogramm hat sie erfunden – und mit ihnen die Aussage auf dem Schild.
So einfach entsteht ein Aufreger
Für so einen Aufreger braucht es nicht viel. Es muss nichts wirklich passiert sein, und das Bild muss nicht einmal gut gemacht sein. Beim schnellen Scrollen durch Facebook schaut kaum jemand auf die Plakate im Hintergrund. Man sieht vier Frauen, ein Schild und eine Flagge – und hat die Geschichte in zwei Sekunden verstanden.
Vier Zutaten für einen erfundenen Aufreger
So war der Fall aufgebaut, den AAP FactCheck geprüft hat.
Ein Satz, der aufregt
Zu einem Thema, bei dem viele schon eine feste Meinung haben.
Ein passender Name
„Australia Now“ klingt australisch. Die meisten Beiträge kommen laut AAP aus Indonesien.
Echte Menschen ärgern sich
Sie streiten über einen Protest, den es nur auf dem Bild gibt.
Wichtig: So ist dieser Fall aufgebaut. Was die Leute hinter der Gruppe damit erreichen wollen, ist nicht bewiesen.
Das funktioniert mit jedem Thema
Mit Australien hat dieser Trick nichts zu tun. Statt der Regenbogenflagge kann es genauso um Flüchtlinge, Klima oder Impfungen gehen. Statt Lehrerinnen können Ärzte, Polizisten oder Politikerinnen auf dem Bild sein. Und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das nächste Bild wieder Fehler an der Wand hat – die Programme werden besser.
Deshalb hilft vor allem eine Gewohnheit: Bevor man sich über ein Foto aufregt, kurz prüfen, ob es das Ereignis wirklich gibt. Warum das beim schnellen Scrollen so schwerfällt, erklären wir in unserem Artikel über das Lesen auf Social Media.
Zum Mitnehmen
Drei Fragen, bevor man sich über ein Foto aufregt
- Gibt es das auch anderswo?Über einen echten Protest berichten meist auch Zeitungen. Dann gibt es Namen, eine Schule, einen Ort.
- Wer hat das gepostet?Der Name einer Gruppe sagt nichts darüber, wer wirklich dahintersteckt.
- Würde ich mich auch aufregen, wenn es KI wäre?Wenn nicht: Lieber zweimal hinschauen, bevor man kommentiert oder teilt.
Diese Fragen beweisen nicht, dass etwas gefälscht ist. Aber sie helfen, sich nicht über etwas aufzuregen, das nur ein Bild zeigt.
Quellen
- Faktencheck
-
Medium
Guardian Australia
Recherche zu indonesischen Facebook-Accounts, die westliches Publikum bespielen
10. August 2026
- Eigene Prüfung
- Unternehmen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
