Erfundene Erdbeben auf Facebook: So funktioniert der Trick mit den KI-Karten

Angeblich bebt die Erde in vielen US-Bundesstaaten. Das stimmt nicht – dahinter stecken Seiten, die Klicks sammeln.

Die Behauptung

In zahlreichen US-Bundesstaaten – etwa Indiana, Kentucky, Oklahoma und Massachusetts – hätten Menschen gleichzeitig Erdbeben und Erschütterungen gespürt.

Aufgestellt von: Facebook-Seiten wie „Life in Indiana“ und „Massachusetts Life“

Faktencheck: Falsch

Falsch. Es gab keine solchen Erdbeben. Die Karten sind offenbar mit KI gemacht, der Text wird für jeden Bundesstaat kopiert. Die Seiten werden laut Facebook unter anderem von Bangladesch aus verwaltet und sammeln offenbar Follower.

Wie entstehen Fake-News mithilfe von KI? Antworten finden Sie im Leitfaden KI-Fake-News.
Kurz gesagt
Auf Facebook heißt es: In vielen US-Bundesstaaten hat die Erde gebebt.
Das stimmt nicht. Es gab keine solchen Erdbeben.
Die Posts kommen von Seiten, die mit falschen Meldungen Klicks sammeln.

„Habt ihr das auch gespürt?“

So enden viele Posts, die gerade auf Facebook zu sehen sind. Sie zeigen eine Landkarte von einem US-Bundesstaat. Darauf sind viele rote Punkte. Die Punkte sollen zeigen: Hier hat die Erde gebebt.

Was steht in den Posts?

Die Seiten heißen zum Beispiel „Life in Indiana“, „Life in Kentucky“ oder „Massachusetts Life“.

Im Text steht: Die Menschen haben ein lautes Grollen gehört. Die Fenster haben gewackelt. Die Hunde haben gebellt. Und zum Schluss kommt die Frage an die Leser: Habt ihr das auch gespürt?

Viele Menschen antworten darauf. Allein unter dem Post über Indiana stehen über 500 Kommentare.

Facebook-Post der Seite „Life in Indiana“ mit KI-Karte zu angeblichen Erdbeben
Der Post über Indiana: über 500 Kommentare und über 1.000 Mal geteilt. Screenshot: Facebook

Hat die Erde wirklich gebebt?

Nein. In den USA gibt es eine Behörde, die jedes Erdbeben misst und aufschreibt. Die Faktenchecker von Lead Stories haben dort nachgesehen.

Das haben sie gefunden
Indiana: einen Monat lang kein einziges Erdbeben.
Kentucky und Ohio: je ein ganz kleines Beben. So kleine Beben spürt man normalerweise nicht.

Woran erkennt man die Fälschung?

Die Karten wurden offenbar mit einem Computerprogramm gemacht, also mit künstlicher Intelligenz (KI). Das sieht man an Fehlern:

  • Manche Bundesstaaten sind schief oder zusammengedrückt.
  • Auf der Karte von Massachusetts liegen rote Punkte mitten im Meer. Dort wohnt niemand, der etwas spüren könnte.
  • Beim Post über Kentucky zeigt Facebook selbst an: Hier wurde KI benutzt.
Facebook-Post „Massachusetts Life“: rote Erdbeben-Punkte liegen im Atlantik
Rote Punkte im Meer: Hier wohnt niemand, der ein Beben melden könnte. Screenshot: Facebook

Wer steckt dahinter?

Es gibt nicht nur ein paar solcher Posts. Lead Stories hat sie für über 30 Bundesstaaten gefunden. Der Text ist dabei immer fast gleich.

Vier fast gleiche Facebook-Posts über angebliche Erdbeben in Indiana, Kentucky, Oklahoma und Massachusetts
Vier Staaten, vier Seiten – aber immer derselbe Text. Screenshots: Facebook
So läuft der Trick ab
1
Ein Text und eine Karte werden einmal gemacht.
2
Dann werden nur die Namen getauscht: aus Indiana wird Kentucky, aus Kentucky wird Texas.
3
Harmlos klingende Seiten wie „Life in …“ posten die Meldung.
4
Menschen aus dem Ort kommentieren und teilen.
5
Die Seite wird bekannter und bekommt immer mehr Follower.

Wir haben selbst nachgesehen

Die Posts gehen weiter. Mitte September haben wir einen neuen Beitrag gefunden. Er stammt wieder von einer Seite namens „Massachusetts Life“. Es ist aber nicht dieselbe Seite wie bei Lead Stories. Es gibt also mehrere Seiten mit dem gleichen Namen.

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Der neue Post ist schlauer gemacht. Er sagt nicht mehr, dass die Erde gebebt hat. Er sagt: Stell dir vor, der Boden wackelt. Dann sollen die Leser antworten: „Ich habe etwas gefühlt“, „Wahrscheinlich ein LKW“, „Baustelle“ oder „Etwas anderes“. Es geht nur darum, dass möglichst viele Menschen antworten.

Wer Facebook auf Deutsch benutzt, sieht eine automatische Übersetzung. Die ist so schlecht, dass dort plötzlich vom „schreienden Boden“ die Rede ist.

Neuer Facebook-Post von „Massachusetts Life“ mit Umfrage und Karte, automatisch ins Deutsche übersetzt
Der neue Post mit Umfrage – so sieht er in der deutschen Übersetzung aus. Screenshot: Facebook

Facebook zeigt bei jeder Seite an, wer sie verwaltet. Dafür muss man auf der Seite unter „Info“ die Seitentransparenz öffnen.

Das zeigt Facebook über diese Seite
Erstellt: am 17. Januar 2026
Verwaltet von: 4 Personen aus Bangladesch und 1 Person aus Saudi-Arabien
Aus den USA: niemand
Werbung: zurzeit keine

Eine „Heimatseite“ für Massachusetts also, die von niemandem aus den USA verwaltet wird. Das passt zu dem, was Lead Stories bei anderen Seiten gefunden hat.

Warum machen die das? Sicher weiß man es nicht. Werbung zeigt die Seite noch nicht – sie sammelt offenbar erst einmal Follower. Aber: Eine Seite mit vielen Followern ist Geld wert. Man kann dort später Werbung zeigen, sie verkaufen oder ganz andere Dinge posten.

Das gibt es auch bei uns
Der Trick klappt mit jedem Thema und in jedem Land: Unwetter, vermisste Kinder, entlaufene Hunde oder ein Unfall „bei uns im Ort“. Wichtig ist nur, dass es sich nah und dringend anfühlt.
Drei Fragen, bevor du kommentierst
1. Wer hat das gepostet? Kenne ich die Seite?
2. Melden das auch die Nachrichten? Ein echtes Erdbeben steht auch in der Zeitung.
3. Postet die Seite immer das Gleiche? Dann ist es keine Nachricht.

Quellen


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.