Wer steckt hinter dieser Facebook-Seite?

Erstellungsdatum, Namensverlauf, Standort der Verwaltenden: So lesen Sie die Seitentransparenz. Teil 1 der Serie „Selbst nachsehen“

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Selbst nachsehen · Teil 1 von 5

Die Seite hat tausende Follower, ein Firmenlogo, eine Adresse und Öffnungszeiten. Sie wirkt offiziell. Aber wer steckt wirklich dahinter? Facebook zeigt bei jeder Seite ein paar Angaben, die nicht der Betreiber selbst einträgt, sondern die Plattform erzeugt. Man muss nur wissen, wo sie stehen.

Mit dieser Serie zeigen wir fünf Werkzeuge, mit denen jede und jeder selbst nachsehen kann. Sie kosten nichts und brauchen keine Vorkenntnisse. Den Anfang macht die Seitentransparenz.

Wo findet man die Seitentransparenz?

Sie steckt im Info-Bereich jeder Facebook-Seite. Die genauen Bezeichnungen ändern sich je nach App-Version immer wieder, der Weg ist aber ähnlich.

In drei Schritten zur Seitentransparenz
Am Computer und in der App ähnlich.
1
Seite öffnen
Auf den Namen der Seite tippen, nicht nur auf einen einzelnen Beitrag.
2
„Info“ wählen
Dort nach dem Abschnitt „Seitentransparenz“ suchen.
3
„Alle anzeigen“
Erst dann erscheinen Verlauf, Standorte und Werbung.
Bezeichnungen können je nach Version der Facebook-App abweichen. Mimikama · Serie „Selbst nachsehen“, Teil 1 · Stand: September 2026

Was steht dort drin?

Vier Angaben sind besonders nützlich. Jede für sich ist harmlos. Interessant wird es, wenn sie nicht zu dem passen, was die Seite über sich selbst erzählt.

Was die Seitentransparenz zeigt
Und worauf man dabei achten sollte.
Erstellt am
Wann die Seite angelegt wurde. Auffällig: Eine Seite gibt sich als traditionsreiche Firma aus, wurde aber erst vor wenigen Wochen erstellt.
Namensänderungen
Frühere Namen mit Datum. Auffällig: viele Umbenennungen oder Namen, die nichts miteinander zu tun haben.
Standort der Verwaltenden
In welchen Ländern die Personen hauptsächlich sind, die die Seite verwalten. Auffällig: Die Seite nennt eine Wiener Adresse, verwaltet wird sie aber ausschließlich von woanders.
Werbung
Ob die Seite gerade Anzeigen schaltet. Von hier geht es direkt in die Werbebibliothek – mehr dazu in Teil 2 (erscheint am 30. September).
Mimikama · Serie „Selbst nachsehen“, Teil 1 · Stand: September 2026

Wie sieht das in der Praxis aus?

Im August 2026 prüften wir eine Facebook-Seite namens „Antifa Germany GmbH“ mit mehr als 16.500 Followern. Die Seitentransparenz zeigte: Die Seite war schon 2015 als „Antifa UG – haftungsbeschränkt“ angelegt und 2023 umbenannt worden. Das allein bewies noch nichts. Es war aber die Spur, die zu früheren Berichten und schließlich zum Ergebnis unseres Faktenchecks führte.

Noch deutlicher war es bei einer Recherche zu Werbung für eine Entkleidungs-App. Von 18 untersuchten Seiten folgten 17 demselben Muster: Sie wurden unter dem Markennamen erstellt, noch am selben Tag in einen kryptischen Namen umbenannt und Tage später zurückbenannt. Die Seiten nannten US-Adressen. Bei vier Seiten zeigte die Seitentransparenz als Standort der Verwaltenden aber China, bei zwei davon zusätzlich Malaysia.

Was beweisen diese Angaben nicht?

Eine Umbenennung kann völlig normal sein, etwa wenn eine Firma ihren Namen ändert. Auch ein Standort im Ausland ist kein Beweis für Betrug. Laut Facebook zählen alle Personen mit einer Rolle auf der Seite, also auch Agenturen, die eine Seite betreuen. Den Standort ermittelt Facebook aus Profilangaben sowie Geräte- und Verbindungsdaten. Es ist also eine Einschätzung der Plattform, keine geprüfte Adresse.

Ein einzelnes Merkmal ist kein Beweis. Auffällig wird es, wenn mehrere zusammenkommen – eine brandneue Seite, merkwürdige Namenswechsel und Verwaltende in einem ganz anderen Land als die angebliche Firmenadresse. Wer so eine Seite entdeckt, die mit Geld lockt, sollte vorsichtig sein. Was nach einem Betrug zu tun ist, zeigt unsere Serie „Nach dem Klick“, etwa „Betrogen – was jetzt? Die ersten Schritte“.

Die Serie „Selbst nachsehen“
Teil 1Wer steckt hinter dieser Facebook-Seite? (Sie lesen gerade)
Teil 2Wer bezahlt diese Werbung? (erscheint am 30.09.)
Teil 3Woher stammt dieses Bild? (erscheint am 01.10.)
Teil 4Wem gehört diese Website? (erscheint am 02.10.)
Teil 5Melden, beschweren, nachhaken: Ihre Rechte gegenüber Plattformen (erscheint am 03.10.)
Morgen erscheint Teil 2: Wer bezahlt diese Werbung?.

Quellen


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