Am Handy leuchtet die Nummer der eigenen Bank auf. Also ist es die Bank – so denken viele. Genau darauf bauen Betrüger: Die Nummer am Display lässt sich fälschen. Wie das im großen Stil abläuft, zeigt ein aktueller Fall aus Pakistan.
Dort hat die Behörde für Cyberkriminalität, die National Cyber Crime Investigation Agency (NCCIA), ein Betrugs-Callcenter in der Stadt Karachi ausgehoben. Das hat sie am Mittwoch, 16. September 2026, mitgeteilt. 27 Verdächtige wurden festgenommen, darunter drei mutmaßliche Betreiber. Die Mitarbeiter sollen sich am Telefon als Vertreter von US-Banken ausgegeben haben. Alles, was bisher bekannt ist, stammt aus dieser Mitteilung, über die die pakistanische Zeitung Dawn berichtet. Unabhängig überprüfen können wir die Angaben nicht.
Was in dem Callcenter passiert sein soll
Laut NCCIA riefen die Verdächtigen gezielt Menschen im Ausland an. Sie gaben sich als offizielle Vertreter amerikanischer Banken aus. Andere spielten Mitarbeiter von Firmen, die angeblich bei Schulden helfen. Das Ziel: an persönliche Daten und Bankdaten kommen.
Bei der Durchsuchung stellten die Ermittler Laptops, Handys und andere Geräte sicher. Darauf fanden sie laut Behörde Geburtsdaten und Handynummern fremder Menschen, außerdem Social Security Numbers – so heißen die Sozialversicherungsnummern in den USA. Dazu kamen Kontodaten sowie Daten von Kredit- und Debitkarten. In welchem Land die Opfer leben, sagt die Behörde nicht. Die Sozialversicherungsnummern sprechen aber dafür, dass viele in den USA wohnen. Das ist unsere Einordnung, nicht die der Ermittler.
Abgeschlossen ist der Fall nicht. Die Behörde verfolgt nach eigenen Angaben auch, wohin das Geld geflossen ist und wer noch zu dem Netzwerk gehört. Für alle Festgenommenen gilt die Unschuldsvermutung.
Wie kann ein Anruf eine fremde Nummer zeigen?
Bei einer ersten technischen Prüfung fanden die Ermittler Hinweise auf sogenannte Spoofing-Dialer. Das sind Programme, die Anrufe automatisch aufbauen und dabei eine falsche Nummer mitschicken. Diese falsche Nummer sieht der Angerufene dann am Display. Das Ganze heißt Spoofing, vom englischen Wort für „täuschen“.
Man kann sich das wie bei einem Brief vorstellen. Auf den Umschlag kann jeder eine beliebige Absenderadresse schreiben. Der Briefträger prüft das nicht. Beim Telefon ist es ähnlich: Die Nummer am Display ist eine Angabe, die der Anruf mitbringt. Sie ist kein Ausweis.
Am Telefon ein Mensch, dahinter ein ganzer Betrieb
Wer so einen Anruf bekommt, hat meist das Gefühl, mit einem einzelnen Betrüger zu reden. Der Fall aus Karachi zeigt etwas anderes. Laut Behörde gab es eine Leitung, Anrufer und eigenes Personal für den Betrieb. Dazu kamen fertige Texte und Technik zum Fälschen der Nummern. Das ist Arbeitsteilung wie in einer Firma.
Schützt das Gesetz nicht davor?
Zum Teil. Österreich und Deutschland haben Regeln gegen gefälschte Nummern eingeführt. In Österreich hat das laut der Regulierungsbehörde RTR deutlich gewirkt: Von April bis August 2024 gingen dort im Schnitt rund 1.400 Beschwerden pro Monat ein, weil Betrüger die eigene Nummer missbraucht hatten. Im Dezember 2024 waren es nur noch 69.
Die „Bank“ ruft an – was jetzt?
Um sich zu schützen, muss man die Technik nicht verstehen. Es reicht, der Nummer am Display nicht blind zu vertrauen und selbst den Rückweg zu wählen.
Warum solche Anrufe so echt wirken
Ein Betrüger, der die richtige Nummer zeigt, hat schon vor dem ersten Wort Vertrauen gewonnen. Oft kennt er auch den Namen oder das Geburtsdatum des Opfers. Das wirkt, als wäre wirklich die Bank dran. Der Fall aus Karachi zeigt aber, woher solches Wissen kommen kann: Solche Daten werden gesammelt und weitergegeben.
- Werde ich unter Druck gesetzt?„Sofort, sonst ist Ihr Geld weg“ ist ein Warnzeichen, keine Hilfe.
- Beweist das, was der Anrufer weiß, etwas?Name, Geburtsdatum oder Kontonummer können aus gestohlenen Daten stammen.
- Habe ich mit jemandem darüber geredet?Ein kurzes Gespräch mit Angehörigen oder in der Filiale bremst den Druck aus.
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