„Cat in the Hat“: KI-Grusel, echte Angst – was in Coswig wirklich passiert ist

Der „Cat in the Hat“-Trend begann mit Gruselbildern aus der KI. Inzwischen gibt es aber echte Nachahmer: In Coswig (Anhalt) ermittelt die Polizei wegen eines realen Vorfalls mit einer verkleideten Person.

Die Behauptung

Fotos und Videos auf TikTok und Facebook zeigen eine als „Cat in the Hat“ verkleidete Gestalt, die nachts durch Wohngebiete schleicht und Menschen verfolgt.

Aufgestellt von: TikTok-Beiträge, u. a. des Accounts „Dessau_Spotting“

Faktencheck: Irreführend

Die meisten Bilder zeigen nicht das, was behauptet wird: Viele sind mit KI gemacht, andere sind alt oder stammen aus anderen Ländern. Belegt ist nur eine Anzeige in Coswig (Anhalt): Eine Frau fühlte sich von einer Person im Katzenkostüm bedroht. Die Polizei ermittelt.

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Du siehst auf TikTok oder Facebook ein Foto: eine Gestalt mit Katzengesicht und rot-weiß gestreiftem Zylinder, nachts auf der Straße. Darunter steht „Achtung Dessau“ oder „Achtung Wittenberg“. Ist das echt? Wir haben uns die Bilder angesehen, die gerade am häufigsten herumgehen.

Diese Bilder gehen gerade herum – das steckt dahinter
Die Figur heißt „The Cat in the Hat“ und stammt aus einem Kinderbuch.
KI
Die Katze vor Häusern, in Einfahrten oder am Fenster
Mit KI gemacht. Die Polizei in Irland hat das schon im August klargestellt.
KI
Bilder „aus Dessau“
Laut Polizei Dessau-Roßlau sind viele davon offenbar mit KI gemacht.
KI
Das Warnbild der Polizei Dessau-Roßlau
Die Polizei hat es selbst mit KI gemacht, um vor dem Trend zu warnen. Es zeigt keine echte Sichtung.
Altes Foto
Die Katze hockt auf einem Autodach
Das Foto ging schon Anfang September in Beiträgen aus den USA und über Kanada herum – vor dem Fall in Coswig.
Ort dazugeschrieben
Tanzende Katze mit „Sperrt eure Türen zu“ und einem Ortsnamen
Ein echter Mensch im Kostüm. Drohung und Ort hat jemand nachträglich dazugeschrieben.
Polizei ermittelt
Der Vorfall in Coswig (Anhalt)
Dazu gibt es kein Foto, sondern die Aussage einer Anwohnerin und eine Anzeige. Was genau passiert ist, klärt die Polizei.
Stand: 27. September 2026. Quellen: Polizei Sachsen-Anhalt, Garda Wexford, Berliner Zeitung, FAZ, BBC, Beiträge auf TikTok und Facebook. Mimikama

Was ist in Coswig wirklich passiert?

Am 19. September gegen 23 Uhr fühlte sich eine Frau in der Zerbster Straße in Coswig von einer Person im Katzenkostüm bedroht. Die Person soll einen „Knüppel“ in der Hand gehabt und fast eine halbe Stunde vor dem Haus gewartet haben. Laut Polizei war so eine verkleidete Person schon öfter in Coswig unterwegs. Wer sie ist und ob es ein dummer Streich war oder eine Straftat, weiß noch niemand. Die Polizei sucht sie.

Gemeint ist Coswig (Anhalt) im Landkreis Wittenberg. Coswig bei Meißen in Sachsen hat damit nichts zu tun. Für Dessau, Wittenberg und Gräfenhainichen haben wir keine Polizeimeldung über einen Vorfall gefunden.

Warum sieht das so echt aus?

Die Bilder sind absichtlich dunkel, verwackelt und unscharf. So sieht auch ein echtes Handyfoto in der Nacht aus. Und darunter steht ein Ort, den man kennt. Aber nur weil ein Ort dabeisteht, ist das Bild nicht dort entstanden. Das beste Beispiel ist dieses Foto:

TikTok-Beitrag mit einem Bild der Figur mit gestreiftem Zylinder, die auf einem Autodach hockt. Darunter ein Warnhinweis für Dessau-Roßlau, Wittenberg, Coswig (Anhalt) und Gräfenhainichen.
Eine Warnung für Sachsen-Anhalt – mit einem Foto, das es schon Wochen vorher gab. Profilbilder haben wir verpixelt. Screenshot: TikTok
Zwei Facebook-Beiträge. Links Complex vom 11. September mit demselben Foto der Figur auf dem Autodach, rechts Nick Beres Media vom 2. September mit einem Ausschnitt desselben Fotos.
Dasselbe Foto: am 11. September in einem Beitrag über Kanada, am 2. September schon als Ausschnitt in den USA. Screenshots: Facebook

Andere Videos zeigen echte Menschen im Kostüm, die einfach tanzen. Jemand schreibt dann eine Drohung und einen Ort dazu – in England etwa „Lock all your doors Leeds“, also „Sperrt eure Türen zu, Leeds“.

Facebook-Beitrag der Yorkshire Evening Post vom 26. August mit zwei Videos von Menschen im Kostüm und den Einblendungen Lock all your doors Leeds und it's them tomorrow.
Echtes Kostüm, dazugeschriebener Ort. Screenshot: Facebook

Und viele Bilder sind ganz einfach mit KI gemacht. Die Polizei in Irland hat ihr eigenes Beispielbild deshalb gleich mit „AI GENERATED“ beschriftet.

Instagram-Beitrag der irischen Polizei Garda Wexford. Links ein Bild der Figur mit gestreiftem Zylinder auf einem nächtlichen Weg, quer darüber die Aufschrift AI GENERATED. Rechts der Text des Beitrags.
Die Polizei in Wexford (Irland) am 20. August. Kommentare haben wir verpixelt. Screenshot: Instagram

Kennen wir das nicht schon?

Ja. 2018 und 2019 machte „Momo“ Kindern Angst, 2020 der „Grusel-Goofy“. Beide Male waren die Warnungen viel größer als die echte Gefahr. Momo brauchte einen Kettenbrief, der Grusel-Goofy ein verstörendes Profilbild – der „Cat in the Hat“ bekommt heute dank KI gleich das scheinbare Beweisvideo mitgeliefert. Neu ist diesmal auch: Aus den erfundenen Bildern sind echte Nachahmer geworden, wie in Coswig.

Was soll ich tun?

Nicht mitmachen, niemanden erschrecken und solche Bilder nicht weiterschicken. Wer andere verfolgt oder bedroht, kann sich strafbar machen. Auch Namen, Schulen oder Adressen darf man nicht als „Ziel“ posten – in den USA wurden deshalb schon mehrere Jugendliche festgenommen. Und: Manche Beiträge laden Jugendliche ein, die Figur zu treffen. Auf so eine Einladung sollte niemand eingehen.

Wenn wirklich jemand verfolgt oder bedroht wird oder eine verkleidete Person vor dem Haus steht: in Deutschland 110 wählen, in Österreich 133. Eltern bittet die Polizei, mit ihren Kindern über den Trend zu reden.

Zum Mitnehmen
Drei Fragen, bevor du so ein Bild weiterschickst
  • Wer hat es zuerst gepostet?Wer ein Bild nur weiterleitet, weiß meist selbst nicht, woher es kommt.
  • Gibt es das Bild schon woanders?Mit der Bildersuche von Google sieht man, ob es früher schon aufgetaucht ist, oft in einem ganz anderen Land.
  • Hat die Polizei etwas dazu gesagt?Am besten direkt auf der echten Seite der Polizei nachsehen. In England ging sogar eine gefälschte Polizeimeldung herum.
Ein Bild kann erfunden sein und trotzdem echte Angst machen. Erst prüfen, dann teilen. Mimikama

Quellen


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.