Die Behauptung
Per Mail werden Angebote eines angeblichen Insolvenzverkaufs verbreitet. Als Anbieter tritt eine vermeintliche Nürnberger Kanzlei namens „Fait & Partner Rechtsanwälte“ auf. Die Behauptung lautet: Die Kanzlei biete echte Insolvenzware aus einem laufenden Verfahren an.
Aufgestellt von: Fait & Partner
Faktencheck: Falsch
Die Behauptung ist falsch.
Der angebliche Insolvenzverkauf ist nicht überprüfbar.
Kanzleidaten, Anwaltsverzeichnis und ein Eintrag bei der Watchlist Internet passen nicht zur Darstellung.
Aktuell werden per Mail Angebote für angebliche Insolvenzware verschickt. Als Anbieter tritt eine vermeintliche Nürnberger Kanzlei namens „Fait & Partner Rechtsanwälte“ auf. Die Unterlagen wirken professionell: Kanzlei-Website, Ansprechpartner, Impressum, Warenkatalog und individuelles Angebot.
Trotzdem spricht der Fall klar gegen einen echten Insolvenzverkauf. Der wichtigste Bruchpunkt: Ein tatsächliches Insolvenzverfahren müsste überprüfbare Angaben enthalten. Genau diese Angaben fehlen.
Das Angebot wirkt zunächst glaubwürdig
Die angebliche Kanzlei tritt als Anbieterin beziehungsweise Insolvenzverwalterin auf. Verschickt wird eine umfangreiche Bestandsliste mit zahlreichen Positionen aus unterschiedlichen Warengruppen, darunter Computer, Fahrzeuge, Maschinen, Wärmepumpen, Solartechnik und Batteriespeicher.
Solche Details erzeugen Vertrauen. Auch die Website ist modern gestaltet, nennt Fachgebiete, zeigt angebliche Kanzleiangehörige und enthält ein Impressum. Interessenten erhalten zudem individuell ausgestellte Angebote. Auf den ersten Blick wirkt das nicht wie eine einfache Betrugsmail.
Entscheidend ist aber nicht die äußere Form. Entscheidend ist, ob sich der behauptete Insolvenzverkauf unabhängig überprüfen lässt.
Die zentralen Insolvenzdaten fehlen
In den vorliegenden Unterlagen fehlt offenbar genau das, was bei einem echten Insolvenzverkauf zentral wäre: der Insolvenzschuldner, das zuständige Insolvenzgericht und ein Aktenzeichen.
Ohne diese Angaben lässt sich nicht nachvollziehen, ob das behauptete Insolvenzverfahren überhaupt existiert. Eine Bestandsliste ersetzt keinen überprüfbaren Nachweis. Auch eine Kanzlei-Website oder ein angeblicher Ansprechpartner beweisen nicht, dass ein Insolvenzverfahren geführt wird.
Auffällig ist außerdem die Zahlungsbedingung. Für eine angebotene BYD Battery-Box Premium HVS 10.2 wurde laut vorliegenden Unterlagen ein persönliches Angebot erstellt. Gezahlt werden sollte vollständig per Vorkasse vor Lieferung.
Bei ungefragt zugesandten Angeboten ist diese Kombination ein starkes Warnsignal: kein überprüfbares Verfahren, keine klare Schuldnerangabe, aber vollständige Zahlung im Voraus.
Das Anwaltsverzeichnis bestätigt die Darstellung nicht
Ein weiterer prüfbarer Punkt betrifft die angeblichen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Wer in Deutschland als Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin tätig ist, muss bei einer regionalen Rechtsanwaltskammer zugelassen sein. Öffentlich überprüfen lässt sich das über das Bundesweite Amtliche Anwaltsverzeichnis.
Eine Suche für „Markus Fait“, der auf der Website als Rechtsanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht sowie Wirtschaftsrecht präsentiert wird, liefert hier kein Ergebnis. Auch die angebliche Kanzlei „Fait & Partner“ ist dort demnach nicht auffindbar.
Für die weiteren auf der Website genannten Namen ergibt sich ebenfalls kein stimmiges Bild. „Julian Reiser“ und „Thomas Kellner“ sollen als Rechtsanwälte aufgeführt sein, passende Einträge wurden nach vorliegenden Angaben jedoch nicht gefunden. Bei „Katharina Vogt“ gibt es zwar Treffer zu ähnlich lautenden oder erweiterten Namen, jedoch nicht passend zur dargestellten Kanzleiidentität und nicht mit der behaupteten Zuordnung.
Ein fehlender Treffer allein beweist nicht jedes Detail der Masche. In diesem Fall passt er aber zu den übrigen Befunden: fehlende Verfahrensdaten, unklare Kanzleiidentität, fremde Unternehmensdaten und Vorkasse.
Watchlist Internet warnt vor dieser Kanzleiidentität
Ein weiterer wichtiger Hinweis kommt von der Watchlist Internet. Dort wird eine Liste angeblicher Anwaltskanzleien geführt, vor denen gewarnt wird. Die Watchlist beschreibt die Masche so: „Uns werden regelmäßig Fake-Anwaltskanzleien gemeldet. Kriminelle erstellen umfassende Websites und nutzen diese als seriös anmutenden Deckmantel für ihre Betrugsmaschen.“
In dieser Liste wird auch „Fait & Partner“ beziehungsweise die damit verbundene Kanzleiidentität geführt. Das passt zum Muster im aktuellen Fall: Eine professionell gestaltete Website, juristisch wirkende Formulierungen, angebliche Ansprechpartner und ein vermeintlicher Insolvenzverkauf sollen Seriosität vermitteln.
Die Warnliste allein ersetzt nicht die Prüfung der konkreten Unterlagen. In Verbindung mit fehlenden Verfahrensdaten, nicht passenden Anwaltsregister-Einträgen, fremden Kanzleidaten und Vorkasse ist sie aber ein starkes externes Indiz.
Fremde Kanzleidaten sprechen gegen Echtheit
Besonders schwer wiegt der Hinweis auf die verwendete Umsatzsteuer-ID. Die angebliche Kanzlei nennt im Impressum ihres Webauftritts eine Umsatzsteuer-ID, die zu einer anderen realen Nürnberger Kanzlei gehört.
Damit geht es nicht um eine bloße Unstimmigkeit im Impressum. Wenn eine angebliche Kanzlei Unternehmensdaten einer anderen realen Kanzlei verwendet, spricht das für Identitätsmissbrauch. Für Betroffene ist das besonders gefährlich, weil echte Register- und Steuerdaten Vertrauen erzeugen können.
Ein professionelles Impressum ist deshalb kein Echtheitsbeleg. Es muss zu der konkreten Kanzlei, den genannten Personen und den offiziellen Registerangaben passen.
Die Porträts belegen keine realen Ansprechpartner
Auch die gezeigten Kanzlei-Porträts liefern keinen belastbaren Nachweis. Auf den vollständigen Bildern ist rechts unten ein vierzackiges Symbol zu sehen, wie es bei Bildern aus Googles KI-Bildsystem Gemini auftritt.
Das beweist für sich allein nicht, ob ein Bild vollständig neu erzeugt oder mithilfe von KI bearbeitet wurde. Es zeigt aber: Die Porträts eignen sich nicht als Beleg dafür, dass die angeblichen Personen tatsächlich in dieser Kanzlei tätig sind.
Auffällig ist zudem, dass die Bilder auf der Teamseite offenbar beschnitten dargestellt werden. Das Symbol ist dort nicht sichtbar und erscheint erst im vollständigen Bild. Zusammen mit Dateinamen wie „platzhalter1.jpg“ bis „platzhalter4.jpg“ passt das zum Eindruck einer künstlich aufgebauten Kanzlei-Kulisse.
Dieselben Gesichter, dieselbe Telefonnummer, dieselbe USt-ID
Bei der Recherche fällt eine weitere angebliche Nürnberger Kanzlei auf: „Benzing & Partner“. Auch sie präsentiert sich als auf Insolvenzverwaltung spezialisierte Kanzlei. Die Überschneidungen mit „Fait & Partner“ gehen jedoch weit über eine ähnliche Gestaltung hinaus.
Beide Websites verwenden dieselbe Telefonnummer und dieselbe Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Die fremden Unternehmensdaten werden somit nicht nur bei „Fait & Partner“, sondern auch bei „Benzing & Partner“ eingesetzt.
Noch auffälliger sind die angeblichen Mitarbeiter: Auf beiden Websites werden dieselben KI-Porträts verwendet, nur tragen die dargestellten Anwälte bei „Benzing & Partner“ plötzlich andere Namen. Aus Thomas Kellner wird Martin Benzing, aus Markus Fait wird Stefan Vogel, Katharina Vogt wird zu Julia Hartmann, und Michael Reinhardt zu Julian Reiser. Gesichter, die bei „Fait & Partner“ bestimmten Kanzleimitgliedern zugeordnet werden, dienen auf der zweiten Website also zur Darstellung anderer Personen. Damit können die Porträts offenkundig keine authentischen Mitarbeiterfotos beider Kanzleien sein.
„Benzing & Partner“ liefert dafür sogar selbst einen Hinweis. Auf der Website heißt es ausdrücklich, die Namen seien „exemplarisch“ und die Porträts könnten durch die „finalen Aufnahmen der Kanzlei“ ersetzt werden. An anderer Stelle finden sich noch Begriffe wie „Platzhalter“ und Verfahrenszahlen werden als „Beispielwert“ bezeichnet.
Die Kombination ist bemerkenswert: dieselbe Telefonnummer, dieselben KI-Gesichter, aber andere Namen und eine andere angebliche Kanzlei. Das stellt eine konkrete Verbindung zwischen den beiden Auftritten her. Wer die Websites betreibt und ob dieselben Personen dahinterstehen, lässt sich daraus allein nicht feststellen. Die Überschneidungen zeigen jedoch, dass hier offenbar Elemente einer künstlich aufgebauten Kanzlei-Kulisse mehrfach verwendet werden.
Und: Benzing & Partner wird ebenfalls bei Watchlist Internet in der Liste betrügerischer Kanzleien geführt.
Die Masche nutzt Vertrauen in Kanzleien
Der Fall zeigt, wie sich Betrugsangebote verändern. Viele klassische Fake-Shops fallen durch schlechte Sprache, einfache Gestaltung oder fehlende Impressumsangaben auf. Hier ist das anders: Die Aufmachung wirkt seriös. Website, Bestandsliste und Angebot folgen einem einheitlichen Layout, die Texte sind weitgehend fehlerfrei, die Produktliste ist umfangreich und die angeblichen Ansprechpartner wirken professionell.
Genau das ist der Täuschungstrick. Eine Kanzlei, ein Insolvenzverkauf und detaillierte Produktdaten schaffen einen Rahmen, der Seriosität vorgaukelt. Wer ein günstiges Angebot erwartet, prüft dann möglicherweise nicht mehr die entscheidenden Punkte.
Bei Insolvenzware sollten Interessenten immer unabhängig prüfen: Gibt es ein Insolvenzgericht? Gibt es ein Aktenzeichen? Wer ist der Insolvenzschuldner? Ist der Insolvenzverwalter in offiziellen Quellen auffindbar? Stimmen Registerdaten, Umsatzsteuer-ID und Kanzleiangaben überein? Ist die Kanzlei im amtlichen Anwaltsverzeichnis auffindbar? Und auf welches Konto soll gezahlt werden?
Nicht zahlen, Unterlagen sichern
Wer ein solches Angebot erhält, sollte nicht überweisen und keine weiteren persönlichen oder geschäftlichen Daten schicken. Wichtig sind die vollständige Mail, Anhänge, Domain, Telefonnummer, Angebot, Zahlungsaufforderung und – falls vorhanden – die IBAN.
Diese Informationen können für eine Meldung bei Polizei, Verbraucherstellen oder Watchlist Internet wichtig sein. Auch die echte Kanzlei, deren Daten offenbar verwendet werden, sollte informiert werden.
Bewertung: Falsch. Für den behaupteten echten Insolvenzverkauf durch „Fait & Partner“ gibt es keine belastbaren Nachweise. Zentrale Verfahrensdaten fehlen, die Kanzleiidentität passt nach vorliegenden Angaben nicht zum amtlichen Anwaltsverzeichnis, Watchlist Internet warnt vor der Identität und verwendete Unternehmensdaten führen zu einer anderen realen Kanzlei.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
