Die Behauptung
Ein Video zeigt einen Nachrichtenbeitrag über eine Schule, an der Kinder nicht mehr als Jungen oder Mädchen gelten. Sie könnten sich dort stattdessen etwa als „rosa Stift“, als „mündliche 1“ oder als „schulbefreit“ identifizieren.
Aufgestellt von: Videos auf TikTok, Instagram und Facebook
Faktencheck: Falsch
Das Video wurde mit KI gemacht. Der Ersteller hat das im Mai 2026 selbst dazugeschrieben, bei späteren Kopien fehlt der Hinweis teilweise. Auch unsere eigene Prüfung mit einem KI-Prüfprogramm weist klar auf KI hin. Keines der Bildungsministerien, kennt eine solche Schule.
Eine Lehrerin steht vor der Kamera. Sie sagt, an ihrer Schule gebe es keine Jungen und Mädchen mehr. Ein Mädchen erzählt, es könne jetzt auch ein „rosa Stift“ sein. Andere Kinder seien eine „mündliche 1“, also eine gute Note – oder gleich „schulbefreit“. Das Video sieht aus wie ein Bericht aus den Nachrichten. Es wird gerade auf TikTok, Instagram und Facebook geteilt.
Doch die Schule ist nicht das Spannende an diesem Video. Der Mann oder die Frau, die das Video gemacht hat, hat selbst dazugeschrieben: Das ist KI.
Woher stammt das Video?
KI steht für künstliche Intelligenz. Das sind Computerprogramme, die Bilder, Stimmen und ganze Videos erfinden können. Man muss nur kurz beschreiben, was man sehen will. Die deutsche Faktencheck-Redaktion CORRECTIV hat nach dem ersten Video gesucht. Das älteste stammt vom Mai 2026 und steht auf TikTok. Das Profil, das es hochgeladen hat, trägt die Wörter „AI“ und „Satire“ im Namen. „AI“ ist das englische Wort für KI.
Woran man das Video erkennen kann
Wer genau hinschaut, merkt es auch ohne Hinweis. Die Lippen bewegen sich nicht passend zu den Worten. Die Stimmen klingen wie von einer Maschine. Die Köpfe wackeln ohne Grund hin und her. Am Handy, schnell nebenbei angeschaut, fällt das aber kaum auf.
Wir haben das Video deshalb auch selbst geprüft, mit einem Programm, das KI erkennen soll. Solche Programme suchen nach Spuren, die KI in Bild und Ton hinterlässt. Das Ergebnis: Das Video ist laut Programm zu 99,9 Prozent wahrscheinlich mit KI gemacht. Bei den Stimmen sind es 97,1 Prozent. Auch solche Programme können sich irren. Hier passt das Ergebnis aber zu den Fehlern im Bild und zum Hinweis des Erstellers.
Gibt es so eine Schule irgendwo?
In Deutschland bestimmt jedes Bundesland selbst über seine Schulen. Es gibt 16 Bundesländer und damit 16 Ministerien für Bildung. CORRECTIV hat alle gefragt, ob sie so eine Schule kennen. 13 haben geantwortet. Keines kennt eine solche Schule. Drei Ministerien haben bis zur Veröffentlichung nicht geantwortet. Das Ministerium in Niedersachsen erklärte außerdem: Eine Schule darf so etwas gar nicht allein entscheiden. Dafür gibt es Gesetze.
Woher kommt die Idee?
Ganz erfunden ist das Thema nicht. Es gibt Kinder, die sich nicht als Junge oder nicht als Mädchen fühlen, obwohl es so in ihren Papieren steht. Und es gibt Kinder, deren Körper nicht eindeutig männlich oder weiblich ist. Für den Umgang mit diesen Kindern haben manche Bundesländer Regeln für Schulen geschrieben. Über diese Regeln wird politisch gestritten. Für diesen Faktencheck zählt nur eine Frage: Steht darin, was das Video zeigt?
Gerade die Mischung macht das Video gefährlich. Viele haben schon gehört, dass es an Schulen neue Regeln zu diesem Thema gibt. Die Einzelheiten kennen sie nicht. Dann wirkt auch der „rosa Stift“ nicht mehr so weit hergeholt. Das Video braucht dafür keine echte Schule und keinen echten Menschen.
Warum der KI-Hinweis allein nicht reicht
Der Hinweis „KI“ steht meistens neben dem Video. Er steht im Text darunter oder wird von TikTok oder Instagram eingeblendet. Im Bild selbst steckt er nicht. Wer nur das Video kopiert und woanders neu hochlädt, nimmt den Hinweis nicht mit. Ob das hier absichtlich passiert ist, wissen wir nicht. Jede Kopie ohne Hinweis erreicht aber Menschen, die das erste Video nie gesehen haben.
Quellen
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.
