Die Behauptung
Auf dem Münchner Oktoberfest werden Besucher heimlich, gegen ihren Willen oder in betrunkenem Zustand gegen Corona geimpft.
Aufgestellt von: Beiträge auf Facebook und YouTube
Faktencheck: Falsch
Falsch. Die Stadt München bietet 2026 erstmals eine freiwillige Impfung gegen Grippe und Corona in der Wiesn-Sanitätswache an. Wer sich impfen lassen will, muss selbst hingehen, wird ärztlich aufgeklärt und muss einwilligen. Betrunkene werden laut LMU Klinikum nicht geimpft. Für heimliche Impfungen gibt es keinen Beleg. Richtig ist allerdings: Die STIKO empfiehlt die jährliche Corona-Auffrischung seit Juli 2026 als Standard erst ab 75 Jahren.
Auf Facebook und YouTube geht gerade eine Schreckensmeldung um: Auf dem Oktoberfest wird geimpft! Gemeint ist natürlich nicht einfach geimpft, sondern heimlich, gegen den Willen und am liebsten nach der dritten Maß. Man stellt sich offenbar ein Impfkommando in Lederhose vor, das zwischen Steckerlfisch und Riesenrad auf Opfer wartet.
Die Wirklichkeit ist deutlich fader. Die Stadt München bietet heuer zum ersten Mal eine freiwillige Impfung gegen Grippe und Corona auf der Wiesn an. Ohne Termin, aber auch ohne Lasso.
Wo lauert das Impfkommando?
In der Sanitätswache im Servicezentrum hinter dem Schottenhammel. Dort impfen Ärzte der Aicher Ambulanz im Auftrag des städtischen Gesundheitsreferats. Das Angebot gehört zur Aktion „München impft“ von Stadt, LMU Klinikum und TUM Klinikum. Unter der Woche ist von 10 bis 14 Uhr offen, Schluss ist mit dem letzten Wiesn-Tag am 4. Oktober. Mitbringen soll man Impfpass und Krankenkassenkarte. Gedacht ist das Ganze für Besucher, aber auch für Kellnerinnen, Schausteller, Security und Küchenpersonal, die jeden Tag mit tausenden Menschen auf engem Raum stehen.
Und wie viele hat es schon erwischt?
Wo die Kritiker ausnahmsweise recht haben
Einen Punkt muss man den Wiesn-Apokalyptikern lassen. Seit Juli 2026 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die jährliche Corona-Auffrischung als Standard erst ab 75 Jahren. Vorher lag die Grenze bei 60. Dazu kommen Menschen mit Vorerkrankungen und Menschen, die sich bei der Arbeit leichter anstecken. Gesunde Erwachsene unter 75 brauchen die jährliche Corona-Impfung laut STIKO in der Regel nicht mehr.
Das sagt sogar der Wiesn-Arzt selbst: Für die meisten jungen Leute auf dem Oktoberfest gebe es keine STIKO-Empfehlung. Geimpft wird laut Stadt trotzdem nur nach diesen Empfehlungen. Man darf also darüber streiten, ob eine Impfstation zwischen Bierzelten der richtige Ort ist. Nur ist „gilt nicht für alle“ halt etwas anderes als „DIE WOLLEN UNS ALLE DURCHSPRITZEN!!!“
Warum dann überhaupt?
Weil sich in Deutschland zu wenige impfen lassen, denen es empfohlen wird. Laut Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek ist nur etwa ein Drittel davon gegen Grippe geimpft, gegen Corona sogar weniger als ein Fünftel. Die Idee: Wer ohnehin vor Ort ist und sich impfen lassen will, soll es einfach haben. Das ist der ganze Plan. Für eine Weltverschwörung ist er erstaunlich schlecht geheim gehalten. Das Gefährlichste auf der Wiesn bleibt die vierte Maß.
Quellen
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