EU schafft „Frauen“ und „Mütter“ ab? Das stimmt nicht

Das EU-Parlament verwendet den Ausdruck „menstruierende Bevölkerung“. Doch in denselben Dokumenten stehen weiterhin „Frauen“, „Mädchen“ und „Mütter“.

Die Behauptung

Das Europäische Parlament schaffe die Begriffe „Frauen“ und „Mütter“ ab und ersetze sie durch „menstruierende Individuen“.

Aufgestellt von: https://x.com/AldousHuxIey/status/2107683535498723384

Faktencheck: Falsch

Falsch. Das Parlament verwendet „menstruierende Bevölkerung“ im Zusammenhang mit Menstruationsarmut. In denselben Entschließungen stehen weiterhin ausdrücklich „Frauen“, „Mädchen“ und „Mütter“.

📖Wie funktioniert Desinformation im politischen Kontext? Antworten finden Sie im Leitfaden Politische Desinformation.
Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen

Ein Blick in die Entschließung vom 12. Februar 2026 reicht, um die Behauptung zu widerlegen. Das Europäische Parlament beschäftigt sich darin mit Menstruationsarmut, also dem fehlenden Zugang zu Menstruationsprodukten oder geeigneten sanitären Einrichtungen. In Punkt 29 heißt es, davon seien schätzungsweise zehn Prozent der „menstruierenden Bevölkerung“ betroffen. Direkt danach spricht das Parlament ausdrücklich von „Frauen und Mädchen aus einkommensschwachen Verhältnissen“.

Die Formulierung „menstruierende Bevölkerung“ bezeichnet in diesem Zusammenhang die Gruppe der Menschen, die menstruieren. Sie ist Teil einer Aussage über Menstruationsarmut, keine Anweisung, die Bezeichnung „Frauen“ zu ersetzen. Der verbreitete Beitrag auf X behauptet dagegen, das Parlament wolle „Frauen“ und „Mütter“ durch „menstruierende Individuen“ austauschen. Diese Formulierung stimmt schon mit dem Wortlaut des angeführten Beschlusses nicht überein.

Auch „Mütter“ stehen in den EU-Dokumenten

Bereits in derselben Februar-Entschließung fordert das Parlament in Punkt 28 einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung für „Mütter, Neugeborene und Kinder“. Noch deutlicher wird der Widerspruch in einer weiteren Entschließung vom 16. September 2026: Dort ist von „menstruierenden Frauen“ die Rede. Im Abschnitt über die Gesundheit nach einer Geburt nennt das Dokument außerdem ausdrücklich „Mütter“ und verweist auf eine Schätzung zu Wochenbett-Depressionen.

Bei beiden Texten handelt es sich um Entschließungen zu Armutsbekämpfung beziehungsweise Gesundheitspolitik. Ein Verbot der Wörter „Frauen“ und „Mütter“ enthalten sie nicht. Über inklusive Formulierungen lässt sich politisch diskutieren. Aus der Verwendung einer zusätzlichen Sammelbezeichnung eine Abschaffung geläufiger Begriffe abzuleiten, ist allerdings durch die Originaltexte klar widerlegt.


Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.