Kiew in Flammen: Angebliches Reuters-Foto ist offenbar ein KI-Bild

Eine dramatische Aufnahme soll Kiew nach russischen Angriffen zeigen und von Reuters stammen. Die zugeschriebene Fotografin widerspricht, auch die Bilddetails sind unstimmig.

Die Behauptung

Eine im Internet verbreitete Aufnahme soll Kiew nach russischen Angriffen zeigen. Sie stamme von der Nachrichtenagentur Reuters, möglicherweise von der Fotografin Alina Smutko, und belege ein angeblich verschwiegenes Ausmaß der Zerstörung.

Aufgestellt von: https://www.raskrinkavanje.me/analiza/apokalipticna-fotografija-kijeva-u-plamenu-je-djelo-ai/

Falsch

Falsch. Die als mögliche Urheberin genannte Reuters-Fotografin bestreitet, das Bild aufgenommen zu haben. Unplausible Brücken- und Verkehrsdarstellungen sprechen dafür, dass das Motiv künstlich erzeugt wurde. Eine technische Untersuchung der Originaldatei liegt bislang nicht vor.

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Die Brücke auf dem angeblichen Reuters-Foto von Kiew wirft erhebliche Fragen auf. Sie macht einen merkwürdigen Knick, während sich davor lange Fahrzeugkolonnen stauen. Auf einem Schild steht sinngemäß, die Südbrücke sei geschlossen und der Verkehr eingestellt. Im Hintergrund sind Brände und das Mutter-Heimat-Denkmal zu sehen. Die abgebildete Brücke lässt sich jedoch weder der Süd- noch der Nord- oder der Paton-Brücke überzeugend zuordnen. Ein Vergleich mit einer älteren Aufnahme der Paton-Brücke und des Denkmals verdeutlicht die Unterschiede.

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Angebliches Reuters-Foto von Kiew mit brennender Skyline, Brücke und dichtem Autoverkehr
Das als Reuters-Foto verbreitete Bild von Kiew. Die angebliche Fotografin weist die Urheberschaft zurück, mehrere Bildfehler sprechen für eine KI-Erzeugung.

Auch der Verkehr wirkt unstimmig: In einzelnen Bereichen erscheinen Autos auf kaum nachvollziehbaren Fahrspuren, weiter entfernte Fahrzeuge gehen teilweise ineinander über. Solche Fehler sind typische Hinweise auf künstlich erzeugte Bilder, für sich genommen aber kein technischer Beweis. Die montenegrinische Faktencheck-Redaktion Raskrinkavanje hat das verbreitete Motiv samt Facebook-Beispiel dokumentiert und ebenfalls erhebliche Unstimmigkeiten festgestellt.

Besonders deutlich ist die Widerlegung der angeblichen Urheberschaft. Die Aufnahme wird in sozialen Netzwerken Reuters zugeschrieben; stellenweise fällt auch der Name der Reuters-Fotografin Alina Smutko. Raskrinkavanje fragte bei ihr nach. Ihre Antwort: Das Bild sei definitiv nicht von ihr, und sie bezweifle, dass es echt sei. Eine Antwort der ebenfalls kontaktierten Nachrichtenagentur Reuters ist im bislang vorliegenden Faktencheck nicht dokumentiert. Das genaue Herstellungsverfahren der kursierenden Bilddatei und ihr ursprünglicher Urheber bleiben offen.

Dass Kiew tatsächlich unter russischen Angriffen leidet, ist gut dokumentiert. Reuters veröffentlichte etwa eine Aufnahme von Alina Smutko vom 8. Oktober 2026, die Rauch über der Stadt während eines Drohnenangriffs zeigt. Schon am 2. Oktober dokumentierte Reuters-Fotograf Valentyn Ogirenko einen Drohnenangriff auf eine Kiewer Brücke. Gerade diese überprüfbaren Bilder widersprechen der begleitenden Erzählung, westliche Medien würden solche Angriffe grundsätzlich verschweigen. Sie belegen allerdings nicht das dramatische Stadtpanorama des kursierenden Bildes.

Quellen

FAKTENCHECK
Raskrinkavanje / Marko Vukajlović
9. Oktober 2026
MEDIUM
Reuters Connect / Alina Smutko
8. Oktober 2026 (Aufnahmedatum)
MEDIUM
Reuters Connect / Valentyn Ogirenko
2. Oktober 2026 (Aufnahmedatum)
MEDIUM
Wikimedia Commons / Віктор Полянко
11. September 2021 (Aufnahmedatum)


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