Die Behauptung
BMW schließe wegen Geldproblemen und fehlender Kreditwürdigkeit keine Leasingverträge für Dienstwagen mit dem Land Sachsen-Anhalt ab.
Aufgestellt von: Nutzeranfrage mit Screenshot einer über WhatsApp verbreiteten Grafik; ursprünglicher Urheber unbekannt.
Irreführend
Irreführend. BMW zog ein Angebot für den Dienstwagen von Landtagspräsident Tobias Rausch zurück. Ein allgemeiner Leasing-Stopp für Sachsen-Anhalt ist nicht belegt. Die angeblichen Gründe in der Grafik sind keine bestätigten BMW-Aussagen. Das Land hat sehr gute Kreditbewertungen.
Ein zurückgezogenes Angebot für ein einzelnes Auto bedeutet keinen Lieferstopp für ein ganzes Bundesland. Genau dieser Unterschied fehlt in der verbreiteten Grafik. Sie stellt es so dar, als würde BMW dem Land Sachsen-Anhalt grundsätzlich keine Dienstwagen über Leasingverträge zur Verfügung stellen.
BMW zog ein Angebot für Tobias Rausch zurück
Am 6. Oktober 2026 nahm BMW ein Leasingangebot für den Dienstwagen des neuen Landtagspräsidenten Tobias Rausch von der AfD zurück. Eine Sprecherin des Landtags bestätigte den Vorgang gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, wie der ORF berichtet. Rausch war am selben Tag zum Landtagspräsidenten gewählt worden.
Betroffen ist das Angebot für das ihm zugeordnete Fahrzeug. Laut MDR besteht die Dienstwagenflotte von Landesregierung und Landtag überwiegend aus BMW-Fahrzeugen. Ein allgemeiner Stopp sämtlicher Leasingverträge mit dem Land geht aus den geprüften Berichten nicht hervor. BMW nannte öffentlich keinen Grund und erklärte, sich grundsätzlich nicht zu Kundenbeziehungen zu äußern. Ein politisches Motiv ist damit ebenfalls keine bestätigte Begründung des Unternehmens.
Die angeblichen Gründe sind nicht belegt
Die Grafik nennt Geldprobleme und „fehlende Bonität“ als Gründe. Bonität bedeutet Kreditwürdigkeit: Wie verlässlich kann jemand seine Schulden zurückzahlen? Das Finanzministerium Sachsen-Anhalts veröffentlicht sehr gute Bewertungen des Landes. Die Ratingagenturen Fitch und Scope vergeben jeweils AAA, ihre höchste Bewertungsstufe. Das widerspricht dem pauschalen Eindruck, das Land sei nicht kreditwürdig. Über einen bestimmten Leasingvertrag entscheiden solche Bewertungen allein allerdings nicht.
Eine echte BMW-Mitteilung mit dem abgebildeten Wortlaut konnten wir nicht finden. Auch die angebliche Begründung mit einem unzureichenden internationalen Profil ist nicht belegt. Das Datum 12. März 2025 passt zudem nicht zum dokumentierten Rückzug des Angebots im Oktober 2026.
Die Liste darunter liefert keine Quellen für die behaupteten „Freunde und Partner“. Die einzelnen Fahrzeugangaben sind damit nicht überprüfbar belegt. Selbst wenn eine Person einen BMW nutzt, beweist das für sich allein keine direkte Lieferung durch BMW oder politische Partnerschaft.
Der zusätzliche Kommentar im Screenshot über BMWs Rolle im Nationalsozialismus hat einen belegten historischen Kern: BMW produzierte für die Kriegswirtschaft unter anderem Flugmotoren und setzte Zwangsarbeiter sowie KZ-Häftlinge ein. Das dokumentiert BMW selbst. Diese Geschichte belegt aber keinen heutigen Lieferstopp für Sachsen-Anhalt.
Quellen
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