Worum geht es?
Eine am 8. Oktober 2026 veröffentlichte Studie untersucht, wie gut Menschen KI-Bilder beim schnellen Anschauen von echten Fotos unterscheiden können.
Was haben wir herausgefunden?
Im dänischen Experiment lagen die Wahrscheinlichkeitsurteile insgesamt nahe am Zufallsniveau. Das bedeutet keine allgemeine Trefferquote von 50 Prozent. Getestet wurde bereits im Juni 2024.
Was bedeutet das?
Die Untersuchung zeigt Grenzen der schnellen Sichtprüfung. Für die eigene Prüfung empfehlen wir, die Herkunft eines Bildes und Belege für das gezeigte Ereignis zu suchen. Heutige KI-Modelle und politische Überzeugungswirkungen wurden nicht getestet.
„Das sieht man doch sofort!“ Bei einem verdächtigen Bild ist dieses Urteil schnell gefällt. Eine neue Untersuchung gibt Anlass, mit solchen Gewissheiten vorsichtig zu sein: Beim raschen Anschauen konnten die Befragten echte Fotos und KI-Bilder insgesamt nur schwach auseinanderhalten. Was genau geprüft wurde, entscheidet allerdings darüber, was sich daraus ableiten lässt.
Sieben Bilder und eine Einschätzung
Für das präregistrierte Experiment mit 2.091 Erwachsenen in Dänemark waren die Forschungsfragen und geplanten Tests vorab festgehalten worden. Die Befragung lief vom 17. bis 24. Juni 2024. Jede Person sah sieben zufällig ausgewählte Bilder aus einem Vorrat von 52 und schätzte jeweils auf einer Skala von 0 bis 100 ein, wie wahrscheinlich eine KI-Erzeugung sei. Veröffentlicht wurde die Arbeit von Mads Fuglsang Hove und seinem Forschungsteam in Social Media + Society.
Die Motive bezogen sich auf tatsächliche Ereignisse, für die es jeweils ein echtes Foto und eine künstlich erzeugte Fassung gab. So konnte das Wissen, dass ein Ereignis stattgefunden hatte, die Frage nach der Herkunft des Bildes allein noch nicht beantworten. Die Aufgabe war eine schnelle Einschätzung anhand des Bildes, keine ausführliche Recherche.
Was „nahe am Zufallsniveau“ hier bedeutet
Ausgewertet wurden Wahrscheinlichkeitsangaben. Wer bei einem echten Foto „zu 100 Prozent KI“ angab, lag besonders deutlich daneben. Die verwendete Messgröße, der Brier-Score, gewichtet solche sicheren Fehlurteile stärker als vorsichtige Einschätzungen. Das Team verglich die Antworten mit zufällig gewählten Wahrscheinlichkeitswerten und mit einer zweiten Strategie: bei jedem Bild genau 50 Prozent anzugeben, also beide Möglichkeiten offenzulassen.
Gegenüber zufällig gewählten Werten schnitten die Befragten etwas besser ab. Im Durchschnitt wäre die durchgehende Antwort „50 Prozent“ jedoch günstiger gewesen. Daraus eine Trefferquote von 50 Prozent zu machen, wäre falsch: Die Untersuchung zählt hier keine einfachen Ja-Nein-Treffer. Sie bewertet, wie gut die angegebenen Wahrscheinlichkeiten zur tatsächlichen Bildherkunft passen.
Ein Experiment von 2024 beantwortet keine Frage über alle Bilder
Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Bilder und Bedingungen. Sie belegen weder, dass jeder Mensch gleich schlecht abschneidet, noch dass sich jedes KI-Bild gleich schwer erkennen lässt. Vor allem ist das Veröffentlichungsjahr 2026 kein Hinweis darauf, dass aktuelle Bildgeneratoren getestet wurden: Das Experiment fand zwei Jahre früher statt. Auch ob künstliche Bilder politische Überzeugungen verändern, wurde damit nicht gemessen.
Wie du ein verdächtiges Bild sinnvoll prüfst
Für den Alltag empfehlen wir deshalb, beim Absender anzusetzen. Wer hat die Aufnahme veröffentlicht, und führt der Beitrag zur ursprünglichen Quelle? Bei einer behaupteten Katastrophe kannst du zusätzlich nach Berichten zum genannten Ort und Datum suchen. Gibt es eine zuständige Stelle oder eine Redaktion, die das Ereignis mit eigenen Informationen bestätigt? Auch die deutsche Bundesregierung empfiehlt, Absender zu prüfen und weitere Quellen heranzuziehen.
Eine Bilderrückwärtssuche kann helfen, frühere Veröffentlichungen aufzuspüren. Bei Google Lens lässt sich dafür eine Bilddatei hochladen oder eine Bildadresse eingeben. Die Ergebnisse können Webseiten mit demselben oder einem ähnlichen Motiv enthalten. Öffne diese Fundstellen und prüfe deren Zusammenhang: Ein älteres Foto kann echt sein und trotzdem eine falsche aktuelle Geschichte bebildern. Ein erfolgloser Suchlauf beweist umgekehrt keine KI-Erzeugung.
Ein auffälliges Detail kann eine Nachfrage auslösen. Für die Behauptung, eine Aufnahme sei echt oder künstlich, brauchst du belastbare Belege. Bis dahin ist „Herkunft ungeklärt“ eine brauchbare Antwort – und ein guter Grund, ein Bild vorerst nicht als Beweis weiterzugeben. Weitere Prüfansätze findest du in unserem Leitfaden zu KI-Bildern.
Quellen
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