Worum geht es?
Nach dem Hackerangriff auf einen Dienstleister der AfD werden im Netz angebliche interne E-Mails verbreitet. Bei Mimikama treffen erste Anfragen dazu ein.
Was haben wir herausgefunden?
Laut Kölner Stadt-Anzeiger stimmt der Text einer Andreas Keith zugeschriebenen Nachricht offenbar nicht mit dem geleakten Material überein. Wir haben die Originalmail nicht selbst geprüft.
Wo liegt die Gefahr?
Menschen können erfundene Nachrichten für echte Enthüllungen halten. Auch tatsächlich vorhandene Mails können falsch verstanden und mit unbelegten Vorwürfen weiterverbreitet werden.
„Ist diese Mail echt?“ Solche Anfragen erreichen Mimikama bereits zum AfD-Datenleck. Mitgeschickt werden Bilder angeblicher Nachrichten, die schwere Vorwürfe gegen einzelne Personen enthalten. Wer sie teilt, vermittelt häufig den Eindruck, hier sei gerade etwas im gestohlenen Datenbestand entdeckt worden. Ob das gezeigte Schreiben dort überhaupt vorkommt, ist damit noch lange nicht geklärt.
Die AfD hat den Hackerangriff und den Abfluss von Daten aus einigen Postfächern bestätigt. Gerade deshalb können auch erfundene Nachrichten glaubwürdig wirken: Die Geschichte vom Datenleck stimmt, also erscheint der nächste angebliche Fund ebenfalls plausibel. Doch um ein Bild mit dem Hinweis „Aus dem AfD-Leak“ zu verbreiten, muss niemand die Originaldaten besitzen.
Eine angebliche Mail steht bereits unter Fälschungsverdacht
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete am 21. Oktober über eine Andreas Keith zugeschriebene Nachricht mit Holocaustleugnung. Ihr verbreiteter Wortlaut stimmt nach bisherigen Erkenntnissen der Redaktion nicht mit dem geleakten Material überein. Eine Nachricht vom selben Datum betreffe zwar ein Parteiausschlussverfahren, habe aber einen anderen Inhalt. Keith bestreitet, die verbreitete Nachricht verfasst zu haben. Eine eigene Prüfung der Originalmail durch Mimikama steht aus.
Der Fall zeigt, weshalb eine echt aussehende Mailansicht als Beleg nicht ausreicht. Ein tatsächlicher Absender und ein passendes Datum lassen sich mit einem erfundenen Text verbinden. Eine solche Darstellung kann anschließend weitergeschickt werden, bis niemand mehr weiß, wer sie ursprünglich erstellt hat.
Auch echte Mails können falsch verstanden werden
Zusätzliche Fehler können entstehen, wenn Menschen das Archiv ohne sorgfältige Prüfung nach vermeintlichen Skandalen durchsuchen. Ein weitergeleiteter Text wird dann möglicherweise dem Besitzer des Postfachs zugeschrieben. Oder eine KI-Zusammenfassung wird wie ein wörtliches Zitat behandelt. So kann aus einem echten Dokument eine falsche Anschuldigung werden, auch ohne dass jemand die Datei manipuliert.
Wie viele erfundene oder veränderte Nachrichten künftig auftauchen werden, lässt sich derzeit nicht sagen. Ebenso wenig ist eine organisierte Fälschungskampagne belegt. Die bereits verbreiteten Darstellungen sind aber Anlass genug, vor dem Teilen nach der konkreten Originalquelle zu fragen.
Wer eine angebliche Enthüllung erhält, sollte deshalb eine nachvollziehbare Fundstelle verlangen. Für eine belastbare Bewertung braucht es die vollständige Nachricht und ihren Zusammenhang. Fehlt das, sollte der Vorwurf nicht als Tatsache weiterverbreitet werden – auch dann nicht, wenn er zur eigenen politischen Meinung passt. Umgekehrt macht eine gefälschte Nachricht nicht automatisch alle anderen Funde unglaubwürdig. Jeder konkrete Vorwurf muss für sich geprüft werden.
Quellen
Kostenlos · der tägliche Mimikama-Newsletter
Fakten statt Aufregung. Direkt in dein Postfach.
Die wichtigsten Faktenchecks und Meldungen des Vortags – jeden Morgen kostenlos und unabhängig vom Social-Media-Algorithmus.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)
