Der AI Act der Europäischen Union stellt Softwareunternehmen vor eine große Herausforderung. Während das Gesetz die Offenlegung der Trainingsdaten für eine externe Überprüfung vorschreibt, fürchten viele Unternehmen um ihre Geschäftsgeheimnisse und einen möglichen Wettbewerbsnachteil.

Die Geheimhaltung von KI-Trainingsdaten

Matthieu Riouf, CEO des Bildbearbeitungsunternehmens Photoroom, vergleicht die Situation mit einem Kochrezept, bei dem bestimmte geheime Zutaten den Unterschied ausmachen. Die Unternehmen befürchten, dass die Offenlegung ihrer Trainingsdaten Konkurrenten in die Hände spielen könnte.

Der AI Act verlangt jedoch detaillierte Berichte über die zum Training verwendeten Daten. Wie diese Berichte konkret aussehen sollen, ist noch unklar, eine Richtlinie des europäischen KI-Büros wird jedoch für Anfang 2025 erwartet.

Der AI Act und seine Auswirkungen

Ziel des AI Acts ist es, einen Ausgleich zwischen dem Schutz der Geschäftsgeheimnisse von KI-Entwicklern und den Rechten von Inhalteanbietern zu schaffen. Letztere sollen ihre Urheberrechte vor Gericht durchsetzen können. Generative KI, wie sie seit der Einführung von ChatGPT im Fokus steht, nutzt riesige Datenbanken, die oft aus Internetinhalten bestehen. Dies hat bereits zu mehreren Urheberrechtsklagen gegen KI-Entwickler geführt.

Prominente Fälle und ihre Auswirkungen

Ein prominenter Fall ist die Klage von Scarlett Johansson gegen OpenAI. Sie kritisierte, dass die Stimme der neuen ChatGPT-Variante „Sky“ ihrer eigenen auffällig ähnlich sei, obwohl sie ein entsprechendes Angebot abgelehnt hatte. Auch die Verwendung von YouTube-Videos zum Training der Video-KI „Sora“ wurde vom Publikum kritisch betrachtet.

Lizenzvereinbarungen als Übergangslösung?

Mehrere Technologiekonzerne haben inzwischen Lizenzverträge mit verschiedenen Rechteinhabern abgeschlossen, um weitere Urheberrechtsklagen zu vermeiden. Der EU-Parlamentarier Dragos Tudorache betont jedoch, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen. Notwendig seien Transparenzberichte, um die Verwendung geschützter Inhalte im KI-Training nachvollziehbar zu machen.

Lesen Sie auch >   Gehaltskonto soll geändert werden? Schützen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor möglichem Betrug

Bedenken der französischen Regierung

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire warnte auf der Technologiekonferenz Viva in Paris davor, dass Europa bei zu strenger Regulierung den Anschluss an die Entwicklung von KI verlieren könnte. Innovation müsse Vorrang vor Regulierung haben.

Fragen und Antworten

Was ist der AI Act und warum ist er wichtig?
Der AI Act ist ein europäisches Gesetz, das Transparenz und Kontrolle bei der Verwendung von Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz vorschreibt. Ziel ist es, den Missbrauch urheberrechtlich geschützter Inhalte zu verhindern und den Rechteinhabern die Durchsetzung ihrer Ansprüche zu ermöglichen. Die Offenlegung der Daten soll zudem Vertrauen schaffen und die Qualität von KI-Systemen verbessern.

Wie reagieren Unternehmen auf das KI-Gesetz?
Viele Unternehmen sind verunsichert und weigern sich, ihre Trainingsdaten offenzulegen. Sie argumentieren, dass dies ihre Geschäftsgeheimnisse preisgeben und ihnen Wettbewerbsnachteile bringen könnte. Insbesondere innovative Inhaltsstoffe oder Methoden könnten durch Transparenz aufgedeckt und von Konkurrenten kopiert werden.

Welche Rolle spielt Transparenz bei KI-Trainingsdaten?
Transparenz ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die verwendeten Trainingsdaten keine Urheberrechte verletzen. Durch die Offenlegung können Inhalteanbieter überprüfen, ob ihre Werke unerlaubt genutzt werden, und gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten. Dies schützt sowohl die Rechteinhaber als auch die Integrität der KI-Entwicklung.

Welche Maßnahmen haben KI-Unternehmen bereits ergriffen?
Um rechtlichen Auseinandersetzungen vorzubeugen, haben einige Technologiekonzerne Lizenzverträge mit Verlagen, Musiklabels, Online-Plattformen und TV-Sendern abgeschlossen. Diese Verträge sollen die Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte legitimieren und zukünftige Klagen vermeiden.

Wie sieht die Zukunft der KI-Regulierung in Europa aus?
Die europäische KI-Regulierung steht vor der Herausforderung, Innovationen zu fördern und gleichzeitig den Schutz von Urheberrechten zu gewährleisten. Eine zu strenge Regulierung könnte das Innovationspotenzial hemmen, während eine zu lockere Regulierung den Schutz der Rechteinhaber gefährden könnte. Die zukünftigen Richtlinien des Europäischen KI-Büros werden eine Schlüsselrolle spielen, um diesen Balanceakt zu meistern.

Lesen Sie auch >   Fehlinterpretation einer Umfrage: 72 % der Ukrainer für Diplomatie plus Militärschläge

Fazit

Der AI Act könnte die Art und Weise, wie KI-Entwickler ihre Daten nutzen, grundlegend verändern. Die Balance zwischen Innovation und Urheberrechtsschutz bleibt eine Herausforderung. Zukünftige Richtlinien werden zeigen, ob Europa diesen Spagat schafft.

Vergessen Sie nicht, den Mimikama-Newsletter unter https://www.mimikama.org/mimikama-newsletter/ zu abonnieren. Besuchen Sie auch unsere Online-Vorträge und Workshops auf https://www.mimikama.education/online-vortrag-von-mimikama/.

Quelle: derStandard

Hinweise: 1) Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.
2) Einzelne Beiträge entstanden durch den Einsatz von maschineller Hilfe und wurde vor der Publikation gewissenhaft von der Mimikama-Redaktion kontrolliert. (Begründung)