Wenn das Wort „Aluminium“ auf Medikamentenfläschchen steht, triggert das so manchen Verschwörungstheoretiker.
So auch in diesem Fall:

„Dies kriegen die Neugeborenen kurz nach der Geburt, damit das Gehirn gleich eine ordentliche Dröhnung bekommt! Säuglinge haben noch keine intakte Blut-Hirn-Schranke. Aluminium schädigt das Gehirn!“
…so die Beitragserstellerin, welche laut eigener Aussage in den Kommentaren Ärztin ist (was wir allerdings bezweifeln, da man nicht einmal Mediziner sein muss, um das Etikett richtig lesen zu können).
Behauptung: In der Vitamin K-Dosis für Neugeborene befinden sich 100 Mikrogramm Aluminium
Lesen wir doch einfach nochmal genau, was auf dem Etikett steht:
„Contains no more than 100 mcg/L of aluminium.“
Auf Deutsch: „Enthält nicht mehr als 100 Mikrogramm Aluminium pro Liter.“
Eine Dosis, also dieses Fläschchen auf dem Bild, enthält aber nicht einen Liter, sondern1 Milligramm, das sind 0,5 Milliliter.
Also rechnen wir:
1 Liter = 1.000 Milligramm = 1.000.000 Mikrogramm enthalten 100 Mikrogramm Aluminium
Eine Dosis beträgt ein 1 Milligramm = 0.5 Milliliter.
1 Milligramm = 0.5 Milliliter enthält somit 0,05 Mikrogramm, also 0,00005 Milligramm Aluminium.
Warum wird da überhaupt Aluminium beigegeben?
Das wird es nicht, jedenfalls nicht absichtlich. Es ist jedoch so, dass sehr viele Behälter, die für die Herstellung von Pharmazeutika verwendet werden, Alumium enthalten. So kann es vorkommen, dass sich Kleinstbestandteile davon auch in den Medikamenten wiederfinden. Die Regelungen der FDA (Food and Drug Administration) besagen jedoch, dass auf Medikanten hingewiesen werden muss, wenn die Möglichkeit besteht, dass sich kleinste Mengen von Fremdstoffen, eben auch Aluminium, in einem Medikament befinden.
Warum bekommen Neugeborene überhaupt Vitamin K?
„Früher ging das doch auch ohne!“, liest man in manchen Kommentaren.
Stimmt. Das ging. Da war aber die Sterblichkeitsrate von Neugeborenen weitaus höher, denn Vitamin K-Mangel kann bei Neugeborenen fatal enden.
Eine kleine Anzahl (1 von 10.000) Neugeborener leiden von Geburt an an starker Blutungsneigung durch Vitamin K-Mangel. Die zeigt sich dadurch, dass diese Neugeborenen manchmal in den ersten 24 Stunden, manchmal aber auch erst Wochen nach der Geburt schnell zu bluten anfangen oder sich spontan blaue Flecken bilden. Auch zu inneren Blutungen kann es kommen, die natürlich nicht bemerkt werden, die Sterblichkeitsrate bei solchen Babys liegt bei 1:5, bei mehr als der Hälfte kommt es zu Hirnblutungen, welche zu einer bleibenden Behinderung führen können.
Allerdings kann ein Vitamin K-Mangel auch bei Neugeborenen auftreten, die nicht von Geburt an VKDB („vitamin K deficiency bleeding“) erkrankt sind, denn auch eine spätere Vitamin-K-Mangelblutung in den ersten Wochen nach der Geburt kann auftreten, beispielsweise Säuglinge, die gestillt werden und einen Leberschaden aufweisen, wodurch Vitamin K schwerer aufgenommen wird. Stillkinder deshalb, da Muttermilch ohnehin schon weniger Vitamin K enthält als Säuglingsmilch.
Definitiv zusätzliches Vitamin K bekommen deshalb auch Frühgeburten, Babys, die bei der Geburt verletzt wurden, die Atemprobleme hatten, Kaiserschnitte, mit Leberproblemen oder deren Mütter während der Schwangerschaft bestimmte Medikamente nehmen mussten.
Von 100.000 Neugeborenen werden die Leben von 160 Babys definitiv durch die prophylaktische Dosis von Vitamin K gerettet, wurde durch Untersuchungen gezeigt. Ein Schaden entsteht durch diese Dosis nicht.
Behauptung: Säuglinge haben noch keine intakte Blut-Hirn Schranke
Dieser Glauben hielt sich bis ins späte 20. Jahrhundert. Doch seit 1999 ist nachgewiesen, dass Babys bereits vor der Geburt eine funktionelle Blut-Hirn Schranke besitzen.
Fazit
Sowohl die Behauptungen in dem Beitrag als auch die Behauptung auf dem Bild sind definitiv falsch. Zwar ist es möglich, dass eine Vitamin K-Dosis für Neugeborene Aluminium enthält, jedoch in so kleinen Mengen, dass sie schon als homöopathisch bezechnet werden kann.
Die wöchentliche Menge an Aluminium, die für einen Menschen verträglich ist, liegt bei 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Neugeborenen von 3.500 Gramm wären das also 3,5 Milligramm. In jener Dosis befinden sich aber höchstens 0,00005 Milligramm. Das ist deutlich weniger als sich beispielsweise in Babynahrung befindet.
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