Seit mittlerweile einigen Jahren geistert die Geschichte vom “aufgeschobenen Kaffee” durch die Netzwerke. Allein die deutschsprachige Version wurde über 180.000 Mal geteilt.

Mimikama: Wahrheit

Ob diese Geschichte und das Bild sich wirklich so zugetragen haben, wird sich wohl nicht mehr beweisen lassen. Die Story ist gut und plausibel geschrieben, das Bild passt in den Kontext, beides stellt jedoch eine Situation dar, welche lediglich der Autor selbst bestätigen könnte – so er wollte.

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(Screenshot: Facebook, öffentlicher Status)

Was jedoch durchaus belegbar ist: den “aufgeschobenen Kaffee” gibt es! Die Story auf Facebook:

! ! ! Bitte redet mit dem Bäcker und dem Wirt eures Vertrauens bei dem Ihr Stammkunde seid. ! ! !
Ich betrat ein kleines Kaffeehaus mit einem Freund von mir und wir gaben unsere Bestellung auf. Während wir zu unserem Tisch gingen, kamen zwei weitere Personen rein. „Fünf Kaffee bitte, Zwei für uns und drei aufgeschoben“. Sie bezahlten die Rechnung, nahmen die Zwei und gingen. Ich fragte meinen Freund: „Was sind diese „aufgeschobenen“ Kaffees?“
„Warte und siehs selbst“
Mehr Personen kamen ins Kaffeehaus. Zwei Mädchen bestellten jeweils ein Kaffee, bezahlten und gingen wieder. Die nächste Bestellung war für sieben Kaffees von drei Rechtsanwälten – drei für die und vier „aufgeschoben“.
Während ich noch immer darüber rätsel was denn diese „aufgeschobenen“ Kaffees bedeuten, genoss ich das schöne Wetter und die tolle Aussicht auf den Platz vor dem Kaffeehaus.
Plötzlich kam ein Mann in heruntergekommenen Kleidern, der aussah wie ein Bettler, ins Kaffeehaus und fragte höflich: „Haben Sie einen aufgeschobenen Kaffee für mich?“
Es ist ganz einfach, Personen zahlen im Voraus für ein Kaffee der für jemand bestimmt ist der sich kein warmes Getränk leisten kann. Diese Tradition mit dem aufgeschobene Kaffees stammt aus Neapel und hat sich im Laufe der Zeit über die ganze Welt ausgebreitet. An manchen Orten kann man nicht nur aufgeschobene Kaffees bestellen sondern sogar belegte Brötchen oder ganze Mahlzeiten.
Verbreitet die Nachricht, damit so viele Kaffees & Gaststätten wie möglich daran teilnehmen!
Eine echt schöne Idee bei der jetzt kommenden kalten Wetter

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Wahrer Inhalt – Story könnte fingiert sein

Wir müssen an dieser Stelle unterscheiden: den Aktion des aufgeschobenen Kaffees und die Story mit dem Bild auf Facebook. Was man sagen kann: die Geschichte wurde nicht auf Deutsch verfasst, sondern wurde aus dem Englischen übersetzt. Zudem könnte sie auf einem Eintrag aus einem Reiseblogg basieren, welcher aus dem Jahr 2011 stammt und eine sehr ähnliche Geschichte erzählt (siehe blog.accidentaltourist.com). Das Bild mit dem alten Mann taucht dort jedoch nicht auf.

Das Bild jedoch hat rein gar nichts mit der Story um den aufgeschobenen Kaffee zu tun, sondern ist eher als emotionales Trägermedium zu verstehen. Das Bild des alten Mannes stammt aus der Washington Post und gehört zu einer Bilderserie über Obdachlose.

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(Screenshot: Washington Post)

Die Tradition des „caffe sospeso“

Abgesehen von Bild und Text: die Tradition des aufgeschobenen Kaffees, im Original „caffe sospeso“ oder „caffè pagato“, ist eine Tradition, welche aus Neapel stammt und bereits über 100 Jahre alt sein soll.

Die Seite Coffeesharing.com schreibt dazu:

Historischer Fakt, nach dem Krieg haben viele Männer alles verloren und sie konnten sich nicht einmal einen Kaffee leisten. Weil das schwarze heiße Getränk nicht nur ein Genussmittel, sondern eher ein Grundrecht im Leben eines Neapolitaner darstellt, haben es sich die Herren, die es sich noch leisten konnten, angewöhnt für zwei zu bezahlen: einen davon tranken sie selbst, der andere wurde aufgehoben für den Ersten, der sich selbst keinen kaufen konnte, jedoch trotzdem in das Kaffeehaus, Restaurant oder Bar kam. Der Kellner fragt dann: « Wollen Sie einen Kaffee, Sir? », Was bedeutet es gibt einen Kaffee, der schon für Sie bezahlt ist, wenn Sie sich keinen eigenen leisten können.

Ebenso findet man auf dieser Seite eine Liste der Orte/Gastronomien, welche “Coffee Sharing” betreiben. Insofern kann man hier tatsächlich behaupten: ja, es gibt eine globale Bewegung, welche „caffe sospeso“ betreibt.

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Artikel Vorschaubild: Balazs Kovacs Images / Shutterstock


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