Kein Fake: Ausflüge nach Tschernobyl

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Autor: Ralf Nowotny

Ein etwas anderer "Urlaub"

Reine Erholungsurlaube sind zwar angenehm, daheim hat man dann aber nicht wirklich etwas zu erzählen.

Deswegen bieten immer mehr Reiseunternehmen Urlaube an ungewöhnlichen Orten an. Doch dieser „Urlaubsort“ erscheint wohl manchem Nutzer zu ungewöhnlich:

MIMIKAMA
Screenshot: mimikama.org

Solche Ausflüge gibt es tatsächlich!

Ein Unternehmen namens „Chernobyl Tour“ hat sich sogar darauf spezialisiert, unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen Ausflüge in die Sperrzone zu organisieren.
Dabei geht es aber nicht nur um den „Gänsehauteffekt“ beim Betreten des Gebietes, sondern auch darum, für sich selbst die damalige Katastrophe begreiflich zu machen.

Aufgrund des Erfolges der Serie „Chernobyl“ steigen die Besucherzahlen derzeit stark an. Der Macher der Serie, Craig Mazin, bittet jedoch künftige Touristen auch um Respekt:

„Wenn sie die Stätte besuchen, denken Sie bitte daran, dass sich dort eine schreckliche Tragödie ereignet hat. Haben Sie Respekt vor den Menschen, die dort gelitten und sich geopfert haben.“

Sind solche Ausflüge nicht gefährlich?

Die radioaktive Strahlung ist ja dort schließlich immer noch sehr gut messbar, so fragen sich sicher viele, ob es nicht gesundheitsschädlich ist, in die ehemalige „Todeszone“ zu reisen.

Auf Nachfrage der „Berliner Zeitung“ erklärt Sven Dokter, Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit dazu, dass es nicht gefährlich ist, an einer offiziell genehmigten Tour teilzunehmen.
Die Strahlendosis, welcher man als Besucher erhält, liegt unter 0,005 Millisievert. Diese Dosis ist dieselbe, die man auch bei einer zahnmedizinische Röntgenuntersuchung erhält.

Fotos und ein Erlebnisbericht

Unser Leser Florian G. hat uns freundlicherweise Bilder und einen Erfahrungsbericht seines Ausflugs nach Tschernobyl zur Verfügung gestellt.

Sein Erlebnisbericht:

Man versteht die Faszination von verlassenen Orten erst, wenn man wirklich dort war. Ich besuche schon länger „Lost Places“ und interessiere mich für „Dark Tourism“. Ein paar meiner Freunde teilen auch diese Leidenschaft. Deshalb beschlossen wir, im September 2017 den größten verlassenen Ort Europas zu besuchen. Tschernobyl.

Nach 16 Stunden Autofahrt und einer Übernachtung in Polen waren wir dann in Kiew, einer wunderschönen Stadt (wenn man jemanden kennt der dort wohnt und auch mal abseits der Touristenpfade geführt wird)

FFW >> Tag 3 Wir wurden an einem vereinbarten Treffpunkt in einem Shuttlebus abgeholt und unser Guide von „Chernobylwelcome“ begrüßte uns zu unserer zweitägigen Tour mit Übernachtung in der Zone. Ludmilla sprach sehr gut Deutsch, und unsere Sicherheit war ihre größte Sorge. Wir hatten zu 8 eine private Gruppentour gebucht (was ich jeder Gruppe ab 5 oder 6 Leuten empfehlen würde).

Um es kurz zu halten, es war wahnsinnig interessant zu sehen, wie sich die Natur nach und nach ihren Platz wieder zurückholt. Da wir in der Gruppe drei Geigerzähler hatten, wussten wir immer, wann wir uns in einem stärker strahlenden Gebiet befanden. Unser Guide kannte aber die Zone ziemlich ausführlich und wo „Hotspots“ vorhanden waren. Kurz gesagt, ich war dort nie um meine Gesundheit besorgt (ich hab mich aber im Vorhinein auch ein bisschen mit dem Thema Strahlung beschäftigt —> am Wochenende davor, ein bisschen Wikipedia lesen 😉 )

Die Tour ging durch ein paar kleine Dörfer, eine alte Radarstation, Reaktor 4, 5 & 6, Kühltürme, Prypiat (Schwimmbad, Rathaus, ein Restaurant, den bekannten Jahrmarkt, ein paar Wohnhäuser…) und Tschernobyl Stadt.

Fotos gibt es zu all diesen Orten genug, aber man fühlt es erst, wenn man wirklich dort steht.

Zu den unschöneren Dingen, die ich dort gehört oder auch wo anders schon drüber gelesen hatte, gehören leider die Leute, die denken, dass dort Anarchie herrscht. Leute die Videos darüber machen, wie sie im Keller des Krankenhauses von Prypiat (ein Ort an dem der Geigerzähler nur noch „Error“ anzeigt und durchgehend fiept) durch die Gänge Fahrradfahren. Der Keller wurde mittlerweile versiegelt. Oder Leute, die trotz Warnung ihres Guides in Gebäude gehen und dann durch den morschen Holzboden brechen. Mittlerweile ist es verboten, hohe Häuser zu betreten.

Bisher war es weder die Strahlung noch die Natur, die es für Interessierte immer schwerer macht, solche Orte zu „genießen“. Es sind immer Leute, die denken, für sie gelten andere bzw. gar keine Regeln (was übrigens auch das Militär anders sieht, das den Eingang zur Zone bewacht und immer wieder patrouilliert)

Behandele diese Orte mit Respekt, nimm nichts mit und lass nichts zurück. An diese Regeln habe ich mich dort gehalten und hatte einen der interessantesten „Urlaube“ meines Lebens.

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