Bürgergeld: Wer bekommt 43,8 Milliarden Euro?

Alte Zahlen, neue Irreführung – Die 2023 bereits entlarvte Darstellung kursiert erneut und verdreht weiterhin die Fakten.

Die Behauptung

In sozialen Medien wird behauptet, nur 5,3 % der Bürgergeldempfänger seien Deutsche – während beispielsweise 65,6 % der Ukrainer in Deutschland Bürgergeld beziehen würden. Die Gesamtkosten beliefen sich angeblich auf 43,8 Milliarden Euro jährlich.

Falsch

Die Behauptung ist falsch. Bereits 2023 wurde die Grafik als fehlerhaft interpretiert entlarvt. Der genannte Wert von 5,3 % bezog sich nicht auf den Anteil deutscher Bürgergeldempfänger, sondern auf den Anteil der Bürgergeldbezieher unter allen Deutschen. Tatsächlich waren 2023 über die Hälfte der Empfänger deutsche Staatsangehörige – exakt 52,8 %. Die Behauptung basiert auf einer gravierenden Fehlinterpretation offizieller Zahlen aus dem Jahr 2023 und wird nun erneut bewusst ohne Kontext verbreitet.

Kurze Faktenübersicht:

  • Veraltete Zahlen aus 2023: Die kursierende Darstellung wurde bereits vor zwei Jahren als verzerrend entlarvt – sie wird nun erneut ohne Kontext verbreitet.
  • Deutsche Mehrheit unter Empfängern: 2023 waren laut Bundesagentur für Arbeit 52,8 % der Bürgergeldempfänger deutsche Staatsbürger.
  • 5,3 % falsch verstanden: Die 5,3 % bezogen sich auf die Gesamtbevölkerung der Deutschen – nicht auf ihren Anteil unter den Leistungsempfängern.
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Alte Zahlen sorgen erneut für Aufregung – mit altbekannter Irreführung

Was aussieht wie eine neue „Enthüllung“, ist in Wahrheit ein alter Bekannter: Zahlen zum Bürgergeld, die bereits 2023 durch soziale Netzwerke geisterten, erleben derzeit ein Comeback – mit denselben Falschbehauptungen wie damals. Die darin genannten Zahlen und Prozentsätze stützen sich lose auf reale Daten, sind aber aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert.

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Besonders brisant wirkt die Aussage: Nur 5,3 % der Bürgergeldempfänger seien Deutsche.

Screenshot aus sozialen Medien
Screenshot aus sozialen Medien

Diese Zahlen stammen aus einem Artikel der Bild-Zeitung vom 31.07.2023 – sie sind jedoch massiv fehlinterpretiert worden, wie wir bereits in unserem Artikel vom August 2023 aufklärten.

Die ursprüngliche Quelle: Ein Bild-Artikel – falsch verstanden

Der besagte Artikel sprach davon, dass 5,3 % der Deutschen Bürgergeld beziehen – ein Wert, der sich auf die deutsche Gesamtbevölkerung bezieht. Doch in den sozialen Netzwerken wurde daraus die falsche Behauptung: Nur 5,3 % der Bürgergeldempfänger seien Deutsche.

Die tatsächlichen Zahlen laut Bundesagentur für Arbeit (BA) aus dem Jahr 2023 sind eindeutig:
▶️ 52,8 % der Bürgergeldempfänger waren deutsche Staatsangehörige.
Diese Information wurde der Deutschen Presse-Agentur (dpa) auf Nachfrage von der BA bestätigt.

Aktuellere Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass sich der Prozentsatz kaum verändert hat. Im November 2024 waren laut Migrationsmonitor 52,04 % der Bürgergeldempfänger deutsche Staatsangehörige.

Der hohe Anteil bei Ukrainern – erklärbar, aber instrumentalisiert

Ebenfalls enthalten: 65,6 % der Ukrainer in Deutschland bezogen Bürgergeld. Diese Zahl war 2023 korrekt, aber ohne Kontext völlig irreführend. Der Grund lag auf der Hand: Viele ukrainische Geflüchtete kamen direkt aus einem Kriegsgebiet nach Deutschland, standen noch ganz am Anfang ihres Integrationsprozesses und hatten naturgemäß noch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt.

Wie aus Statistik Desinformation wird

Die manipulative Wirkung dieser Zahlen liegt in ihrer Suggestivität: Wer die Grafik sieht, soll glauben, dass Deutsche systematisch vom Bürgergeld ausgeschlossen sind, während Migranten davon überproportional profitieren. Doch der Vergleich ist nicht nur irreführend – er ist sachlich falsch.

Ein Beispiel: Der Anteil der Bürgergeldempfänger unter Deutschen liegt bei 5,3 % – bei Syrern hingegen bei 55,1 %. Doch diese Zahlen beziehen sich auf völlig unterschiedliche Grundgesamtheiten: Bei den Deutschen sind es über 80 Millionen, bei Syrern nur knapp eine Million. Solche Quoten ohne Kontext zu vergleichen, ist statistisch unsinnig und populistisch. Und daran hat sich in den letzten beiden Jahren nichts geändert.

Fazit: Veraltete Zahlen, neue Irreführung

Die wieder aufgetauchte Grafik basiert auf Zahlen von 2023, die damals bereits falsch interpretiert wurden – und sie sind es auch heute. Die Kernaussage, dass Deutsche nur einen winzigen Teil der Bürgergeldempfänger ausmachen, ist faktisch falsch. Auch der hohe Anteil von Geflüchteten erklärt sich durch besondere Lebenslagen und Herausforderungen.
Die erneute Verbreitung dieser Darstellung ist ein klassisches Beispiel für den Missbrauch von Statistik zur Meinungsmanipulation.

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MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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