Faktencheck: Bekommt eine bulgarische Familie 17.000 Euro Bürgergeld?

Was wirklich hinter den hohen Summen steckt – Aufklärung statt Empörung

Die Behauptung

Eine zwölfköpfige, angebliche polizeibekannte Familie aus Bulgarien kassiert bis zu 17.000 Euro Bürgergeld im Monat

Irreführend

Diese Behauptung ist irreführend. Es stimmt, dass einige Großfamilien in Deutschland hohe Sozialleistungen erhalten, aber das Geld besteht aus verschiedenen Bestandteilen. Ein Großteil davon sind Mietkosten, die direkt an den Vermieter gehen, und nicht an die Familie selbst. Der Betrag setzt sich zusammen aus:

  • Regelsatz für Grundbedarfe (z.B. Essen, Kleidung): Der monatliche Betrag liegt bei ca. 563 Euro pro Erwachsenen und 402 Euro pro Kind.
  • Kosten der Unterkunft und Heizung: Besonders in teuren Städten wie Berlin können die Mietkosten für große Wohnungen sehr hoch sein, und dieser Teil des Geldes geht direkt an den Vermieter.
  • Zusätzliche Bedarfe wie Mehrbedarfe (z.B. für Alleinerziehende) oder Kindergeld könnten auch berücksichtigt werden.

Fazit: Die genannte Summe ist möglich, aber sie kommt hauptsächlich durch hohe Mietkosten zustande, nicht durch direkte Zahlungen an die Familie.

📖Wie funktioniert Desinformation im politischen Kontext? Antworten finden Sie im Leitfaden Politische Desinformation.

In sozialen Medien macht die Nachricht die Runde: Eine angeblich polizeibekannte Familie aus Bulgarien soll bis zu 17.000 Euro Bürgergeld pro Monat erhalten haben. Wie setzt sich diese Summe zusammen, und was sind die wahren Hintergründe?

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Vorab, weil wir das immer wieder gefragt werden: „Warum bekommt diese Familie aus Bulgarien überhaupt Unterstützung, und warum bleibt mir von meinem Lohn nur die Hälfte übrig, während andere scheinbar viel Geld erhalten, ohne jemals in Deutschland gearbeitet zu haben?“

Die Antwort:

  1. EU-Recht: Menschen aus EU-Ländern wie Bulgarien haben das Recht, in Deutschland zu leben. Wenn sie hier gemeldet sind und nicht genug verdienen, können sie – wie jeder andere – Bürgergeld beantragen. Das gilt für alle, die Unterstützung brauchen, egal ob sie aus Deutschland oder einem anderen EU-Land kommen.
  2. Warum so hohe Beträge?: Die hohen Summen kommen hauptsächlich durch die Miete zustande. In teuren Städten wie Berlin können Mietkosten für große Familien sehr hoch sein. Dieses Geld geht direkt an den Vermieter, nicht an die Familie.
  3. Gleiches Bürgergeld: Der Lebensunterhalt der Familie ist genauso hoch wie bei deutschen Familien in ähnlichen Situationen. Der Betrag wird nach Anzahl der Familienmitglieder berechnet und deckt Grundbedarfe wie Essen und Kleidung.

Die Familie bekommt nicht mehr als andere Bedürftige in Deutschland. Der größte Teil der Summe fließt in die Miete.


Hintergrund: So setzen sich die 17.000 Euro der bulgarische Familie zusammen

Aktuelle Artikel im Netz über die bulgarische Familie beziehen sich auf eine Bedarfsgemeinschaft, die in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt. Diese hohen Summen entstehen nicht, weil die Familien besonders viel Bürgergeld für ihren persönlichen Lebensunterhalt erhalten, sondern vor allem durch die hohen Unterkunftskosten. Diese Kosten fließen direkt an die Vermieter oder Betreiber der Unterkünfte und nicht an die Familien selbst.

Wir haben eine umfassende Antwort vom Berliner Jobcenter auf unsere Anfrage erhalten und möchten die wichtigsten Punkte hier ergänzen, um den Sachverhalt genauer zu erläutern.

1. Zusammensetzung der Beträge: Die Bundesagentur und das Berliner Jobcenter bestätigten, dass Beträge von bis zu 17.000 Euro monatlich nur in bestimmten Ausnahmefällen vorkommen und nicht die Regel darstellen. Solche hohen Beträge sind meist auf die Unterkunftskosten größerer Bedarfsgemeinschaften zurückzuführen, insbesondere wenn diese in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind.

Die Unterbringungskosten werden oft als Tagespauschalen berechnet und direkt an den Betreiber der Unterkunft gezahlt, nicht an die Familie. Das kann dazu führen, dass die Kosten für eine Gemeinschaftsunterkunft höher ausfallen als die Miete für privaten Wohnraum.

Zusätzlich gibt es die regulären Regelsätze für den Lebensunterhalt, die für Ernährung, Kleidung, Hausrat und ähnliche Grundbedarfe bestimmt sind. Diese Regelsätze sind gesetzlich pauschaliert und gelten für alle Bürgergeld-Empfänger, unabhängig von deren Herkunft.

2. Warum sind die Mietkosten so hoch? Das Jobcenter erklärte, dass es in Berlin derzeit 237 Bedarfsgemeinschaften gibt, die mehr als 10.000 Euro monatlich erhalten (Stand: Mai 2024). Die meisten dieser Fälle betreffen Gemeinschaftsunterkünfte, in denen die Mietkosten als Tagespauschalen berechnet werden, was die Kosten für privaten Wohnraum oft übersteigt.

Die Regelungen zur Angemessenheit der Mietkosten werden von den kommunalen Trägern (in diesem Fall vom Land Berlin) festgelegt. Die sogenannten Ausführungsvorschriften Wohnen (AV Wohnen) bestimmen die Höchstgrenzen für die angemessenen Mietkosten. Das Jobcenter setzt diese Vorgaben nur um und hat keinen Einfluss auf die festgelegten Höchstgrenzen.

3. Überprüfung der Bedürftigkeit: Das Jobcenter betont, dass die Angemessenheit der Unterkunftskosten bei jedem Antrag und bei jeder Verlängerung des Bürgergelds überprüft wird. Sollte festgestellt werden, dass die Mietkosten die festgelegten Grenzwerte überschreiten, folgt in der Regel ein Kostensenkungsverfahren, um die Kosten zu reduzieren. Dies gilt jedoch nicht für Gemeinschaftsunterkünfte, die vom Berliner Bezirksamt zugewiesen wurden – hier gelten, die tatsächlichen Kosten als angemessen.

4. Polizeibekanntheit der Familie: Zu der Frage, ob die Familie polizeibekannt ist, konnte das Jobcenter aufgrund des Sozialdatenschutzes keine genauen Auskünfte geben. Es wurde jedoch bestätigt, dass eine Polizeibekanntheit im Allgemeinen keine Auswirkungen auf den Anspruch auf Bürgergeld hat, solange die üblichen Voraussetzungen (wie Hilfebedürftigkeit und Aufenthalt in Deutschland) erfüllt sind. Sollte sich die Polizeibekanntheit allerdings auf eine Haftstrafe beziehen, entfällt der Anspruch auf Bürgergeld für die Zeit in der Haftanstalt.


1. Unterkunftskosten: Die größte Position der Summe sind die Mietkosten. In Städten wie Berlin oder anderen teuren Ballungszentren können die Mietkosten für Gemeinschaftsunterkünfte besonders hoch ausfallen. Pro Person können die Kosten zwischen 300 und 600 Euro variieren. In besonderen Fällen, bei großen Familien oder teuren Städten, können die Gesamtkosten für eine zwölfköpfige Familie in einer Gemeinschaftsunterkunft auf einen fünfstelligen Betrag ansteigen.

  • Beispielrechnung: 12 Personen x 500 Euro pro Person für die Unterkunft = 6.000 Euro allein für die Miete. Diese Miete wird nicht an die Familie, sondern direkt an den Betreiber der Unterkunft überwiesen​.

2. Regelsätze für den Lebensunterhalt: Zusätzlich zu den Mietkosten erhalten die Familien den normalen Regelsatz für den Lebensunterhalt. Dieser deckt die Kosten für Ernährung, Kleidung und andere Grundbedarfe. Die Höhe der Regelsätze richtet sich nach der Anzahl und dem Alter der Familienmitglieder. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zehn Kindern ergibt sich folgendes Beispiel:

  • Beispielrechnung:
    • 2 Erwachsene x 502 Euro = 1.004 Euro
    • 10 Kinder (durchschnittlich 350 Euro pro Kind) = 3.500 Euro

Das ergibt insgesamt etwa 4.500 Euro für den Lebensunterhalt​.


3. Heiz- und Nebenkosten:

Neben Miete und Regelsätzen werden auch Heiz- und Nebenkosten übernommen. Diese variieren stark je nach Unterkunft und Region, umfassen aber oft mehrere Hundert Euro pro Monat. Bei größeren Familien und in teureren Unterkünften können diese zusätzlichen Kosten die Gesamtsumme noch weiter in Richtung der 17.000 Euro erhöhen. Diese zusätzlichen Kosten werden ebenfalls direkt an die Vermieter oder Unterkunftsbetreiber überwiesen


Wie entstehen solche hohen Summen?

Die Berechnung und Struktur der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II zeigt, wie es zu hohen Summen wie 17.000 Euro pro Monat kommen kann. Dabei gibt es mehrere Berechnungsschritte:

  1. Berechnung von Leistungsansprüchen und Zahlungsansprüchen:
    • Der Gesamtbedarf einer Person oder Bedarfsgemeinschaft setzt sich zusammen aus Regelbedarf (für Dinge wie Ernährung, Kleidung und Körperpflege), den Kosten der Unterkunft (Miete, Heizung) sowie eventuellen Mehrbedarfen (z. B. für Alleinerziehende oder in der Schwangerschaft).
    • Falls Einkommen vorhanden ist, wird dieses angerechnet. Hierbei wird zwischen „verfügbarem“ und „anrechenbarem Einkommen“ unterschieden, wobei bestimmte Freibeträge unberücksichtigt bleiben. Das mindert den Leistungsanspruch.
  2. Mietkosten als wesentlicher Faktor:
    • Ein großer Teil des Bedarfs entfällt auf die Kosten der Unterkunft, vor allem in teuren Städten wie Berlin. Diese Kosten werden direkt an den Vermieter gezahlt, sodass der Familie nicht der gesamte Betrag als frei verfügbares Einkommen bleibt. Die Regelleistung deckt lediglich die Grundbedarfe.
  3. Vertikale Einkommensanrechnung:
    • Einkünfte von Kindern, die mit den Eltern in einer Bedarfsgemeinschaft leben, werden nicht immer auf den Gesamtbedarf der Familie angerechnet. Das Einkommen bleibt teilweise beim Kind.
  4. Hohe Zahlungsansprüche:
    • In Deutschland gibt es 417 Bedarfsgemeinschaften, die monatlich mehr als 10.000 Euro erhalten, 44 sogar über 15.000 Euro und 5 über 20.000 Euro. Diese Summen entstehen durch besonders hohe Mietkosten und Mehrbedarfe, vor allem bei großen Familien in Ballungsräumen.

Reaktionen in sozialen Netzwerken: Emotionen über Fakten

In den sozialen Medien wird oft emotional auf solche Summen reagiert. Viele Nutzer verstehen nicht, dass der Großteil des Geldes direkt für die Unterkunftskosten aufgewendet wird. Die Vorstellung, dass Familien diese Summen komplett als „Taschengeld“ erhalten, ist falsch. Ein Großteil der Empörung basiert auf Missverständnissen über das Sozialsystem und die Funktionsweise der Bürgergeldzahlungen.

„Wie geht das? Dachte es gibt pro erwachsene Person nur 563 Euro und Kinder max. 402? Wären maximal 6.500 Euro und Miete bei 12 Personen so 1.700-1.800 Euro. Ich komme da auf 8.300 Euro oder so.“

Faktencheck:
Die Berechnung des Kommentators ist korrekt für den Regelsatz des Bürgergeldes, allerdings wird der Hauptanteil der Gesamtsumme durch Mietkosten verursacht. In Ballungszentren wie Berlin sind die Kosten für Unterkünfte erheblich höher, und bei einer großen Familie summieren sich diese schnell. Der größte Teil der 17.000 Euro besteht aus Mietkosten, die direkt an den Vermieter überwiesen werden. Das erklärt, warum der Bürgergeldbetrag so hoch ist.


„Kriegen die noch Kindergeld? Wären ja auch so 2.500 Euro zusätzlich.“

Faktencheck:
Ja, Familien erhalten zusätzlich zum Bürgergeld auch Kindergeld. Das Kindergeld wird allerdings auf den Bürgergeldanspruch angerechnet, d. h., es mindert den Leistungsanspruch und erhöht nicht die Gesamtsumme. Die Familie erhält also keine „zusätzlichen“ 2.500 Euro, sondern das Kindergeld wird mit den übrigen Leistungen verrechnet.


„Und es wird nicht die einzige Familie sein, die es kassiert. Dafür arbeiten wir doch gerne bis 75 und bekommen in Zukunft ein Rentenniveau von 41 %.“

Faktencheck:
Solche hohen Beträge sind selten, aber kommen vor. Laut der Bundesagentur für Arbeit beziehen rund 417 Bedarfsgemeinschaften in Deutschland mehr als 10.000 Euro pro Monat an Bürgergeld, hauptsächlich aufgrund hoher Mietkosten. Das Problem des sinkenden Rentenniveaus ist ein separates Thema und steht in keinem direkten Zusammenhang mit den Bürgergeldzahlungen.


„Die lachen uns doch alle aus.“

Faktencheck:
Die Regelungen des Bürgergeldes zielen darauf ab, das Existenzminimum zu sichern. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Bürgergeldempfänger die Gesellschaft „auslachen“. Die hohen Beträge entstehen durch steigende Mietkosten, insbesondere in Ballungsräumen, und sind Teil des gesetzlichen Rahmens für Sozialleistungen.


„Was für einen Job muss man haben, um das zu verdienen? Ist das noch gerecht?“

Faktencheck:
Es handelt sich hier nicht um ein Einkommen im herkömmlichen Sinn. Der Betrag wird durch den Bedarf der Familie bestimmt, einschließlich Mietkosten, Regelbedarf für den Lebensunterhalt, Heizung und weiteren Bedarfen. Die Familie bekommt also keine „Zahlung“ für eine Leistung, sondern erhält Unterstützung zur Sicherung des Existenzminimums. Der Vergleich mit einem Gehalt ist daher irreführend.


„Ausweisen und null Zahlungen. Politisches Versagen.“

Faktencheck:
Als EU-Bürger hat die Familie das Recht, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Sozialleistungen wie das Bürgergeld sind für bedürftige Personen gesetzlich vorgesehen, unabhängig von ihrer Herkunft innerhalb der EU. Eine Ausweisung aufgrund von Sozialleistungen ist weder rechtlich zulässig noch Teil des deutschen oder europäischen Rechtssystems.


„Das darf doch nicht wahr sein. Da muss man sich nicht wundern, dass die AfD so viel Erfolg hat.“

Faktencheck:
Die Verärgerung über hohe Sozialleistungen wird oft politisch instrumentalisiert. Tatsächlich sind solche Fälle selten und betreffen Familien mit besonderen Umständen, wie hohe Mietkosten in Großstädten. Es gibt strikte Regeln, wie das Bürgergeld berechnet wird, und die Mehrheit der Empfänger erhält deutlich niedrigere Beträge.


„Deutschland ist das einzige Land, wo man mit Geld belohnt wird, wenn man faul und/oder straffällig ist!“

Faktencheck:
Das Bürgergeld dient zur Sicherung des Existenzminimums und wird unabhängig vom strafrechtlichen Status der Empfänger gezahlt. In Deutschland wie in vielen anderen Ländern gibt es Sozialleistungen für Menschen, die nicht genug Einkommen haben. Der Vorwurf der „Belohnung für Faulheit“ entbehrt einer sachlichen Grundlage, da die Auszahlung auf Bedürftigkeit und nicht auf dem Verhalten basiert.


„Warum bekommen sie 17.000 Euro Bürgergeld, das ist doch viel zu viel, da hat ja jeder 1.000 Euro zur Verfügung.“

Faktencheck:
Der Betrag setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, hauptsächlich aus den Kosten für Unterkunft und Heizung, die in Ballungszentren sehr hoch sein können. Der Regelsatz für den Lebensunterhalt beträgt für Erwachsene rund 563 Euro pro Monat, und die restliche Summe fließt in die Miete und Nebenkosten. Das bedeutet, dass die Familie nicht 1.000 Euro „pro Person“ zur Verfügung hat.


„Und Rentner sammeln Pfandflaschen…“

Faktencheck:
Die Situation von Rentnern, die Pfandflaschen sammeln, ist ein soziales Problem, das getrennt vom Bürgergeld und der Grundsicherung betrachtet werden muss. Die Rentenpolitik und die Verteilung von Sozialleistungen basieren auf unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen. Die Höhe des Bürgergeldes richtet sich nach den Lebenshaltungskosten und Mietpreisen, während Rentner von einem anderen System betroffen sind.


„Grün und SPD wirkt. Man darf nicht denken, was die Ukrainer unberechtigterweise an Arbeitslosengeld abkassieren, weil die nie was eingezahlt haben.“

Faktencheck:
Geflüchtete aus der Ukraine haben Anspruch auf Grundsicherungsleistungen, weil sie nach dem Aufenthaltsrecht in Deutschland als schutzbedürftig gelten. Sie müssen, wie andere Bürgergeldempfänger auch, bestimmte Kriterien erfüllen. Der Vorwurf, dass „nie etwas eingezahlt“ wurde, übersieht den rechtlichen Rahmen, der für alle geflüchteten Menschen gilt, die in Deutschland Schutz suchen.


„Dieses System, diese Politik, dieses Land ist sowas von fertig. Vom Lohn bleibt die Hälfte über, und andererseits stecken sich Leute, die noch nie in Deutschland was geleistet haben, die Taschen voll.“

Faktencheck:
Das Bürgergeld wird nur an Menschen gezahlt, die nach einer Bedürftigkeitsprüfung als hilfsbedürftig eingestuft werden. Die Leistungen sind gesetzlich geregelt und basieren auf der Sicherstellung des Existenzminimums, nicht auf der Frage, wer „geleistet“ hat. Die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland verfolgen das Ziel, Armut zu bekämpfen und allen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.


„Deutschland schafft sich ab.“

Faktencheck:
Diese Behauptung basiert auf der Annahme, dass hohe Sozialleistungen die Gesellschaft destabilisieren. Tatsächlich ist das Bürgergeld Teil eines Systems, das soziale Sicherheit gewährleisten soll. Das Sozialsystem Deutschlands ist darauf ausgelegt, Notlagen zu verhindern, und hohe Mietkosten in Ballungsräumen können zu größeren Summen führen, die gezahlt werden müssen.


„Kriegen die noch Kindergeld? Wären ja auch so 2.500 Euro zusätzlich.“

Faktencheck:
Ja, die Familie könnte zusätzlich Kindergeld bekommen. Allerdings wird dieses Kindergeld auf den Bürgergeldbetrag angerechnet und erhöht nicht den Gesamtbetrag, der aus Sozialleistungen besteht. Es dient also nicht als zusätzliche Einkommensquelle.


„Die lachen uns doch alle aus.“

Faktencheck:
Es gibt keinen Beweis, dass Bürgergeldempfänger die Gesellschaft „auslachen“. Die Sozialleistungen sind gesetzlich festgelegt und werden nach klaren Regeln vergeben, um bedürftigen Personen zu helfen. Es ist eine Fehlwahrnehmung, dass Empfänger absichtlich das System „ausnutzen“, da die Leistungen durch strenge Prüfverfahren genehmigt werden.


„Was für einen Job muss man haben, um das zu verdienen? Ist das noch gerecht?“

Faktencheck:
Die 17.000 Euro sind kein „Verdienst“, sondern bestehen zu einem Großteil aus den hohen Mietkosten, die das Jobcenter direkt an die Vermieter überweist. Der Restbetrag deckt die Grundbedürfnisse wie Lebensmittel und Kleidung ab. Ein Vergleich mit einem Arbeitseinkommen ist irreführend, da es sich hier um das Existenzminimum handelt.


„Ausweisen und null Zahlungen. Politisches Versagen.“

Faktencheck:
Die Familie stammt aus Bulgarien, einem EU-Land. Als EU-Bürger haben sie das Recht, sich in Deutschland aufzuhalten und Sozialleistungen zu beziehen, wenn sie bedürftig sind. Eine Ausweisung aufgrund des Bezugs von Sozialleistungen ist in Deutschland rechtlich nicht möglich.


„Das wird nicht gut gehen! Ein Grund, warum es einen Rechtsruck gibt.“

Faktencheck:
Solche hohen Beträge betreffen nur einen sehr kleinen Prozentsatz von Bedarfsgemeinschaften, die in besonders teuren Wohngegenden leben oder große Familien haben. Ein Rechtsruck aufgrund von Einzelfällen wäre eine Überreaktion, da diese Fälle durch gesetzliche Rahmenbedingungen geregelt sind.


„Deutschland ist das einzige Land, wo man mit Geld belohnt wird, wenn man faul oder straffällig ist.“

Faktencheck:
Das Bürgergeld basiert auf dem Prinzip der Bedürftigkeit und wird unabhängig von moralischen Wertungen ausgezahlt. Es gibt auch in anderen Ländern soziale Sicherungssysteme, die Menschen in Not unterstützen. Der Vorwurf der „Belohnung“ entbehrt einer fundierten Grundlage.


„Wieso bekommen sie 17.000 Euro Bürgergeld? Da hat ja jeder 1.000 Euro zur Verfügung.“

Faktencheck:
Die hohen Beträge entstehen hauptsächlich durch Mietkosten und nicht durch den Betrag, der den einzelnen Personen direkt zur Verfügung steht. Jeder Erwachsene erhält etwa 563 Euro und Kinder erhalten einen niedrigeren Satz. Der Rest geht in die Unterkunftskosten.


„Und Rentner sammeln Pfandflaschen…“

Faktencheck:
Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Bürgergeld und der finanziellen Situation von Rentnern. Beide Systeme sind durch unterschiedliche Gesetze geregelt. Bürgergeld ist eine Leistung, die denjenigen zusteht, die keine ausreichenden Mittel zum Leben haben. Rentner erhalten ihre Unterstützung durch das Rentensystem, das ebenfalls verbessert werden müsste.


„Grün und SPD wirkt. Was die Ukrainer an Arbeitslosengeld kassieren, weil sie nie eingezahlt haben.“

Faktencheck:
Geflüchtete aus der Ukraine haben Anspruch auf Grundsicherungsleistungen, wenn sie bedürftig sind. Dies ist gesetzlich geregelt, unabhängig von einer vorherigen Einzahlung in das Sozialsystem. Die Zahlungen basieren auf dem Existenzminimum, das jedem Menschen in Not zusteht.


„Dieses Land ist das einzige, wo solche Summen bezahlt werden.“

Faktencheck:
Viele europäische Länder haben ähnliche Sozialhilfesysteme. In Deutschland sind solche hohen Zahlungen nicht die Regel, sondern entstehen hauptsächlich in Großstädten mit extrem hohen Mietkosten. Das Bürgergeld-System ist darauf ausgelegt, Existenzsicherung zu gewährleisten.


„Für das eigene Volk bleibt nichts übrig.“

Faktencheck:
Der Sozialstaat ist darauf ausgelegt, allen Menschen in Deutschland zu helfen, die bedürftig sind, unabhängig von ihrer Herkunft. Deutsche Bürger erhalten dieselben Leistungen wie andere EU-Bürger. Der Vorwurf, dass „nichts übrig bleibt“, ist nicht korrekt, da die Ressourcen des Sozialstaats nach dem Bedarf verteilt werden.


„Es wird immer schlimmer, was hier abgeht.“

Faktencheck:
Die Auszahlung von hohen Beträgen ist kein Zeichen für Missbrauch oder Verschlechterung des Systems, sondern eine Folge der hohen Lebenshaltungskosten in bestimmten Gebieten. Die Mehrheit der Bürgergeldempfänger erhält weitaus niedrigere Summen.


„Die haben bestimmt einen dicken Benz vor der Tür.“

Faktencheck:
Ein solches Vorurteil ist weit verbreitet, entbehrt jedoch einer fundierten Grundlage. Bürgergeld wird nach einer strengen Bedürftigkeitsprüfung vergeben. Wenn eine Familie ein wertvolles Auto besitzt, könnte dies den Leistungsanspruch mindern oder verhindern.


„Willkommen in Bananistan! Wo Fremde mehr bekommen als das eigene Volk.“

Faktencheck:
Diese Behauptung, dass Ausländer im deutschen Sozialsystem bevorzugt behandelt werden, ist falsch. In Deutschland gibt es keinen rechtlichen Unterschied bei der Berechnung von Sozialleistungen zwischen deutschen und ausländischen Bürgergeldempfängern, sofern die ausländischen Bürger innerhalb der EU oder mit einem rechtmäßigen Aufenthaltsstatus in Deutschland leben. Der Anspruch auf Bürgergeld hängt von der Bedürftigkeit ab, nicht von der Nationalität.


„Was ist das für ein erfundener Betrag? Um Aufruhr zu erzeugen? Das SGB II gibt solche Summen gar nicht her.“

Faktencheck:
Der Betrag von 17.000 Euro erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich hoch, ist jedoch möglich in speziellen Fällen wie bei großen Bedarfsgemeinschaften. Die Summe setzt sich aus den regulären Zahlungen für den Lebensunterhalt und besonders hohen Mietkosten in teuren Städten zusammen, insbesondere bei Familien, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Solche Beträge werden tatsächlich durch das SGB II gedeckt, aber die Miete geht direkt an den Vermieter, nicht an die Familie.


„Sowas kann hier immer und immer wieder berichtet werden. Es wird sich trotzdem nix ändern. Wer straffällig wird, Bürgergeld streichen und ab in die Heimat schicken.“

Faktencheck:
Das Bürgergeld ist eine Sozialleistung, die zur Existenzsicherung dient und unabhängig von strafrechtlichen Vergehen gezahlt wird, solange der Anspruch auf Bedürftigkeit besteht. Die Rechtslage in Deutschland sieht keine automatische Streichung von Sozialleistungen bei kriminellem Verhalten vor. Abschiebungen finden in bestimmten Fällen statt, aber es gibt hohe rechtliche Hürden, besonders bei EU-Bürgern.


„Die typischen Bild-Hetze: Große hetzerische Überschrift und dann den eigentlichen Artikel hinter der Bezahlschranke verstecken.“

Faktencheck:
Während die Bild-Zeitung oft provokante Schlagzeilen verwendet, die Aufmerksamkeit erregen sollen, ist die Information zur Herkunft und Höhe der Zahlungen durch den entsprechenden Bild-Bericht und durch Aussagen der Behörden bestätigt. Die Summen basieren auf der statistischen Auswertung von Bedarfsgemeinschaften, wie sie von der Bundesagentur für Arbeit angegeben wurden. Es bleibt aber wichtig, die tatsächlichen Fakten hinter den Schlagzeilen zu überprüfen.


„Und wir sollen bis 70 arbeiten.“

Faktencheck:
Die Diskussion um das Rentenalter und Sozialleistungen sind getrennte Themen. Das Bürgergeld ist eine Sozialleistung für erwerbsfähige Bedürftige, während das Rentenalter von der demografischen Entwicklung und der Finanzierung des Rentensystems abhängt. Eine Verlängerung des Rentenalters wird nicht durch höhere Sozialleistungen verursacht, sondern durch eine alternde Bevölkerung und die sinkende Zahl von Erwerbstätigen.

Warum so viele negative Reaktionen auf Berichte wie jenen der Familie aus Bulgarien?

  1. Missverständnisse: Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass die Familie das gesamte Geld selbst bekommt. Tatsächlich geht der Großteil des Geldes an den Vermieter für die Unterkunft.
  2. Frust über soziale Ungerechtigkeit: Menschen, die hart arbeiten, fühlen sich oft benachteiligt, wenn sie sehen, dass andere scheinbar mehr Unterstützung erhalten. Das führt zu dem Gefühl, dass das System unfair ist.
  3. Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit: Wenn berichtet wird, dass es sich um eine ausländische Familie handelt, werden oft Vorurteile und Ängste vor „Sozialbetrug“ durch Migranten geschürt.
  4. Polizeibekanntheit: Dass die Familie als „polizeibekannt“ beschrieben wird, verstärkt die negativen Emotionen. Der Begriff wird oft missverstanden oder missinterpretiert. Nur weil jemand „polizeibekannt“ ist, bedeutet das nicht, dass er aktuell kriminell ist oder eine Verurteilung vorliegt. Häufig löst der Begriff jedoch negative Reaktionen aus, da er von vielen Menschen automatisch mit Kriminalität in Verbindung gebracht wird.
  5. Generelle Skepsis gegenüber Migranten: Viele Menschen haben die Sorge, dass Migranten das Sozialsystem ausnutzen, was solche Berichte weiter anfeuern.

Die Wut und Frustration entstehen oft aus Missverständnissen, Vorurteilen und dem Gefühl von Ungerechtigkeit.


Faktencheck: Bekommt eine bulgarische Familie 17.000 Euro Bürgergeld? – mimikama.org

Warum dieser Faktencheck so wichtig ist:

Manche Leser werden sich ärgern und sagen: „Schon wieder verteidigt ihr Ausländer, die unser Sozialsystem ausnutzen!“ – Das ist nicht der Punkt. Unser Ziel ist es, Missverständnisse aufzuklären und die Fakten zu erklären. Viele fühlen sich durch Berichte über hohe Sozialleistungen für Migranten ungerecht behandelt. Aber oft beruhen diese Emotionen auf falschen Annahmen oder unvollständigen Informationen.

Warum man sich oft irrt:

  • Nicht das ganze Geld geht an die Familie: Es ist verständlich, dass die Summe von 17.000 Euro schockiert. Aber der Großteil dieses Geldes fließt an die Vermieter und nicht an die Familie selbst. Was die Familie wirklich erhält, ist der normale Regelsatz für den Lebensunterhalt, wie jede bedürftige Familie in Deutschland – egal ob deutsch oder aus einem anderen EU-Land.
  • Gleiches Recht für alle: Menschen aus EU-Ländern wie Bulgarien haben das gleiche Recht auf Sozialleistungen, wenn sie in Deutschland leben und bedürftig sind. Das basiert auf EU-Gesetzen und gilt für alle Bürger, unabhängig von ihrer Herkunft.

Wir verteidigen keine „Ausnutzung des Systems“, sondern möchten die Fakten klarstellen. Nur mit genauen Informationen kann man Missverständnisse beseitigen und sachlich diskutieren – ohne Vorurteile und falsche Vorstellungen.


Fazit:

Die Berichte über 17.000 Euro Bürgergeld sind korrekt, doch die genauen Hintergründe zeigen, dass diese Summen vor allem durch hohe Mietkosten entstehen. Es ist wichtig, sich über die Zusammensetzung dieser Zahlungen zu informieren, bevor man voreilige Schlüsse zieht. Die Familie selbst erhält nur den regulären Satz für ihren Lebensunterhalt, und der Großteil der Zahlungen fließt direkt an die Vermieter.


Quellen:

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