Die Behauptung
Friedrich Merz habe während einer Rede von Alice Weidel dazwischengerufen und sie beleidigt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner habe ihn deshalb aus dem Saal geworfen.
Aufgestellt von: Viral verbreitetes Social-Media-Video
Faktencheck: Falsch
Falsch. Die vermeintliche Szene wurde aus verschiedenen Bundestagssitzungen zusammengeschnitten. Klöckners Aufforderung, den Saal zu verlassen, galt der Linken-Abgeordneten Cansın Köktürk. Eine weitere verwendete Ermahnung richtete Klöckner an Alice Weidel. Im offiziellen Protokoll der verwendeten Weidel-Rede vom 11. Juni 2026 ist kein entsprechender Zwischenruf von Friedrich Merz vermerkt.
Die angebliche Szene ist eine Montage aus verschiedenen Bundestagssitzungen. Besonders deutlich wird das bei den Sätzen von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner: Sie wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten und gegenüber unterschiedlichen Abgeordneten ausgesprochen.
Gleich zu Beginn des viralen Videos hört man Klöckner sagen: „Dann würde ich Sie bitten, die Sitzung zu verlassen, bitte.“ Dieser Satz hatte mit Friedrich Merz nichts zu tun. Klöckner richtete ihn am 4. Juni 2025 an die Linken-Abgeordnete Cansın Köktürk. Köktürk trug im Plenarsaal ein Oberteil mit der Aufschrift „Palestine“. Nachdem sie einer Aufforderung zum Wechseln des Kleidungsstücks nicht nachkam, sollte sie den Saal verlassen.
Auch der danach verwendete Klöckner-Satz stammt aus einem anderen Zusammenhang. Am 9. Juli 2025 sprach der damalige Unionsfraktionschef Jens Spahn im Bundestag. Alice Weidel rief während seiner Rede mehrfach dazwischen. Im offiziellen Plenarprotokoll ist dokumentiert, wie Klöckner sie daraufhin ermahnte: „Frau Dr. Weidel, die AfD hat noch Redezeit. Sie können das alles zusammenfassen, nachher. Jetzt hat der Redner hier das Wort.“ Als Weidel widersprach, ergänzte Klöckner, dass sie andernfalls den Saal verlassen könne. Die Warnung galt also Weidel – Merz wurde hier nicht hinausgeworfen.
Die im viralen Video verwendete Rede Weidels stammt aus der Bundestagsdebatte vom 11. Juni 2026. Das stenografische Protokoll führt während ihrer Rede zahlreiche Zwischenrufe von Abgeordneten verschiedener Fraktionen auf. Friedrich Merz ist dabei nicht als Zwischenrufer vermerkt. Nach Weidels Rede übernimmt Klöckner wieder die Sitzungsleitung und erteilt dem nächsten Redner das Wort. Ein Rauswurf des Bundeskanzlers findet nicht statt.
Auch eine zusätzliche Aussage des Videos zu Merz‘ Umfragewerten gibt die zugrunde liegende Erhebung falsch wieder. Bei einer Insa-Umfrage antworteten 78 Prozent mit Nein auf die Frage, ob Friedrich Merz „noch der richtige Bundeskanzler“ sei. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass „zwei Drittel ihn nie wieder als Kanzler“ wollten – nach einem „nie wieder“ wurde gar nicht gefragt.
Quellen
Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/83 – Sitzung vom 11. Juni 2026, 11.06.2026
Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/17 – Sitzung vom 9. Juli 2025, 09.07.2025
Deutscher Bundestag: Rede von Alice Weidel in der 83. Sitzung, 11.06.2026
ZDFheute: Klöckner verweist Linken-Abgeordnete wegen Palästina-Shirt, 04.06.2025
WELT: Insa-Umfrage zu Friedrich Merz, 12.09.2026
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