Die Behauptung
Ein Video zeigt eine Frau, die Briefwahlunterlagen für den Hamburger Wahlkreis 18 öffnet und Stimmzettel mit Stimmen für die AfD schreddert.
Aufgestellt von: Unbekannt
Falsch
Das Video ist gestellt und zeigt keine echten Briefwahlunterlagen. Laut Hamburger Wahlleiter handelt es sich um eine eindeutige Fälschung – mehrere Details entlarven die Unterlagen als nicht authentisch.
Die Fakten im Überblick:
- Unechte Wahlunterlagen: Die im Video gezeigten Briefwahlunterlagen weichen optisch und formal deutlich von den offiziellen Unterlagen ab.
- Wahlmanipulation ausgeschlossen: Briefwahlumschläge dürfen erst am Wahltag geöffnet werden – ein solcher Vorfall hätte massive Konsequenzen.
- Desinformationskampagne: Es gibt Hinweise auf eine russische Einflussnahme – pro-russische Accounts verbreiteten das Video gezielt.
Update vom 21. August 2026: Der bereits 2025 widerlegte Fake mit angeblich geschredderten AfD-Briefwahlstimmen kursiert erneut. Seit dem 21. Juli 2026 wird das alte Video in der Facebook-Gruppe „AfD unterstützen, um somit unsere Heimat Deutschland zu erhalten“ verbreitet. An der Bewertung hat sich nichts geändert: Die gezeigten Wahlunterlagen sind gefälscht. Deutsche Sicherheitsbehörden hatten bereits 2025 Hinweise auf russische Einflussnahme gesehen. Daraus folgt allerdings nicht, dass auch die aktuelle Weiterverbreitung 2026 von Russland gesteuert wird.
Inszenierter Skandal: Wie gefälschte Wahlunterlagen für Aufregung sorgen sollen
Mitten im hitzigen Vorwahlkampf zur Bundestagswahl 2025 schlägt ein Video hohe Wellen: Eine Frau öffnet Briefwahlunterlagen, sortiert Stimmzettel aus, auf denen die AfD gewählt wurde, und schreddert sie – ein vermeintlicher Beweis für massiven Wahlbetrug. Auf X und Telegram verbreitet sich der Clip wie ein Lauffeuer, begleitet von empörten Kommentaren wie „Was wählen, wenn betrogen wird?“ von bekannten Desinformationsakteuren wie Daniel Gugger. Doch so dramatisch die Szenen wirken – sie sind durch und durch inszeniert.
Gefälschte Wahlunterlagen aufgeflogen
Der Hamburger Landeswahlleiter reagierte prompt und stellte klar: Die im Video gezeigten Unterlagen sind gefälscht. Mehrere auffällige Details entlarven das Video als plumpe Manipulation:
- Farbabweichungen: Der rote Wahlbriefumschlag im Video hat eine falsche Farbe und unterscheidet sich deutlich vom Original.
- Falsche Faltung: Der gezeigte Stimmzettel ist nach innen gefaltet – offiziell ist er nach außen gefaltet.
- Falsche Umschläge: Die Lasche des weißen Stimmzettelumschlags ist abgerundet, während sie im Original eckig ist.
- Schlampige Verarbeitung: Die Umschläge im Video sind nur punktuell verklebt, während die echten Stimmzettel durchgehend verschlossen sind.
Oliver Rudolf, Landeswahlleiter in Hamburg, betont: „Anhand verschiedener äußerer Merkmale ist offensichtlich, dass es sich bei den im Video gezeigten Unterlagen nicht um amtliche Briefwahlunterlagen handelt.“ Der Staatsschutz ermittelt bereits.
Bekanntes Muster: Russische Einflussnahme?
Das Video fügt sich nahtlos in bekannte Desinformationsstrategien ein. Laut CORRECTIV sind die Verbreitungsmuster verdächtig: Pro-russische Profile haben den Clip gezielt geteilt, ähnlich wie bei früheren Falschmeldungen. Bereits im Januar deckte CORRECTIV das Netzwerk „Storm-1516“ auf, das hinter einer Welle gefälschter Nachrichtenportale steckte, die gezielt den deutschen Wahlkampf manipulieren sollten.
Auch in den USA schlug „Storm-1516“ im Oktober 2024 zu – dort verbreiteten sie ein fast identisches Video, das angeblich zeigt, wie Briefwahlstimmen für Donald Trump vernichtet werden. Das Ziel ist klar: Das Vertrauen in demokratische Prozesse soll untergraben werden.
Was solche Fakes so gefährlich macht
Solche Videos bedienen gezielt das Narrativ „Wahlbetrug gegen unliebsame Parteien“ – vor allem AfD-Anhänger greifen solche Narrative gerne auf. Die emotionale Wirkung der Bilder ist enorm, selbst wenn die Fälschung schnell entlarvt wird. Es bleibt der giftige Eindruck: „Vielleicht ist doch was dran?“ Und genau das nährt das Misstrauen in die Demokratie.
Fazit zum Wahlbetrugsvideo
Das angebliche Schreddern von AfD-Stimmen in Hamburg ist frei erfunden. Das Video ist ein klarer Fall von Desinformation, unterstützt von mutmaßlich pro-russischen Netzwerken. Solche Fälschungen sind nicht nur plump, sondern gefährlich – sie säen Misstrauen, spalten die Gesellschaft und untergraben demokratische Wahlen.
Quelle: correctiv
Das CORRECTIV-Team hinter der Recherche: Max Bernhard, Alice Echtermann, redigiert durch Paulina Thom, Sarah Thust
Dies ist eine Recherche des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Das Redaktionsteam steht für investigativen Journalismus und recherchiert zu strukturellen Missständen in der Gesellschaft. Mehr unter CORRECTIV | Recherchen für die Gesellschaft
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