Die Behauptung
Ein Artikel vom 30. Juni 2025 behauptet, eine Studie zeige, dass geimpfte Frauen deutlich seltener lebend geborene Kinder bekämen als ungeimpfte. Die Impfung gegen das Coronavirus habe demnach einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit.
Aufgestellt von: Unbekannt
Faktencheck: Falsch
Die Schlagzeile ist reißerisch, doch die Faktenlage ist eindeutig: Es gibt keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen der Impfung gegen das Coronavirus und einer verminderten Fruchtbarkeit bei Frauen oder Männern. Die zitierte Studie ist methodisch unzulänglich, liefert keine belastbaren Beweise und widerspricht dem aktuellen Stand der Forschung. Wer mit solchen Aussagen Angst vor Impfungen schürt, gefährdet die Gesundheit von Schwangeren und Ungeborenen – und das ohne jeden Beleg.
Kurze Faktenübersicht:
Die Verunsicherung ist groß, doch die Datenlage ist eindeutig.
- Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Impfungen gegen das Coronavirus Unfruchtbarkeit verursachen.
- Die zitierte Studie ist vorläufig, methodisch schwach und widersprüchlich.
- Fachgesellschaften und Institute wie das RKI und die WHO empfehlen die Impfung auch für Schwangere.
- Eine Übersichtsarbeit mit internationalen Daten zeigt keinen Unterschied bei den Geburtenraten von geimpften und ungeimpften Frauen.
Was steckt hinter dieser Schlagzeile? Eine reißerische Überschrift ohne Halt.
Die Behauptung „Geimpfte Frauen bekommen viel seltener lebend geborene Kinder als ungeimpfte“ basiert offenbar auf einem Missverständnis oder einer absichtlichen Verdrehung des Bezugs zu einer tschechischen Vorab-Studie. In dieser Vorabveröffentlichung wurden die Geburtenraten von geimpften Frauen mit denen von ungeimpften Frauen verglichen. Der Artikel vom 30. Juni 2025 übernimmt den vermeintlichen Befund in alarmistischer Sprache, lässt jedoch den wichtigsten Teil weg: Die Studienautoren selbst warnen nämlich ausdrücklich davor, aus ihren Daten kausale Schlüsse zu ziehen.
Das ist entscheidend. Schon in der Einleitung des Papers steht, dass es sich um vorläufige Ergebnisse ohne Aussagekraft über Ursache und Wirkung handelt. Es geht also nicht um einen bewiesenen Effekt der Impfung, sondern lediglich um statistische Unterschiede ohne überprüfte Ursachen.
Ein weiteres Problem ist, dass die Studie keine zentralen medizinischen Faktoren nennt. Es fehlen Angaben zum Alter der Mütter, zu deren Gesundheitszustand, zu möglichen Vorerkrankungen, zu Schwangerschaftskomplikationen oder zu medizinischen Interventionen. All das sind entscheidende Faktoren, wenn es um eine Lebendgeburt geht – und genau diese fehlen. Wer auf Basis dieser Daten eine generelle Gefährdung durch Impfungen behauptet, verdreht somit bewusst die Realität.
Wissenschaftliche Einordnung: Es gibt keine Hinweise auf einen Einfluss der Impfung.
Prof. Dr. Bettina Toth, Leiterin der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Innsbruck, hat gemeinsam mit Kolleg:innen eine umfassende Übersichtsarbeit durchgeführt. Ihr Urteil ist eindeutig: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die Corona-Impfung die Fruchtbarkeit beeinflusst – weder bei Frauen noch bei Männern.
Die von Toth ausgewertete internationale Datenlage bestätigt dies. Es gibt keine Reduktion der Lebendgeburtenrate bei geimpften Frauen. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass sich die Schwangerschaftsraten bei geimpften und ungeimpften Frauen nicht unterscheiden. Auch die Rate von Fehlgeburten ist in beiden Gruppen vergleichbar niedrig.
Auf seiner Webseite führt das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland mehrere internationale Studien auf, die unabhängig voneinander zum selben Ergebnis kommen. Es gibt keinen Hinweis auf Unfruchtbarkeit durch Corona-Impfungen. Diese Einschätzung wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Paul-Ehrlich-Institut und dem Nationalen Impfgremium Österreichs geteilt.
Die Schwächen der Studie: Was nicht drinsteht, sagt alles.
Die zitierte tschechische Studie ist kein Beweis, sondern ein klassisches Beispiel für Daten ohne Kontext. Es handelt sich um eine retrospektive Analyse, bei der verschiedene Kohorten verglichen wurden, ohne dass entscheidende Unterschiede kontrolliert wurden. In der medizinischen Forschung ist das ein massives Problem, denn Faktoren wie Alter, Lebensstil, Vorerkrankungen, sozioökonomische Lage und Schwangerschaftskomplikationen können das Ergebnis maßgeblich beeinflussen.
Noch schwerwiegender ist, dass die genaue Zahl der Impfdosen, der verwendete Impfstoff und der Zeitpunkt der Impfung nicht dokumentiert sind. Das macht es unmöglich, irgendeine Art von Zusammenhang zur Fruchtbarkeit herzustellen. Selbst die Studienautoren räumen ein, dass „multiple unkontrollierte Störvariablen” das Ergebnis beeinflussen könnten. Dies ist eine deutliche Einschränkung, die in der reißerischen Berichterstattung jedoch ignoriert wurde.
Es handelt sich also nicht um eine neue Erkenntnis, sondern um eine methodisch schwache Datenanalyse mit vielen offenen Fragen. In den sozialen Medien wird sie dennoch zur gezielten Verunsicherung genutzt. Der Kontext wird ignoriert, Schwächen verschwiegen und Warnungen überlesen.
Klare Positionen von Expert:innen und Institutionen
Die klare Haltung medizinischer Fachgesellschaften spricht eine andere Sprache als die kursierenden Behauptungen. Sowohl das Robert Koch-Institut als auch das Paul-Ehrlich-Institut erklären in ihren offiziellen Stellungnahmen, dass es keine Hinweise auf einen negativen Einfluss der Impfung auf die Fruchtbarkeit oder den Verlauf von Schwangerschaften gibt.
Das österreichische Nationale Impfgremium empfiehlt die Impfung gegen Corona sogar ausdrücklich für Schwangere. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Impfung nachteilige Wirkungen auf Schwangerschaft oder Geburt habe. Im Gegenteil: Eine Corona-Infektion während der Schwangerschaft kann mit schweren Komplikationen verbunden sein – von Frühgeburten bis hin zu schweren Verläufen bei der Mutter.
Medizinische Daten zeigen: Die Impfung schützt nicht nur die Mutter, sondern reduziert auch das Risiko schwerer Verläufe beim Kind. Diese Schutzwirkung ist gut dokumentiert – im Gegensatz zu den Behauptungen über Unfruchtbarkeit.
FAQ: Häufige Fragen zu Impfung und Fruchtbarkeit
Beeinträchtigt die Corona-Impfung die Fruchtbarkeit von Frauen?
Nein, es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Schwangerschaftsraten bei geimpften und ungeimpften Frauen gleich sind. Die Befürchtung beruht auf Gerüchten und fehlerhaften Interpretationen.
Gibt es Studien, die einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit zeigen?
Nein, zumindest keine belastbaren. Einzelne Studien mit methodischen Schwächen behaupten zwar Korrelationen, jedoch ohne kausalen Zusammenhang. In jedem Fall widersprechen diese den gut dokumentierten Daten großer Untersuchungen.
Kann die Impfung während der Schwangerschaft dem Kind schaden?
Nein. Im Gegenteil: Schwangere haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe von Corona. Die Impfung schützt sowohl Mutter als auch Kind. Es gibt keine Hinweise auf negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes.
Was sagen Gesundheitsbehörden zur Impfung und Fruchtbarkeit?
Alle großen Institutionen – RKI, WHO, CDC und Paul-Ehrlich-Institut – erklären eindeutig, dass die Impfung keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat. Die Impfung wird sogar ausdrücklich empfohlen, insbesondere für Schwangere.
Warum verbreiten Menschen solche Falschbehauptungen?
Aus unterschiedlichen Gründen: Angst, Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen oder gezielte Desinformation. Besonders in den sozialen Netzwerken werden wissenschaftlich komplexe Themen oft stark vereinfacht und verzerrt dargestellt.
Fazit: Diese Behauptung ist gefährlich und falsch.
Wer behauptet, die Impfung gegen das Coronavirus mache Frauen unfruchtbar, verbreitet eine gefährliche Lüge. Die Faktenlage ist eindeutig: Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise auf negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit oder die Schwangerschaft. Die zitierte Studie ist methodisch schwach, ihre Ergebnisse sind vorläufig und unvollständig. Seriöse Studien kommen zu dem eindeutigen Schluss, dass die Impfung sicher ist – auch für Frauen mit Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft.
Diese Form der gezielten Irreführung spielt mit den Ängsten junger Familien und kann dazu führen, dass sich Frauen aus unbegründeter Angst nicht impfen lassen. Dadurch bringen sie sich und ihre ungeborenen Kinder unnötig in Gefahr. Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die nächsten Generationen.
Quelle: DPA
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