Deutsche Regierung plant keine Kilometersteuer

Ein angeblicher Beschluss von Kanzler Merz sorgt auf Tiktok für Aufregung. Tatsächlich existiert weder eine solche Steuer noch eine offizielle Ankündigung.

Die Behauptung

Ab Dezember 2025 sollen Autofahrerinnen und Autofahrer acht Cent pro gefahrenem Kilometer zahlen müssen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Verkehrsminister Volker Wissing hätten das gemeinsam vorgestellt.

Aufgestellt von: mehrere Tiktok-Videos vom 14. Oktober 2025

Falsch

Die Bundesregierung bestätigt: Es gibt keine Kilometersteuer und keine Pläne in diese Richtung. Auch die angebliche Pressekonferenz hat nie stattgefunden. Der in den Videos genannte Verkehrsminister ist zudem nicht im Amt – aktuell führt Patrick Schnieder (CDU) das Verkehrsministerium.

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Analyse – Die Faktenlage

Die kursierenden Clips sind ein Beispiel dafür, wie leicht politische Desinformation wirkt: neutrale Bilder, computergenerierte Sprecherstimme, dazu scheinbar konkrete Zahlen. So entsteht der Eindruck einer offiziellen Mitteilung.

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Screenshot eines fraglichen Videos auf TikTok; Deutsche Regierung plant keine Kilometersteuer
Screenshot eines fraglichen Videos auf TikTok

Eine Anfrage beim Bundespresseamt ergab, dass kein Gesetzesvorhaben oder Beschluss zur Kilometerbesteuerung existiert. Weder in den Reden des Kanzlers noch in öffentlichen Regierungsdokumenten findet sich ein Hinweis darauf.

Die in den Videos genannten „acht Cent pro Kilometer“ tauchen ausschließlich in diesen Beiträgen auf. Tatsächlich beschloss die Regierung zuletzt eine Erhöhung der Pendlerpauschale auf 38 Cent pro Kilometer – ein klarer Widerspruch zur angeblichen Steuer.

Der Name Wissing ist ebenfalls veraltet: Er war bis 2025 Verkehrsminister in der vorherigen Regierung, nicht in der aktuellen.

Wirkung & Mechanismus

Die Masche funktioniert, weil sie an reale Sorgen andockt. Spritpreise, Abgaben, Inflation – da klingt eine „neue Steuer“ plausibel.
Die vermeintliche Konkretheit („acht Cent“, „Bußgeld bis 5000 Euro“) verstärkt das Gefühl, hier müsse etwas dran sein. So verbreitet sich Empörung schneller als jede Korrektur.

Viele solcher Profile nennen sich „Satire“, sind aber auf Aufmerksamkeit ausgerichtet – nicht auf Humor. Der Schaden bleibt: Misstrauen gegenüber Politik und Medien wächst, obwohl die Meldung erfunden ist.

Fazit

Die angebliche Kilometersteuer existiert nicht.
Sie wurde ausgedacht, um Reichweite zu erzeugen und Ärger zu schüren. Wer genauer hinsieht, erkennt sofort: keine Quelle, keine Pressekonferenz, keine Fakten – nur Empörung in Dauerschleife.

Faktenbarometer

🟥 Manipulativ
Das Narrativ ist frei erfunden und nutzt Angst vor höheren Kosten, um Klicks zu generieren. Es existieren keine Belege für eine Kilometersteuer.

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