Die Behauptung
Friedrich Merz erklärte, dass Deutschland während einer Dunkelflaute – einer Phase mit wenig Wind und kaum Sonnenschein – Strompreise von bis zu einem Euro pro Kilowattstunde erlebte. Seine Aussage suggeriert, dass solche Preise über Wochen hinweg die Regel waren und sowohl Industriekunden als auch private Haushalte davon betroffen waren.
Irreführend
Die Behauptung über Preise von einem Euro pro Kilowattstunde ist stark übertrieben. Solche Preisspitzen treten nur selten auf, betreffen ausschließlich den Börsenstrompreis und haben kaum Einfluss auf die Endverbraucherpreise. Tatsächlich lag der durchschnittliche Strompreis für private Haushalte stabil bei rund 41,02 Cent pro Kilowattstunde.
Kurze Faktenübersicht:
- Extrempreise von 1 Euro pro kWh betreffen den Börsenstrompreis und kommen nur selten vor.
- Der durchschnittliche Börsenstrompreis lag 2023 bei etwa 9,5 Cent pro kWh.
- Endverbraucherpreise sind stabil bei rund 41,02 Cent pro kWh.
- Langfristige Stromverträge und staatliche Regelungen schützen Haushalte vor Preisschwankungen.
Wie sehen die Fakten aus?
Die Realität sieht anders aus. Der von Merz genannte Preis von einem Euro bezieht sich auf den Börsenstrompreis. Dieser unterliegt in Ausnahmefällen tatsächlich extremen Schwankungen, etwa wenn Angebot und Nachfrage kurzfristig aus dem Gleichgewicht geraten. Solche Spitzenpreise sind aber selten und haben kaum Einfluss auf die Endverbraucherpreise.
Für die Verbraucher ist der sogenannte Durchschnittspreis relevant, der auf einem breiten Mix von Faktoren beruht. Aktuelle Daten zeigen, dass der durchschnittliche Börsenpreis für Strom im Jahr 2023 bei rund 9,5 Cent pro Kilowattstunde lag. Auch in den Jahren zuvor bewegte sich dieser Wert in einem moderaten Rahmen, beispielsweise im Jahr 2020 bei 23,5 Cent.
Wichtig zu betonen: Die Endverbraucher zahlen diese Preise nicht direkt. Die Stromversorger kalkulieren ihre Tarife langfristig und gleichen Schwankungen aus. Der Durchschnittspreis für private Haushalte in Deutschland liegt bei etwa 41,02 Cent pro Kilowattstunde.
Wie wurde geprüft?
Zur Überprüfung der Aussage wurden Daten von Energieverbänden und der Leipziger Strombörse (EEX) herangezogen. Die Börsenpreise für Strom unterliegen natürlichen Schwankungen, z.B. durch Witterungseinflüsse oder saisonale Nachfragespitzen. Diese Werte sind jedoch nur für Industriekunden oder spezialisierte Händler relevant. Die Verbraucherpreise hängen von weiteren Faktoren wie staatlichen Abgaben, Netzentgelten und Steuern ab.
Zusätzlich wurde die Häufigkeit solcher Preisspitzen analysiert. Die Daten zeigen, dass Spitzenpreise von einem Euro pro Kilowattstunde nur für wenige Minuten oder Stunden auftreten und keinesfalls über mehrere Wochen anhalten.
Warum ist das wichtig?
Falsch dargestellte Energiepreise können die Bevölkerung verunsichern. Die Stromversorgung in Deutschland ist trotz Herausforderungen wie der Energiewende und steigender Kosten stabil. Missverständnisse über Preisschwankungen können politische Debatten unnötig emotionalisieren und das Vertrauen in den Energiemarkt beeinträchtigen.
Gerade in Zeiten der Transformation hin zu erneuerbaren Energien ist eine sachliche Diskussion entscheidend, um realistische Erwartungen und Vertrauen in die Versorgungssicherheit zu schaffen.
Fazit zu Dunkelflaute und Strompreisen
Die Behauptung von Friedrich Merz über mehrwöchige Blackouts und Strompreise von bis zu einem Euro pro Kilowattstunde erweist sich als stark übertrieben. Zwar gibt es an der Strombörse gelegentlich solche Spitzenpreise, sie haben aber kaum Einfluss auf die Verbraucherpreise. Der durchschnittliche Strompreis liegt stabil bei rund 41,02 Cent pro Kilowattstunde.
Quellen: de-statis, Bundesnetzagentur, FFE
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