Essen im Ausnahmezustand: 11.000 feiern, das Netz tobt

11.000 Menschen feiern den Sturz von Assad – und bringen die Innenstadt von Essen zum Stillstand. Verständnis vor Ort, Empörung im Netz.

Die Behauptung

Rund 11.000 Demonstranten blockierten Straßen und verursachten Chaos in Essen, um den Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad zu feiern.

Aufgestellt von: Social Media

Faktencheck: Wahr

Vor Ort zeigten viele Essener Verständnis für die Versammlung, die weitgehend friedlich verlief, trotz Verkehrsbehinderungen. Die Online-Reaktionen hingegen fielen überwiegend negativ aus, oft mit fremdenfeindlicher Rhetorik.

Kurze Faktenübersicht:

  • Was geschah: 11.000 Menschen feierten den Sturz Assads in Essen.
  • Konsequenzen: Massive Verkehrsbehinderungen; Weihnachtsmarktbesucher und Fußballfans betroffen.
  • Reaktionen: Vor Ort Verständnis, im Netz Empörung – teils sachlich, teils fremdenfeindlich.
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Essen: Feiern und Frust in der Weihnachtszeit

1. Der Vorfall: Jubel für den Sturz von Assad

Am 8. Dezember wurde die Essener Innenstadt von einer unerwartet großen Versammlung geprägt. Etwa 11.000 Menschen versammelten sich spontan, um den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu feiern.

Geplant war ursprünglich eine Demonstration mit 300 Teilnehmern. Doch die Zahl explodierte – mit Autokorsos, Fahnen und Jubelstimmung zogen die Demonstranten durch die Straßen. Der Weihnachtsmarkt wurde unfreiwillig zum Hintergrund dieser politischen Versammlung.

2. Polizeieinsatz und Chaos in der Innenstadt

Die Polizei Essen war mit Hundertschaften im Einsatz, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Trotz einzelner Verstöße, wie Pyrotechnik und Schreckschüssen, blieb die Veranstaltung weitgehend friedlich.

Das Verkehrschaos hingegen war erheblich. Besucher des Weihnachtsmarkts und Fans des Drittligaspiels Rot-Weiß Essen gegen 1860 München waren gleichermaßen betroffen. Einige Shuttlebusse mussten umgeleitet werden, da der Hauptbahnhof nicht angefahren werden konnte.

3. Reaktionen vor Ort und im Netz: Zwei Welten prallen aufeinander

Während viele Essener Verständnis für die Feierlichkeiten zeigten, sorgte das Ereignis im Netz für Wellen der Empörung. Ein Kommentar aus der Region bringt es auf den Punkt:

„Ich komme aus der Gegend und kann euch sagen, ihr hier im Netz regt euch darüber schlimmer auf, als die Bevölkerung vor Ort. Dort hat man mit denen Verständnis gezeigt. Also haltet die Kirche im Dorf.“

Im Internet hingegen dominierten kritische und fremdenfeindliche Kommentare. Aussagen wie „Respektlos dem Gastgeberland gegenüber“ oder „Warum ausgerechnet auf einem Weihnachtsmarkt?“ zeigen die angespannte Stimmung. Andere vergriffen sich deutlich im Ton und verbreiteten Hasskommentare, die das Ereignis für politische Hetze nutzten.

4. Eine gespaltene Gesellschaft: Protest oder Provokation?

Das Ereignis wirft Fragen auf: War die Wahl des Weihnachtsmarkts als Ort der Versammlung taktlos oder ein bewusstes Statement? Die Demonstranten selbst wollten offenbar ihre Freude über den politischen Triumph ausdrücken, ohne eine Provokation zu beabsichtigen. Doch die Störung öffentlicher Plätze in der Weihnachtszeit wurde von vielen als respektlos wahrgenommen.

5. Der Vorwurf: „Allahu akbar“-Rufe – ein Missverständnis?

In sozialen Medien kursiert die Behauptung, dass während der Demonstration in Essen immer wieder der Ausruf „Allahu akbar“ zu hören gewesen sei. Wir haben das Video mehrmals analysiert und konnten keine eindeutigen Hinweise auf solche Rufe feststellen.

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Mehr Informationen

Dennoch möchten wir die Gelegenheit nutzen, die Bedeutung und den oft missverstandenen Kontext dieses Ausdrucks zu erklären.

Was bedeutet „Allahu akbar“ wirklich?
Der Ausdruck „Allahu akbar“ stammt aus dem Arabischen und geht auf das Verb kabbara zurück, das „preisen“, „rühmen“ oder „verherrlichen“ bedeutet. Er wird oft mit „Allah ist der Größte“ oder „Allah ist groß“ übersetzt. Eine präzisere Übersetzung wäre jedoch „Allah ist größer“ – eine Aussage, die betont, dass nichts über Gott steht.

Der Ausdruck hat eine tiefe Bedeutung für Muslime. Er erinnert an das Verhältnis zwischen Allah und dem Menschen: Allah steht über allem und ist größer als jede weltliche Angelegenheit. „Allahu akbar“ ist ein fester Bestandteil des islamischen Gebets und wird auch in Alltagssituationen verwendet, um Freude, Staunen oder Dankbarkeit auszudrücken.

„Allahu akbar“ als Chiffre für Gewalt?
Leider wurde der Ausdruck von extremistischen Gruppen missbraucht, die ihn vor oder während Gewalttaten nutzen. In den Medien wird er daher oft mit Terror und Gewalt in Verbindung gebracht, was seine ursprüngliche spirituelle Bedeutung verzerrt. Dieser Missbrauch hat dazu geführt, dass der Ausdruck als Chiffre für Gewalt wahrgenommen wird, obwohl er im Alltag von Millionen gläubiger Muslime völlig friedlich verwendet wird.

Der Mediendiskurs:
Im öffentlichen Diskurs wird die religiöse und kulturelle Bedeutung von „Allahu akbar“ oft ausgeblendet. Stattdessen wird der Ausdruck fast ausschließlich mit extremistischen Handlungen assoziiert, was nicht nur ein falsches Bild vermittelt, sondern auch zu einer pauschalen Diskreditierung muslimischer Gemeinschaften beiträgt.

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen der religiösen Bedeutung und der missbräuchlichen Verwendung durch Extremisten zu verstehen. Nur so können wir Vorurteile abbauen und zu einem sachlichen Diskurs beitragen. Im Fall der Essener Demonstration bleibt festzuhalten, dass die Behauptung von „Allahu akbar“-Rufen unbelegt ist.

Fazit zum Thema Feiern in Essen

Der Vorfall zeigt, wie politische Ereignisse in der Ferne das gesellschaftliche Klima in Deutschland beeinflussen können. Während die Veranstaltung laut Polizei friedlich blieb, spaltete sie die Meinungen – zwischen Verständnis vor Ort und harscher Kritik im Netz.

Quelle: POL-E: Essen: Versammlung zur aktuellen Lage in Syrien – Etwa 11.000 Teilnehmer in der Innenstadt

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