EU will Kohlensäure in Getränken verbieten? Ein absurder Fake sorgt für Aufregung

Falschmeldung kursiert: Angebliches Verbot von Kohlensäure in Limonade, Bier und Wasser ab 2027

Die Behauptung

Laut einem Screenshot soll die EU-Kommission beschlossen haben, zur Reduzierung von CO₂ ab 2027 Kohlensäure in Getränken zu verbieten. Verstöße sollen mit bis zu 50.000 € pro Liter geahndet werden.

Aufgestellt von: Soziale Medien

Falsch

Falsch. Die EU plant kein Verbot von Kohlensäure in Getränken. Weder im Klimaprogramm „Fit für 55“ noch in sonstigen Beschlüssen ist ein solcher Schritt vorgesehen. Die Behauptung basiert auf einem offensichtlich manipulierten Bild, das keinerlei Bezug zur Realität hat.

Kurze Faktenübersicht:

  • Kein offizielles EU-Dokument sieht ein Kohlensäure-Verbot vor
  • „Fit für 55“ betrifft Emissionen aus Energie, Industrie, Verkehr, nicht Getränke
  • Die angeblich eingesparten 400 Mio. Tonnen CO₂ sind physikalisch unmöglich
  • Die genannte Strafe von 50.000 €/Liter ist frei erfunden und rechtswidrig
📖Wie funktioniert Desinformation im politischen Kontext? Antworten finden Sie im Leitfaden Politische Desinformation.

Wie der Kohlensäure-Fake entstand, und warum er gefährlich ist

Ein Bild mit Ursula von der Leyen, eine EU-Flagge im Hintergrund, ein vermeintlicher offizieller Pressetext, auf den ersten Blick wirkt alles täuschend echt. Doch wer genau hinsieht, erkennt die Masche: Falsche Rechtschreibung, absurde Inhalte und keinerlei Quellenangabe.

Solche Desinformationskampagnen werden gezielt in sozialen Netzwerken verbreitet, um EU-Politik ins Lächerliche zu ziehen. Das Thema „Kohlensäureverbot“ ist dabei so absurd, dass es wahlweise für Empörung oder Lacher sorgt, beides sorgt für maximale Reichweite. Und genau darum geht es.

Screenshot, der in sozialen Medien kursiert
Screenshot, der in sozialen Medien kursiert

Faktencheck: Warum das Bild sofort als Fälschung auffällt

Keine offizielle EU-Meldung
Die Überschrift „Presseraum“ entspricht der deutschsprachigen Ausgabe des „Press corners“ auf der offiziellen Webseite der EU-Kommission. Auch die Gestaltung mit EU-Flagge im Headerbereich und einem Pressebild von Ursula von der Leyen ist vertraut. Allerdings gibt es keine solche Meldung auf der Seite, was darauf schließen lässt, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Screenshot handelt, der mit einem frei erfundenen Text (sic!) bestückt wurde:

„Europa Kommision verbietet Kohlensäure in Limonaden, Bier und Mineralwasser ab 2027
Um die Einsparung von rund 400 Millionen Tonnen CO2 jährlich voran zu treiben, hat die EU-Kommission unter dem Programm „FITfür55“ dem Verbot von Kohlensäure in Getränken zugestimmt. Bei verstößen sind Strafen von bis zu 50.000€ pro Liter möglich“

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Orthografie entlarvt den Fake
Ein besonders peinlicher Hinweis auf die Fälschung: Die Schreibweise „Kommision“ ist schlichtweg falsch, korrekt wäre „Kommission“. Solche Fehler sind in offiziellen Mitteilungen unvorstellbar und weisen klar auf die mangelnde Seriosität der Quelle hin.

Inhaltlich absurd und haltlos
Das Programm „Fit für 55“ hat keinerlei Bezug zu Getränken oder Kohlensäure. Es ist ein energie- und industriepolitisches Maßnahmenpaket. Die angebliche Einsparung von 400 Millionen Tonnen CO₂ durch das Weglassen von Sprudelwasser ist völlig realitätsfern.

Kein CO₂-Killer: Warum Kohlensäure in Getränken irrelevant für die Klimabilanz ist

Die Vorstellung, durch ein Verbot von Sprudelwasser mehrere hundert Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr einzusparen, ist physikalischer Nonsens. Eine handelsübliche Dose Cola enthält etwa 2 bis 3 Gramm CO₂. Selbst wenn ganz Europa auf stilles Wasser umsteigen würde, läge die CO₂-Einsparung im Bereich von Promillewerten, und damit meilenweit entfernt von den kolportierten Zahlen.

Zum Vergleich: Der gesamte CO₂-Ausstoß der EU lag 2022 bei etwa 2,7 Milliarden Tonnen. 400 Millionen Tonnen davon durch Getränkesprudel einzusparen, ist schlichtweg nicht möglich.

Kein Bestandteil von „Fit für 55“: Was das Klimapaket wirklich regelt

Das Klimapaket „Fit für 55“ ist ein zentrales Projekt der EU zur Reduktion der Treibhausgasemissionen um 55 % bis 2030. Die Maßnahmen betreffen u. a.:

  • den Emissionshandel (ETS)
  • die CO₂-Grenzausgleichssteuer (CBAM)
  • den Ausbau erneuerbarer Energien
  • strengere Standards für Fahrzeuge
  • energieeffiziente Gebäude

Nirgendwo wird dort über Getränke oder Lebensmittel gesprochen, schon gar nicht über ein Verbot von Kohlensäure.

Offizielle Quelle: EU-Kommission, Fit for 55

Warum eine Strafe von 50.000 € pro Liter Unsinn ist

Juristisch betrachtet ist die genannte Strafandrohung von 50.000 € pro Liter völlig aus der Luft gegriffen. Kein EU-Mitgliedstaat hat derartige Pauschalstrafen für Konsumgüter vorgesehen. Es gibt keine EU-Verordnung, die eine solche Buße regelt, und auch keine gesetzliche Grundlage für eine Mengenstrafe nach Volumen eines Getränks.

Viel wahrscheinlicher: Die Zahl wurde absichtlich übertrieben, um Empörung zu schüren und die Glaubwürdigkeit der EU zu untergraben.

FAQ: Fragen zur angeblichen Kohlensäure-Regelung

Hat die EU wirklich ein Verbot von Kohlensäure in Getränken beschlossen?

Nein. Es gibt keinerlei offizielle EU-Beschlüsse, die ein solches Verbot vorsehen. Die Meldung ist frei erfunden.

Was ist das Programm „Fit für 55“ überhaupt?

„Fit für 55“ ist ein Klimapaket der EU zur Reduktion von Treibhausgasen bis 2030. Es betrifft Bereiche wie Industrie, Verkehr, Energie, nicht aber Lebensmittel oder Getränke.

Ist es möglich, mit dem Verzicht auf Sprudel-Getränke CO₂ einzusparen?

Nur in sehr geringem Maße. Die enthaltene CO₂-Menge in Getränken ist verschwindend gering. Ein nennenswerter Klimaschutzeffekt wäre nicht messbar.

Was steckt hinter solchen Fake-Bildern?

Oft handelt es sich um Satire, politische Manipulation oder bewusste Desinformation, um EU-Skepsis zu verstärken oder Reichweite zu erzielen.

Wie erkenne ich Falschmeldungen zu EU-Themen?

Achte auf die Quelle, Schreibfehler, unrealistische Zahlen, fehlende Links zu offiziellen Seiten und überprüfe Meldungen bei seriösen Faktencheck-Portalen wie Mimikama, Correctiv oder den offiziellen Webseiten der EU selbst.

Fazit

Ein Verbot von Kohlensäure in Getränken durch die EU ist frei erfunden. Das EU-Programm „Fit für 55“ bezieht sich auf Industrie, Verkehr und Energiepolitik, nicht auf Cola, Bier oder Sprudelwasser.

Die Bildmontage, die derzeit im Netz kursiert, ist eine klassische Desinformationskampagne, gespickt mit erfundenen Zahlen, falschen Zitaten und realitätsfremden Strafen. Wer solche Inhalte teilt, verbreitet gefährlichen Unsinn und trägt zur Verunsicherung bei.

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MIMIKAMA · FAKTENCHECK

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