Facebook hat es nicht einfach: Das Durchschnittsalter der Nutzer rutscht immer höher, die Meta-Aktie schwächelt, und Apps wie das sehr erfolgreiche TikTok sind alleine schon von den Download-Zahlen her beliebter als die „Plattform für alte Leute“ (ja, das hab ich wortwörtlich so gesagt bekommen). Nun soll laut einem internen Memo vom Ende April Facebook bald jünger wirken, indem es sich mehr TikTok angleicht.
Das interne Memo
Der Seite „The Verge“ liegt ein internes Memo vor, in dem der für Facebook zuständige Meta-Manager Tom Alison einen Plan für künftige Änderungen an der Plattform offenlegt:
Anstatt Posts von Konten, denen die Nutzer folgen, zu bevorzugen, wird der Facebook-Haupt-Feed wie TikTok damit beginnen, Posts zu empfehlen, unabhängig davon, woher sie stammen. Und Jahre nach der Trennung von Messenger und Facebook als separate Apps werden die beiden wieder zusammengeführt und die Messaging-Funktionalität von TikTok nachgeahmt.
Instagram hat bereits seinen Fokus auf sogenannte Reels geändert, nun hoffen die Verantwortlichen, dass ähnliche Änderungen bei Facebook möglicherweise wieder junge Menschen auf die Plattform locken wird. Meta sieht TikTok als zunehmende Bedrohung für das eigene soziale Netzwerk, weshalb beispielsweise die Einführung einer speziellen Registerkarte zum Ansehen von Videos von Freunden in den Fokus rückt.
Wie das „neue Facebook“ aussehen soll
- Der Haupt-Tab wird eine Mischung aus Stories und Reels am oberen Rand sein
- Darunter folgen Post, die die sogenannte „Discovery Engine“ von Facebook und Instagram empfiehlt
- Der Messenger-Posteingang kommt oben rechts in die App
Die Trennung von Facebook und Messenger wird also nach acht Jahren wieder rückgängig gemacht. Zudem wird man wieder weniger Post und Empfehlungen von Freunden sehen, dafür mehr Posts, die aufgrund des eigenen Nutzerverhaltens und der Popularität von einem Algorithmus empfohlen werden.
Ausweg aus extremen Blasen? Zweifelhaft!
Da bisher zumeist Empfehlungen und Beiträge von Freunden angezeigt wurden, entwickelten sich Meinungsblasen: Viele Nutzer bekamen beispielsweise dadurch nur noch Beiträge und Artikel von politisch extremen Richtungen angezeigt, eine objektive Meinungsbildung war dadurch kaum noch möglich.
Der neue Algorithmus soll dem nun entgegenwirken, doch die Beschreibung lässt daran zweifeln: Wenn der Algorithmus ähnliche Videos und Beiträge empfiehlt, bedeutet dies, dass er auch mehr extremere, also beispielsweise rassistische oder hetzende Beiträge und Videos zeigt – nur dann halt nicht von Freunden, sondern von Fremden, was eine solche Meinungsblase eher verstärkt.
Man darf also gespannt sein, ob und wann diese Änderungen eingeführt werden… und ob sie den von Facebook erhofften Erfolg bringen.
Artikelbild: Unsplash
Weitere Quellen: The Verge, t-online, heise
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