Derzeit werden betrügerische ORF-Mails verbreitet, die gezielt wie offizielle Nachrichten des Österreichischen Rundfunks und des Radiosenders FM4 gestaltet sind. Mit dem Betreff „Hinweis zur Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material — FM4 (ORF Radio Station)“ erwecken sie den Eindruck eines echten ORF-Schreibens.
Die Absender fordern dazu auf, ein verlinktes „Dokument“ zu öffnen oder innerhalb kurzer Frist zu reagieren. Tatsächlich handelt es sich um automatisierte Phishing-Mails, die mit einem Schadprogramm (Trojaner) versehen sind. Ziel ist es, Empfängerinnen und Empfänger zur Infektion ihres Geräts und zur Preisgabe sensibler Daten zu verleiten.
Diese Nachrichten stammen nicht vom ORF. Ziel der Mails ist es, durch Zeitdruck und Angst vor rechtlichen Konsequenzen dazu zu bringen, auf Links zu klicken oder persönliche Zugangsdaten einzugeben.
Typische Merkmale dieser Fake-ORF-Mail-Betrugsmasche
- Absenderadressen ohne offiziellen Bezug zum ORF
- Drohungen mit Klagen oder sehr kurzen Fristen
- Aufforderung zum Öffnen angeblicher PDF-Dokumente
- Unklare, widersprüchliche oder fehlerhafte Angaben
Unsere Empfehlung
- Keine Links anklicken
- Keine Anhänge öffnen
- Keine Daten eingeben
- Die E-Mail löschen oder als Spam melden
Der ORF verschickt keine Urheberrechtsabmahnungen auf diesem Weg. Wer bereits auf einen Link geklickt oder Daten eingegeben hat, sollte umgehend Passwörter ändern und das Gerät auf Schadsoftware prüfen.
Was hinter dem angeblichen „PDF“ wirklich steckt
Mimikama hat die verlinkte Datei technisch analysiert. Dabei zeigte sich: Es handelt sich nicht um harmlose Dokumente, sondern um ein speziell präpariertes Schadsoftware-Paket.

Das ZIP-Archiv enthält neben zahlreichen Ablenkungs-PDFs ein verstecktes Windows-Programm sowie mehrere technische Hilfsdateien. Beim Entpacken wird dieses Programm automatisch im Hintergrund gestartet und im System abgelegt.
Dabei handelt es sich um einen sogenannten „Shellcode-Runner“-Trojaner, der dazu dient, weitere Schadprogramme nachzuladen.
Nach dem Start prüft die Schadsoftware zunächst, ob sie von Sicherheitsprogrammen überwacht wird. Erst wenn keine Analyse erkannt wird, beginnt der eigentliche Angriff. Anschließend werden Internetverbindungen aufgebaut und zusätzliche Module geladen. Ziel ist es, gespeicherte Zugangsdaten, Browserinformationen und Anmeldecookies auszulesen und an Dritte zu übermitteln.
Die im Archiv enthaltenen PDF-Dateien dienen lediglich als Tarnung und sollen Seriosität vortäuschen. Sie haben keinen sachlichen Bezug zu einer angeblichen Abmahnung. Wer diese Datei öffnet, riskiert die vollständige Kompromittierung seines Systems sowie den Verlust sensibler persönlicher und geschäftlicher Daten.
Was bedeutet das konkret für Betroffene?
Wer dieses angebliche „PDF“ öffnet, öffnet in Wirklichkeit einem Schadprogramm die Tür. Das kann ganz konkrete Folgen haben:
- E-Mail-Konten können übernommen werden
Zum Beispiel: Fremde setzen dein Passwort zurück, verschicken in deinem Namen Betrugsnachrichten oder sperren dich aus deinem eigenen Konto aus. - Social-Media-Profile können gehackt werden
Etwa indem über dein Facebook- oder Instagram-Konto Fake-Gewinnspiele, Krypto-Betrug oder Phishing-Links verbreitet werden. - Online-Shops oder Werbekonten können missbraucht werden
Zum Beispiel durch das Schalten kostenpflichtiger Werbung auf deine Rechnung oder das Bestellen von Waren über gespeicherte Zahlungsdaten. - Passwörter und gespeicherte Zugangsdaten können gestohlen werden
Etwa für E-Mail, Cloud-Dienste, Streaming, Online-Banking oder Firmenzugänge. - Private Fotos, Dokumente oder Geschäftsdaten können abgeflossen sein
Das betrifft zum Beispiel Steuerunterlagen, Verträge, Ausweise, Kundenlisten oder private Familienfotos. - Der eigene Computer kann für weitere Betrugsversuche missbraucht werden
Etwa um Spam zu versenden, andere Menschen anzugreifen oder neue Schadsoftware zu verbreiten – oft ohne Wissen der Betroffenen.
In vielen Fällen merken Betroffene zunächst nichts davon. Die Schadsoftware arbeitet im Hintergrund und bleibt oft über Wochen oder Monate unentdeckt. Das bedeutet: Auch wer „nur kurz reingeschaut“ hat, kann bereits betroffen sein.
Was sollten Betroffene jetzt tun?
Wer die Datei geöffnet oder entpackt hat, sollte umgehend handeln:
- Internetverbindung trennen
- Einen vollständigen Virenscan durchführen
- Alle wichtigen Passwörter ändern
- Besonders betroffen: E-Mail, Social Media, Cloud-Dienste, Online-Banking
- Bei Auffälligkeiten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
Je schneller reagiert wird, desto größer ist die Chance, weiteren Schaden zu verhindern.
Die aktuelle Welle gefälschter ORF-Mails zeigt erneut, wie gezielt Betrüger mit bekannten Namen arbeiten. Medienmarken genießen Vertrauen – genau darauf setzen die Täter.
Technisch sind die Angriffe mittlerweile so gestaltet, dass sie Schutzmechanismen umgehen sollen. Umso wichtiger bleibt ein kritischer Blick auf jede unerwartete Nachricht.
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Mimikama bei FM4 im Jahre 2015
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