Ein Eriträer stieß Mutter und Kind vor einen einfahrenden Zug, das Kind starb. Nun kursiert ein Foto, welches zusammen mit dem Text die Wut auf den vermeintlichen Täter noch anheizen soll.
Jenes Sharepic wird derzeit verstärkt auf WhatsApp geteilt:
Screenshot: mimikama.org
Der Text auf dem Bild:
„Der kleine Oskar war erst vor kurzem 8 geworden. Ein gesuchter Gewalttäter ohne Aufenthaltserlaubnis stiess ihn unter die Räder des 100 Tonnen schweren ICE“
Die Intension hinter dem Sharepic ist deutlich:
Es wird mit dem Bild eines Kindes die Tat verbildlicht, das Opfer bekommt ein Gesicht, die Wut auf den Täter wird damit noch intensiver. Der Text soll zudem durch die Beschreibung des Täters suggerieren, dass die Tat hätte verhindern werden können, da ja der Täter laut jener Beschreibung bereits ohnehin ein gesuchter Gewalttäter sei, der zudem noch nicht einmal eine Aufenthaltserlaubnis hatte.
Falsches Bild
Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt recht schnell, dass es sich nicht um den toten Jungen handelt, sondern um das Foto eines Kindes, welches insbesondere für Frisurenseiten oft verwendet wird.
Screenshot: mimikama.org
Die Fehler im Text
Der Name des getöteten Jungens wurde nie veröffentlicht, er hieß also wahrscheinlicht nicht einmal Oskar
Der vermeintliche Täter wurde nur in der Schweiz gesucht, da er eine Nachbarin mit dem Messer bedrohte, bei den deutschen Behörden war er nicht zur Fahndung ausgeschrieben
Er reiste 2006 illegal in die Schweiz ein, 2008 wurde sein Asylstatus anerkannt, seitdem lebt er legal mit Frau und Kindern in der Schweiz
Er fuhr mit dem Zug von Basel nach Frankfurt, nach bisherigem Kenntnisstand war der Grenzübertritt legal
Fazit
Ein beliebig aus dem Internet herausgesuchtes Bild und der Text mit erfundenem Namen des Kindes und einer falschen und irreführenden Beschreibung des Täters sollen die Wut auf den Täter noch mehr erhöhen. Zwar geschah erst kurz vorher eine ähnliche Tat in Voerde, doch darüber wird sich weitaus weniger aufgeregt, in diesem Fall jedoch schon, da der vermeintliche Täter ein Eriträer ist, die Tat somit politisch besser instrumentalisiert werden kann.
Um dies noch einmal klarzustellen:
Die Tat ist auf das Schärfste zu verurteilen! Es hilft jedoch nichts, die Tat einfach mit der Herkunft des Täters zu „erklären“, es ist auch falsch, dies auf alle Flüchtlinge zu verallgemeinern, da er ja nicht einmal in das Raster „Merkels Flüchtlingspolitik“ passt.
Der Mann lebt schon seit 2006 in der Schweiz, also bereits vor Beginn der Flüchtlingswelle 2015, und dann auch nicht einmal in Deutschland. Er galt als gut integriert, es war nicht voraussehbar, dass er eine solche Tat begehen würde.
DIe Tat an sich ist schon furchtbar genug. Die Nationalität des Täters für politische Zwecke auszuschlachten, ist schon mehr als grenzwertig.
Nun aber auch noch ein Sharepic mit falschen Angaben und einem erfundenen Namen des Opfers und mit falschem Bild zu verteilen, um die Emotionen noch ein wenig höher kochen zu lassen, zeugt schon von einem besonderen Maß an Boshaftigkeit.
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Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum. Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG). Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein. (Mehr zur Arbeitsweise)
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