Gewalt lenkt Gamer kaum bis gar nicht ab

Tom Wannenmacher, 17. Dezember 2018
Menschen, die mehr als fünf Stunden pro Woche gewalttätige Videospiele spielen, sind von Bildern mit grausamen oder belastenden Motiven weniger beeindruckt als andere.
Menschen, die mehr als fünf Stunden pro Woche gewalttätige Videospiele spielen, sind von Bildern mit grausamen oder belastenden Motiven weniger beeindruckt als andere.

Spieler gewalttätiger Titel können Grausamkeiten laut aktueller Studie besser ausblenden!

Menschen, die mehr als fünf Stunden pro Woche gewalttätige Videospiele spielen, sind von Bildern mit grausamen oder belastenden Motiven weniger beeindruckt als andere. Sie sind besser dazu in der Lage, sich auf eine Aufgabe zu fixieren, ohne unter dem Einfluss verstörender Szenarien emotional aus der Fassung gebracht zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Forschern der University of New South Wales .

„Auffallender und robuster Effekt“

Im Test wurden den Teilnehmern 17 Bilder von neutralen Landschaften in einer blinkenden Sequenz gezeigt. Sie sollten versuchen, ein Bild auszuwählen, das seitwärts gedreht wurde, und sich erinnern, in welche Richtung es gedreht war. Die Forscher führten dabei auch Bilder von Gewalt oder widerliche Motive wie schmutzige Toilettenschüsseln vor, um die Teilnehmer zu verwirren. Diejenigen, die angegeben hatten, in ihrer Freizeit häufig gewalttätige Spiele zu spielen, legten in den Ergebnissen weniger „Blindheit durch Emotionen“ an den Tag. Ihre Wahrnehmung war genauer. Den Faktor der Häufigkeit des Spielens definierten die Forscher mit einer Spielzeit von mindestens fünf Stunden pro Woche.

„Es ist ein so auffallender und robuster Effekt, dass wir nie eine Studie durchführen, bei der wir diesen grundlegenden Effekt nicht erzielen“, betont Studienautor Steve Most. Trotzdem sei daraus nicht abzuleiten, dass Gamer deshalb Gewalt und schockierende Szenarien weniger schlimm fänden. „Es wird eine große Versuchung für viele Leute geben, daraus zu folgern, dass das Spielen vieler Videospiele dazu führt, dass die Menschen weniger sensibel auf emotionale Informationen reagieren – aber wir können nichts darüber sagen, ob sie dies verursachen“, so Most.

Andere Wahrnehmungserfahrungen

Die Forscher führten ein weiteres Experiment mit neuen aufblinkenden Bildern durch, die neutral waren und keine gewalttätigen Konnotationen innehatten: beispielsweise Bilder von Menschen oder Tieren. Bei diesen Experimenten gab es keinen Unterschied in der Genauigkeit zwischen Spielern und Nicht-Spielern. Dies schließe den Studienautoren zufolge aus, dass Gamer insgesamt eine bessere visuelle Aufmerksamkeit haben.

Generell raten die Studienautoren dazu, nicht zu schnell über die Sensibilität von frequentierten Gamern zu mutmaßen.

„Wir wissen nichts über die Kausalität. Wir machen in der Studie auch keine Aussagen über gewalttätige Videospieler und moralische Sensibilität oder Aggression. Es gibt sehr gemischte Beweise, ob das Spielen gewalttätiger Videospiele das Verhalten einer Person beeinflussen wird. Wir betrachten hier nur den Zusammenhang mit Wahrnehmungserfahrung“, stellt Most abschließend klar.

Quelle: pte


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama