Ein zwei Jahre alter Artikel wird pünktlich zum Fest der Liebe wieder ausgegraben.
So bekommen wir Anfragen zu einem Artikel der „PI-News“ von 2016, wie beispielsweise jene hier:

Woolworth Dortmund ohne Weihnachtsartikel: „Das ist ein muslimisches Geschäft“
…titelte 2016 die „PI-News“ einen kurzen Artikel, als Quelle nannten sie die „Bild„.
Was ist da dran?
Während „PI-News“ den Artikel so aufgearbeitet hat, als sei dies ein offizielles Statement von Woolworth, fragte die „Bild“ wenigstens nach, was an der Aussage einer Kassiererin gegenüber einer Kundin dran ist.
Auch wir wollten wissen, was da genau los ist und stellten im November 2016 eine Anfrage an Woolworth. Hier deren Antwort:
„Gerne möchten wir Ihnen unsere Entscheidung erläutern. In all unseren Filialen prüfen wir den Abverkauf unserer Waren und passen den Bedarf unserer Kunden in den verschiedenen Regionen Deutschlands permanent an. Dies betrifft sowohl saisonale Produkte als auch Artikel, die wir das ganze Jahr über verkaufen. In den vergangenen Jahren mussten wir leider feststellen, dass unsere Weihnachtsartikel in unserer Filiale in der Dortmunder Münsterstraße sehr schleppend abverkauft werden. Um unseren Kunden vor Ort Platz für andere, benötigte Artikel bieten zu können, haben wir uns in diesem Fall dazu entschlossen, die Weihnachtsartikel in unsere umliegenden Filialen umzulagern. Die Weihnachtsartikel, die wir in unseren Werbeprospekten bewerben, sind natürlich weiterhin in der Münsterstraße erhältlich.“
Kurz gesagt:
Es ist nicht etwa so, dass Muslime etwas gegen die Weihnachtsartikel hätten und sie deswegen nicht mehr dort verkauft werden, so wie es der Artikel der „PI-News“ suggerieren möchte. Es wurden dort einfach nur aufgrund der regionalen Gegebenheiten zu wenig Weihnachtsartikel verkauft.
„Ihr redet das doch gerade schön!“
Nein. Denn es ist ein gewaltiger Unterschied, ob Produkte nicht mehr verkauft werden, weil es gefordert wird oder ob sie nicht mehr verkauft werden, weil sie keinen Absatz finden.
Aus dem schleppenden Absatz machte die „PI-News“ ein „Die Muslime sind schuld!“, da dort viele Muslime wohnen. Kann man so sehen, wenn man sehr quer denkt. Man könnte auch titeln „Die Christen sind schuld!“, weil sie zu wenig dort einkaufen. Das wäre genauso irreführend.
Weihnachtsartikel als Politikum
Man stelle sich mal eine Ladenkette vor, bei der eine Filiale keine vegane Fleischwurst mehr verkauft. Würde dann der große Aufschrei der Vegetarier und Veganer kommen, á la „Die Fleischfresser sind schuld, dass wir unsere Wurst nicht mehr bekommen!“?
Sicher nicht. Denn wenn sich ein Artikel nicht gut verkauft, wird er aus dem Sortiment genommen, das ist ganz normales Geschäftsgebahren.
Weihnachtsartikel jedoch sind wegen dem emotionalen Faktor ein gefundenes Fressen, um aus einer wirtschaftlichen Entscheidung ein Politikum zu machen.
Eine aktuelle Aussage
Auch die Seite „Dortmund24“ berichtet über die Vorwürfe, die aktuell wieder auftauchen. Gegenüber der Seite äusserte sich Diana Preisert aus der Woolworth-Zentrale:
„In jeder Filiale können Kunden ein und dasselbe Sortiment finden. Wenn ein Sortiment angepasst wird, dann nur, weil manche Läden kleiner als andere seien. Aber selbst dann könnten Kunden die gleichen Angebote finden – nur eben in kleineren Mengen.“
Fazit
In der Dortmunder Nordstadt wohnen nur noch rund 29 % Protestanten und Katholiken, der Rest ist entweder konfessionslos oder hat einen anderen Glauben (Stand: 2016).
Dementsprechend ist auch der Absatz an Weihnachtsartikeln eher schleppend. Dies bedeutet aber nicht, dass es gar keine Weihnachtsartikel dort mehr gibt: Die im Prospekt angegebenen Artikel sind dort auch weiterhin zu haben.
Das verringerte Angebot an Weihnachtsartikeln liegt also nicht etwa daran, weil Muslime dies forderten, sondern weil zuwenig verkauft wurden.
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