Ein Video erzählt, Regierungen würden das Wetter heimlich steuern. Wer die Behauptung für falsch hält, kann den Beitrag melden. Doch was passiert danach? Fundación Maldita.es und Science Feedback haben das bei YouTube und TikTok untersucht. Ihre am 13. Oktober 2026 vorgestellte Untersuchung beschreibt seltene sichtbare Maßnahmen und Beschwerdeverfahren, deren Ergebnisse sich teilweise kaum nachvollziehen lassen.
Die beiden Faktencheck-Organisationen arbeiteten mit Unterstützung des European Fact-Checking Standards Network. Sie prüften französisch- und spanischsprachige Videos und verglichen deren Aussagen mit den Regeln der jeweiligen Plattform. Die Untersuchung gibt damit Einblick in einen ausgewählten Bestand problematischer Videos. Sie misst keinen allgemeinen Anteil von Klimafalschinformationen auf den beiden Diensten.
Was die Faktenchecker tatsächlich meldeten
In der ersten Runde meldeten die Organisationen 87 TikTok- und 82 YouTube-Videos, die ihrer Prüfung zufolge gegen Plattformregeln verstießen. KI-Filter halfen bei der Vorauswahl; die Entscheidung über eine Meldung trafen Faktenchecker nach manueller Kontrolle. Anschließend untersuchten sie bekannte Accounts auf weitere problematische Beiträge. Aus dieser zusätzlichen Runde kamen 87 TikTok- und 81 YouTube-Videos hinzu. Die späteren Beschwerdezahlen beziehen sich deshalb auf einen größeren Bestand als die erste Auswahl.
Die Videos waren anhand von Suchbegriffen ausgewählt worden, die in der Arbeit der Organisationen regelmäßig bei Klimadesinformation vorkommen. Das macht die Suche zielgerichtet, begrenzt aber ihre Aussagekraft: Über gewöhnliche Klimadiskussionen oder deutschsprachige Videos liefert dieser Test keine eigenen Messwerte.
YouTube: Werbeeinnahmen sind von außen schwer zu prüfen
YouTubes Richtlinien für werbefreundliche Inhalte schließen Werbeeinnahmen für Beiträge aus, die dem wissenschaftlichen Konsens über die Existenz und Ursachen des Klimawandels widersprechen. Für das Verständnis des Tests ist diese Regel wesentlich: Ein Video kann weiterhin abrufbar sein, obwohl ihm die Möglichkeit entzogen wurde, Werbeeinnahmen zu erzielen. Dass es online bleibt, reicht daher als Nachweis einer ausgebliebenen Maßnahme nicht aus.
Science Feedback berichtet, dass YouTube auf die eingereichten Meldungen keine Antworten übermittelte. Die Forschenden prüften deshalb vor und nach den Meldungen Werbeanzeigen und Signale externer Analysewerkzeuge. Nach 72 Stunden zeigten nur wenige Videos Hinweise auf einen Entzug der Monetarisierung. Der Bericht nennt dafür fünf Prozent bei den französischen und vier Prozent bei den spanischen Videos der ersten Runde.
Interne Abrechnungsdaten standen den Organisationen allerdings nicht zur Verfügung. Ihre Beobachtungen können deshalb nicht zweifelsfrei zeigen, welche Einnahmen ein einzelnes Video tatsächlich erzielte. Das Transparenzproblem besteht unabhängig davon: Wer eine Meldung abschickt, kann die Anwendung einer Werberegel kaum überprüfen, wenn die Plattform keine konkrete Rückmeldung dazu liefert.
TikTok: Einschränkung bedeutet nicht automatisch Löschung
TikTok erklärt in seinem Sicherheitsleitfaden, schädliche Falschinformationen auch zum Klimawandel zu untersagen. Je nach Regel werden Inhalte entfernt oder vom „Für dich“-Feed ausgeschlossen. Ein ausgeschlossener Beitrag bleibt somit grundsätzlich aufrufbar, wird aber über diesen Empfehlungsfeed nicht mehr verbreitet. Das Unternehmen verweist außerdem auf unabhängige Faktencheck-Partner und die Möglichkeit, Ergebnisse einer Meldung im Sicherheitsbereich der App nachzuverfolgen.
Die Untersuchung beschreibt vor allem Einschränkungen nach Regeln gegen Verschwörungserzählungen. Vergleichbare Behauptungen wurden jedoch unterschiedlich behandelt. In der ersten Runde nennt der Bericht Einschränkungen bei drei Prozent der französischen und 17 Prozent der spanischen Videos. Diese beiden Werte beziehen sich auf unterschiedliche Teilbestände und dürfen nicht zu einer gemeinsamen Quote addiert werden.
Bei 147 internen Einsprüchen blieb TikTok laut Science Feedback bei seiner ursprünglichen Entscheidung. Die Organisationen vermuten einen hohen Automatisierungsgrad. Eine unveränderte Entscheidung beweist aber für sich genommen keine ausschließlich automatische Bearbeitung. Zusätzlich dokumentierten sie einen Fehler in der Anzeige von Bearbeitungsdaten, der die Auswertung der tatsächlichen Antwortzeiten erschwerte.
Beschwerden können über die Plattform hinausgehen
Der europäische Digital Services Act eröffnet weitere Wege. Die EU-Kommission erläutert, dass Nutzerinnen und Nutzer Moderationsentscheidungen intern anfechten und sich an zertifizierte außergerichtliche Streitbeilegungsstellen wenden können. Bei einem vermuteten Verstoß gegen den DSA ist außerdem eine Beschwerde beim nationalen Koordinator für digitale Dienste möglich. Damit unterscheiden sich die Überprüfung einer einzelnen Entscheidung und die Kontrolle des Verhaltens einer Plattform.
Maldita.es nutzte in Spanien die außergerichtliche Streitbeilegung. Nach Angaben von Science Feedback waren innerhalb eines Monats ungefähr zehn Prozent der Beschwerden beantwortet. In Frankreich richtete Science Feedback Beschwerden an die zuständige Behörde Arcom; zum Berichtszeitpunkt war noch keine Antwort eingegangen. Der Bericht enthält auch spätere Bearbeitungsstände. Die frühe Rückmeldequote ist deshalb keine abschließende Erfolgsbilanz. Ebenso wenig stellt die Untersuchung eine behördliche Feststellung konkreter Rechtsverstöße dar.
Ein stehen gebliebenes Video ist kein Wahrheitsbeleg
Für Nutzerinnen und Nutzer folgt daraus eine praktische Unterscheidung: Der Wahrheitsgehalt einer Behauptung lässt sich anhand ihrer Belege prüfen. Ob die Plattform sie eingeschränkt hat, betrifft ein anderes Verfahren. Ein weiterhin sichtbarer Beitrag und eine abgelehnte Meldung liefern keinen wissenschaftlichen Nachweis für seinen Inhalt.
Die Untersuchung zeigt außerdem, welche Angaben für eine überprüfbare Moderation fehlen können: Welche Regel wurde geprüft? Welche konkrete Maßnahme folgte? Gerade beim Entzug von Werbeeinnahmen bleibt das von außen oft offen. Solange diese Informationen fehlen, ist auch für sorgfältig arbeitende Faktenchecker schwer festzustellen, ob eine Meldung etwas bewirkt hat.
Quellen
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